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Hürdenreicher Schweizer Einstieg in den UMTS-Markt

In der Schweiz lässt die schöne UMTS-Welt noch etwas auf sich warten. Keystone

Auf dem Schweizer Telekommarkt überschlagen sich die Ereignisse: Nach der Fusion von Sunrise und diAx haben die Aufsichtsbehörden am Montag (13.11.) die Notbremse gezogen und die UMTS-Auktion in letzter Minute ausgesetzt.

Die Reaktionen waren geteilt. Die Eidgenössische Kommunikations-Kommission (ComCom) und das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) bliesen unmittelbar vor dem für 09.00 Uhr geplant gewesenen Start der Auktion von vier UMTS-Lizenzen zum vorläufigen Übungsabbruch. Das «Timeout» – so BAKOM-Chef Marc Furrer – soll bis Anfang Dezember zur Prüfung der neuen Marktsituation und der Wettbewerbslage sowie zur Klärung des nicht genau begründeten Verdachts auf unzulässige Absprachen unter den ursprünglich zehn UMTS-Bietern genutzt werden.

Fusion war Verschiebungsgrund

Zur Notbremse griffen die Behörden, als der seit Tagen erwartete Schulterschluss zwischen Sunrise und diAx Tatsache wurde und nur noch vier Interessenten für die vier Lizenzen der dritten Mobilfunkgeneration übrig blieben. Sie setzten sich damit dem Vorwurf aus, entgegen den noch am Freitag bekräftigten Plänen die Spielregeln während des Spiels zu ändern.

Drei Optionen stehen laut ComCom und BAKOM nun zur Diskussion: Erstens die Durchführung der Auktion nach den bisherigen Plänen zu einem späteren Zeitpunkt. Zweitens die Vergabe der Lizenzen an die vier Interessenten, entweder durch eine einmalige Zahlung oder durch Umlage auf jährlich zu entrichtende Konzessionsgebühren. Und drittens die Neuausschreibung der Auktion.

Rechtlich unklare Situation

Vor allem die zweite Option könnte rechtliche Schritte nach sich ziehen. Laut Michel Huber, Wirtschaftsanwalt mit Schwerpunkt Telekommunikation und IT, dürften zwar die Spielregeln der Auktion geändert werden, nicht aber das Verfahren an sich. Auch der Wechsel von einer einmaligen Entgeltung in jährliche Abgaben sei heikel, meint Huber.

Swisscom und Orange, die sich letzte Woche Rückendeckung durch die Weltkonzerne Vodafone und France Telecom mit Blick auf die UMTS-Auktion geholt hatten, reagierten verärgert. Sollten die Spielregeln geändert werden, erwägen sie rechtliche Schritte gegen die ComCom.

Bundesrat Moritz Leuenberger, die Parteien SP und CVP sowie die Gewerkschaften begrüssten den Marschhalt. Die FDP reagierte erstaunt.

Situation in der Shweiz bestätigt Marktentwicklung

Analysten sind nicht überrascht, dass die UMTS-Auktion bis auf weiteres abgeblasen worden ist. Mehrere europäische Telekom-Unternehmen versuchen, ihre Schulden nach den Milliardensummen in Deutschland und Grossbritannien zu begrenzen, hiess es.

Die Verschiebung in der Schweiz bestätige den Trend, das Telekomfirmen nicht mehr bereit seien, jeden Preis für eine Lizenz zu bezahlen, sagte Markus Bächtold von der Bank Leu. Während in Deutschland und Grossbritannien pro Lizenz noch Milliardenbeträge auf den Tisch gelegt wurden, wurde bei den Versteigerungen in Holland, Italien und Österreich deutlich weniger als erwartet eingenommen.

Preis auf Tiefpunkt

«Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa wären 50 Mio. Franken für eine Lizenz der absolute Tiefstpreis gewesen», so Bächtold. Das hätte aber volkswirtschaftlich Sinn gemacht. Auch wenn die Schweiz ein interessanter Markt sei, erfordere die Topographie des Landes weit höhere Infrastrukturkosten als beispielsweise in den Niederlanden, sagte Jérôme Schupp, Analyst bei der Bank Syz &&Co.

swissinfo und Agenturen

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