In 30 Jahren ein Volk von Rentnern
Die Schweiz altert: Die Baby-Boom-Generation kommt ins Rentenalter. Ab 2035 wird jede vierte Person älter sein als 65 Jahre. Dies sagt ein Szenario des Bundesamtes für Statistik.
Das Bundesamt für Statistik stellte am Freitag (27.04.) eine neue Serie mit drei Szenarien zur Entwicklung der Bevölkerung und der Erwerbstätigkeit in der Schweiz im Zeitraum 2000 bis 2060 vor. Die Wohnbevölkerung wird gemäss dem Grundszenario von heute 7,2 auf 7,4 Mio. im Jahr 2028 steigen und dann auf 7,1 Mio. im Jahr 2060 sinken.
Gemäss diesem Szenario werden 2060 noch 5,4 Mio. Personen in der Schweiz leben, die unter 65 Jahre alt sind. Das sind 11 Prozent weniger als heute (6,1 Millionen).
Grosse Zunahme der über 80-Jährigen
Proportional gesehen wird die Altersgruppe der mindestens 80-Jährigen am kräftigsten wachsen. Gerechnet wird mit einem Anstieg von 93 Prozent. Das heisst, im Jahre 2060 wären 550’000 Personen oder acht Prozent der Bevölkerung der Schweiz über 80 Jahre alt.
Wegen des Rückgangs der Zahl der jungen Menschen und der steigenden Zahl der Älteren verändert sich das Verhältnis zwischen den Generationen markant. Das so genannte Median-Alter, das die Bevölkerung in zwei gleich grosse Gruppen teilt, steigt bis 2060 von heute 37,8 auf 42,2 Jahre.
Nur noch zwei Erwerbstätige pro Rentner
Nach diesen Annahmen kämen um das Jahr 2035 nur noch rund zwei Personen im erwerbsfähigen Alter auf eine Person, die 65-jährig oder älter ist. Gegenwärtig beträgt dieses Verhältnis vier zu eins.
Je weiter die Perspektive, umso unsichererer die Prognose, sagte BFS-Vizedirektor Werner Haug. Am unberechenbarsten sei der Faktor Migration. Die Zahlen der letzten Szenarien von 1996 seien erstaunlich robust und in die 11. AHV-Revision integriert, die im Mai im Nationalrat beraten wird.
Die Alterung der Schweiz und Europas sei ein unaufhaltsamer Prozess und durch «kompensatorische Migration» nicht zu ändern, sagte Haug. Sie sei ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Staat und Gesellschaft seien stark herausgefordert. Zu Pessimismus sei indes kein Anlass.
Gewerkschaftsbund kritisiert
Gerade vor dem Pessimismus – respektive primär von den Folgen der Veröffentlichung auf die anstehende Parlaments-Debatte über die AHV – warnt der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Laut dem SGB sind die Szenarien für Berechnungen zu den AHV-Finanzen höchstens bis 2010 brauchbar und bezüglich Einwanderung und Beschäftigung vertretbar. Danach werde von einer endlosen Krise mit rückläufiger Beschäftigung ausgegangen.
swissinfo und Agenturen
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