Mädchen beschnuppern Männerwelt
Berührungsängste abbauen heisst das Motto des nationalen Tochtertages. Mädchen begleiten ihre Väter und Mütter zur Arbeit und lernen neue Berufe kennen.
Bereits zum dritten Mal findet der Tochtertag statt. Mit steigendem Erfolg.
Der diesjährige Tochtertag findet in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld statt. Die landesweite Lehrstellenknappheit zwingt die Jugendlichen zu mehr Flexibilität, manchmal zur Aufgabe des angestrebten Traumberufs.
Das heisst: Wer unbedingt eine kaufmännische Ausbildung machen wollte, wird jetzt vielleicht Detailhandelsangestellte. Doch vielleicht gäbe es ja noch mehr Möglichkeiten? – Diese will der dritte nationale Tochtertag aufzeigen.
«Die Entscheidung für einen Beruf muss in einer schwierigen Zeit gefällt werden. Die Mädchen sind in dem Alter nicht gerade offen für so genannte ‚Männerberufe'», erklärt Maria Roth-Bernasconi, Verantwortliche für den Tochtertag in der Westschweiz.
Mit dem Tochtertag sollen die 10- bis 15-jährigen Mädchen neue Berufslaufbahnen und Arbeitsbiografien kennen lernen, sollen dazu angeregt werden, sich mit verschiedenen Lebensvorstellungen auseinander zu setzen. Das Ziel: Keine Berührungsängste mehr vor unbekannten Berufen, weder Bank noch Baustelle.
Langfristige Perspektiven
Denn noch immer gilt: Mädchen sind zwar oftmals gut in der Schule, können diesen Erfolg jedoch beruflich nicht genug umsetzen. Weiter fehlt es vielfach an einer Perspektive für eine lebenslange Erwerbstätigkeit. Allein die Tatsache, dass Frauen Mütter werden können, bremst die Mädchen weiterhin aus, wogegen sich Knaben keine Gedanken zu einer allfälligen Vaterschaft machen.
Am Tochtertag mitmachen können deshalb nur Mädchen. Eine Ausnahme bildet der Kanton Waadt, der den Tochtertag in diesem Jahr auch für die Knaben öffnet. Sonst müssen die Knaben heute wie gewöhnlich die Schulbank drücken.
Auch Knaben profitieren
Doch ganz so arg ist es für die Knaben nicht. Damit auch die Jungs vom Tochtertag profitieren können, lancieren die Organisatoren in diesem Jahr einen neuen Wettbewerb. Daran teilnehmen können Lehrerinnen und Lehrer, die mit den Knaben spezielle Unterrichtsideen realisieren. Die besten Spezialprogramme werden mit Einkaufsgutscheinen zu Handen der Klassenkasse prämiert.
Der Tochtertag, initiiert von «16+», dem Lehrstellenprojekt der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten, wird in diesem Jahr zusammen mit dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau organisiert.
Die beiden bisherigen Tochtertage waren laut den Organisatoren ein voller Erfolg. Im letzten Jahr hatten sich mehr als 7300 Betrieben beteiligt am Tochtertag. Dieses Jahr wird mit rund 10’000 beteiligten Firmen gerechnet.
Tausende von Mädchen bleiben dem Schulunterricht fern und begleiten Vater oder Mutter zur Arbeit. Ins Büro, auf Streife, in die Autowerkstatt oder auf die Baustelle.
swissinfo und Agenturen
2001 machten etwa 1200 Mädchen und 800 Unternehmen mit.
Dieses Jahr wird mit 17’000-20’000 Mädchen in schweizweit rund 10’000 Firmen gerechnet.
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