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Mit Internet Romanisch retten

Im Oberengadin ist am Mittwoch (16.08.) die Scuntrada eröffnet worden. Die Begegnungstage der Rätoromanen verlaufen dieses Jahr nach einem neuen Konzept. Die alte Sprache soll mit neusten Informations- Technologien auch den Jungen näher gebracht werden.

Auch wenn das Romanische im Zentrum steht, unterscheidet sich die Scuntrada 2000 inhaltlich von früheren Ausgaben. Ganz bewusst werden dieses Jahr auch Anderssprachige eingeladen.

«Die Scuntrada ist ein Fenster nach aussen, wo wir unsere Anliegen und Strategien vorstellen können. An der Scuntrada wird man deshalb auch Englisch, Deutsch und Italienisch hören», versichert Gian Peder Gregori von der Lia Rumantscha gegenüber swissinfo. Es sollen alle Leute angesprochen werden, die sich in irgendeiner Form für das Romanische interessieren. Das Romanische wird so in der Mehrsprachigkeit eine Art Kommunikationsbrücke sein.

Die Begegnungstage der Romanen finden seit 15 Jahren im Turnus von drei Jahren statt. Das Oberengadin als Austragungsort wurde von der Lia Rumantscha, der Dachorganisation der romanischen Sprachverbände, ausgewählt, um aufzuzeigen, dass im Bündner Hochtal neben den internationalen Sprachen auch das Romanische gesprochen wird und im Alltag bestehen kann.

Gian Peder Gregori: «Da drängt sich eine Frage auf, wie sich Tourismus und eine Kleinsprache wie das Romanische vertragen.» Problematisch seien nicht die Touristen an und für sich. Vielmehr bedrohten die viele Nichtromanen, die in der Touristikbranche arbeiten, diese über 2’000 Jahre alte Sprache. «Dann können die Sprachverhältnisse in einer Region durcheinander gebracht werden», meint Gregori, «wir müssen deshalb Strategien entwickeln, um dem entgegen zu wirken.»

In ganz Graubünden sprechen heute noch gut 40’000 Menschen Romanisch. Das entspricht einem knappen Viertel der Bevölkerung. Rund 66’000 Personen in der ganzen Schweiz beherrschen eines der 5 Idiome: Sursilvan (Bündner Oberland, 18’000 Sprechende), Vallader (Unterengadin und Münstertal, 6’000 Personen), Putèr (Oberengadin, 5’000 Personen), Surmiran (Oberhalbstein und Albulatal, 3’000 Leute) und Sutsilvan (Hinterrhein, 1’300 Sprecherinnen und Sprecher).

Hauptakzente seien im Schulunterricht zu setzen, damit die Kinder der Zuwanderer romanisiert würden. «Nur so kann das Rätoromanische seine Präsenz im Alltag behalten,» ist Gian Peder Gregori von der Lia Rumantscha überzeugt. Weiter müssten Anreize für erwachsene Zuwanderer geschaffen werden, Romanisch zu lernen.

Nebst klassischem Sprachunterricht wird neu auch das Internet eingesetzt: «Damit wollen wir zeigen, dass das Romanischen einer modernen Kommunikation des dritten Jahrtausends genügt und überleben kann.» Man könne nicht nur die traditionelle Kultur pflegen, sondern man müsse die neuen Herausforderungen auch mit einer Kleinsprache wie dem Romanischen bewältigen können.

Die Lia Rumantscha bietet nun auf dem Internet eine Art Portal an. Nebst Links zu romanischen Zeitungen und Radioprogrammen gibt es Informationen über Kursangebote, romanische Publikationen und Schulversuche bis hin zur Genealogie der romanischen Sprache.

Ruth Bossart

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