Schweizer Gesundheitswesen 4,5 Prozent teurer
Das Schweizer Gesundheitswesen ist erneut teurer geworden. Die Kosten stiegen 1998 um 4,5 Prozent auf 39,8 Mrd. Franken. Der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg um 0,3 auf 10,5 Prozent.
Nachdem sich die Kostensteigerung 1997 etwas verlangsamt hatte, kam es 1998 wieder zu einer stärkeren Erhöhung, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag (10.07.) mitteilte.
Damit nahmen trotz der in den 90er-Jahren stagnierenden Wirtschaft Angebot und Nachfrage nach Leistungen des Gesundheitswesens auch im Berichtsjahr weiter zu.
In der Schweiz wird somit nach wie vor ein wachsender Anteil der Mittel für Güter und Dienstleistungen des Gesundheitswesens aufgewendet. Laut BFS hat der Kostenanstieg vielfältige Ursachen. So wuchsen auf der Angebotsseite die Spezialisierung und Technisierung.
Auf der Nachfrageseite sind die Alterung der Bevölkerung und der verbesserte Zugang zu qualitativ hochstehenden Pflegeleistungen wichtige Faktoren. Zudem deuten die Statistiken laut BFS auch auf eine Intensivierung der Behandlungen im ambulanten Bereich zwischen 1992 und 1997 hin.
KVG wirkt sich noch nicht auf Kosten aus
Die Instrumente des neuen Krankenversicherungsgesetzes (KVG) entfalten ihre kostendämpfende Wirkung noch nicht voll, wie es weiter heisst. Gewisse Instrumente sind zudem mangels Einigung zwischen den Hauptakteuren des Gesundheitswesens noch gar nicht in Kraft.
Das BFS weist auch darauf hin, dass die im KVG geregelten Leistungen der Grundversicherung 1998 lediglich 37 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausmachten und sich die Kosten für die Krankenversicherung nicht immer parallel zu denen des Gesundheitswesens entwickeln.
Mehr ambulante Behandlungen
Bei den Kosten im stationären Bereich ist seit 1994 ein leichter Rückgang festzustellen, der sich im Berichtsjahr forsetzte. Waren 1997 47,7 Prozent der Ausgaben im stationären Bereich angefallen, betrug der Anteil 1998 noch 46,8 Prozent.
Für die ambulanten Dienstleistungen war die Tendenz gerade umgekehrt: 1997 lag der Anteil bei 34,2 Prozent, 1998 bei 34,9 Prozent. Die Ausgaben für Medikamente veränderten sich mit rund elf Prozent wenig und auch jene für die Prävention blieben mit 1,6 Prozent mehr oder weniger konstant. Die Verwaltungskosten der Krankenkassen haben sich mit 3,9 Prozent auf dem Stand von 1996 stabilisiert.
Spitaltarife massiv gestiegen
Für den Preisindex hat das BFS bereits Daten zum Jahr 1999. Die Entwicklung der Preise für Waren und Dienstleistungen des Gesundheitswesens wich im vergangenen Jahrzehnt nicht wesentlich von derjenigen des Landesindexes der Konsumentenpreise ab.
Eine Ausnahme sind die Spitaltarife: Von 1985 bis 1999 nahmen sie doppelt so stark zu wie der globale Gesundheitsindex. Die Preise für Medikamente sanken in den letzten drei Jahren hingegen deutlich.
Die Hauptlast der Gesundheitskosten trugen auch 1998 die Haushalte, wie das BFS weiter schreibt. Ihnen fielen 65,9 Prozent der Gesamtkosten in Form von Direktzahlungen (24,8 Prozent), Krankenkassenprämien (23,1 Prozent), Zusatzversicherungsprämien (12,6 Prozent) und Kostenbeteiligungen (5,4 Prozent) zu. Die Aufwendungen der öffentlichen Hand beliefen sich auf 24,1 Prozent. Der verbleibende Anteil wurde vor allem von den Unternehmen und in Ausland wohnhaften Personen übernommen.
swissinfo und Agenturen
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