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Sonne messen – Swiss made

Simulation des Hessi-Satelliten auf seiner Umlaufbahn. http://cse.ssl.berkeley.edu/hessi_epo/html/tour.html

Die Nasa will mehr über die Sonne herausfinden und schiesst darum einen Satelliten ins All. Die Messungen machen Geräte, die vom Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen entwickelt wurden. Swissinfo wollte vom Projektleiter wissen, worum es geht.

«Wir wollen Explosionen auf der Sonne beobachten. Das sind Vorgänge, die Energien von Millionen von Atombomben freisetzen. Das führt dann auf der Erde zu Nordlichtern oder zur Störung der Radiowellen. Wir wollen diese sogenannte impulsive Energiefreisetzung besser verstehen», erklärt Alex Zehnder, Leiter des Laboratoriums für Astrophysik am PSI, das Ziel des Projektes Hessi (High Energy Solar Spectroscopic Imager). Hessi kostet die amerikanische Raumfahrtbehörde 73 Mio. Dollar. Die Messgeräte kommen aus der Schweiz.

Röntgen-Teleskop

Wichtigste der Schweizer Entwicklungen ist eine Art Teleskop, das statt Licht Röntgen- und Gammastrahlen einfängt. «Röntgenstrahlen können wir durch eine Art ‚Gartenhag‘ aus Lamellen abbilden. Damit unser Gerät im Satelliten Platz findet, müssen die Abstände der Lamellen ein Drittel einer Haaresbreite sein», nennt Zehnder die grösste Herausforderung für sein 9-köpfiges Team, das zeitweise bis zu 30 Personen umfasste.

Weiter baute dieses Team ein «Auge», das die Position des Sonnenmittelpunktes 120 mal pro Sekunde bestimmt, und eine Kamera, die den Sternenhimmel filmt. Damit kann die Position des Satelliten anhand der bekannten Sterne errechnet werden. «Wir müssen in jedem Augenblick ganz genau wissen, wohin wir zielen.»

Extensive Testreihen

Im All gebe es grosse Temperatur-Schwankungen von minus 30 bis plus 50 Grad, besonders die Elektronik sei da heikel, sagt Zehnder. Während des Starts gebe es zudem einen Schock, wenn die Rakete vom Flugzeug weggesprengt werde. Und sobald die eigene Antriebsrakete zünde, entstünden während rund fünf Minuten starke Vibrationen in alle Richtungen. «Wir testeten das System auf zehnfache Erdbeschleunigung, es hat sich nichts bewegt», fasst Zehnder die Tests zusammen.

Start nächste Woche

Die Hessi-Bodenstation ist an der Universität von Berkeley. Der Start ist auf nächste Woche geplant. «Schon zehn Minuten nach dem Start wird der Satellit seine Umlaufbahn erreicht haben und uns erste Signale senden. Nach fünf Erdumrundungen – ca. neun Stunden – werden wir unsere Systeme eines nach dem andern einschalten.»

Erste Bilder von der Sonne sollen dann nach einer guten Woche geliefert werden. «Wir wissen sofort ob es läuft oder nicht: Im Weltraum können wir nichts mehr reparieren.»

Philippe Kropf

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