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Sozial Benachteiligte sind weniger gesund

Präventivmediziner F. Gutzwiller, T. Zeltner, Bundesamt fuer Gesundheit, C. Malaguerra, Direktor des Bundesamtes fuer Statistik und R. Mueller, Fachstelle fuer Alkoholfragen (v.l.n.r.) Keystone

Sozial Benachteiligte sind in der Schweiz deutlich weniger gesund als der Rest der Bevölkerung. Diese Ungleichheit hat sich in den letzten Jahren noch verschärft, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Freitag (30.06.) bekanntgab.

Das BFS stellte in Bern die Resultate der bereits in Auszügen veröffentlichten, repräsentativen Gesundheitsbefragung 1997 vor. Maryvonne Gognalons Nicolet, Psychosoziologin an der Universität Genf, bezeichnete die Ergebnisse zur sozialen Ungleichheit als sehr beunruhigend.

Soziale Ungleichheit

Untere Schichten schätzten ihren Gesundheitszustand massiv schlechter ein und hätten häufiger chronische Leiden. Menschen mit nur obligatorischer Schulbildung fühlten sich mehr als doppelt so häufig schlecht oder mittelmässig wie Menschen mit besserer Bildung. Bei den Frauen hat die Bildung, bei den Männern das Einkommen den stärksten Einfluss.

Ein Drittel der Frauen mit geringer Bildung berichtet über mittelmässige oder schlechte Gesundheit, bei den Frauen mit besserer Ausbildung ist es in Sechstel. Frauen mit obligatorischer Schulbildung sind doppelt so häufig übergewichtig als Frauen mit Hochschulabschluss. Drei Viertel der Benachteiligten waren 1997 lediglich grundversichert, während es bei den Begüterten nur 40 Prozent waren.

Menschen mit wenig Bildung seien den Risiken der Konsumgesellschaft besonders ausgesetzt, sagte Gognalons Nicolet. Die verbreitete Ansicht, dass jeder für seine Gesundheit selbst verantwortlich sei, gelte hier nur bedingt. Das Schweizer System müsse hinterfragt werden.

Regionale Unterschiede

Unterschiede gibt es auch zwischen den Regionen. In Städten ist der Gesundheitszustand schlechter, die gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen und die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sind häufiger als auf dem Land.

Schweizer Bevölkerung fühlt sich europaweit am gesündesten

Insgesamt ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung ausserordentlich gut, wie der Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, Thomas Zeltner, sagte. Die subjektive Einschätzung der Gesundheit ist europaweit am besten. Die Lebenserwartung ist nach Island und Schweden in der Schweiz am höchsten. Allerdings liegt die Schweiz auch bei den Gesundheitsausgaben auf dem zweiten Platz. Beim Suizid, der Jugendgewalt und Raucherkrebs ist die Rate im europäischen Vergleich sehr hoch.

Wie bereits früher berichtet, fühlten sich 1997 über 80 Prozent der schweizerischen Wohnbevölkerung gut bis sehr gut, rund 50 Prozent fühlten sich auch psychisch gut. Verglichen mit 1992 verbesserten sich das Ernährungsbewusstsein und das Verhalten bezüglich Alkohol.

In Bezug auf die körperliche Aktivität, das Rauchen und den Medikamentenkosum gab es eine Verschlechterung. Ältere Menschen fühlen sich psychisch wohler als Jugendliche; jeder dritte Jugendliche hat psychische Probleme. Bei den Jungen stieg der Anteil an Rauchenden markant, vor allem bei den jungen Frauen. Auch Haschisch wurde viel häufiger geraucht.

Der Anteil der Bevölkerung, der im Verlaufe eines Jahres einen Arzt konsultierte, nahm um zwei Prozent ab, die Intensität der Betreuung nahm um 17 Prozent zu. Die Alternativmedizin wurde von 53 Prozent, die manuellen Therapien von 24 Prozent mehr Menschen beansprucht. Die Inanspruchnahme im stationären Sektor sank, im ambulanten Sektor nahm sie zu.

swissinfo und Agenturen

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