Sozialer Schutz versus Globalisierung
Die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) sei ein wichtiges Instrument, um angesichts der Globalisierung für würdige Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit zu kämpfen.
Dies sagt Serge Gaillard, Chef der Schweizer Delegation, im swissinfo-Interview zum Abschluss der zweiwöchigen ILO-Konferenz in Genf.
In Genf ist die 96. Tagung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu Ende gegangen. Über 3000 Regierungs-, Arbeitgeber- und Gewerkschaftsdelegierte aus den 180 Mitgliedstaaten debattierten in den vergangenen zwei Wochen etwa über verbesserte Arbeitsbedingungen von 132 Millionen Kindern in der Landwirtschaft.
Die Teilnehmer einigten sich ferner auf ein Abkommen, das rund 30 Mio. Beschäftigten in der Fischerei sicherere Arbeitsbedingungen bringen soll. Die Fischerei gehört zu den Branchen mit den höchsten Arbeitsrisiken.
Auf der Traktandenliste in Genf standen ferner Diskriminierungen am Arbeitsplatz, Standards für eine würdige Arbeit sowie Massnahmen zur Bekämpfung der Zwangsarbeit in Burma. Einzelne Mitglieder, vor allem Weissrussland, wurden ermahnt, die ILO-Konventionen einzuhalten.
Die Schweizer Delegation wurde von Serge Gaillard angeführt, dem Direktor für Arbeit im Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).
swissinfo: Welche Ziele hatte sich die Schweiz an der ILO-Jahreskonferenz gesetzt?
Serge Gaillard: Die Globalisierung verschärft die wirtschaftliche Abhängigkeit, aber auch die Konkurrenz. Es braucht Organisationen wie die ILO, die sich für den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit einsetzen.
Damit trägt die ILO dazu bei, den Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Deshalb war es eine der Prioritäten der Schweiz, Effizienz und Führung der Organisation zu stärken.
swissinfo: In welchem Bereich brachte die Konferenz die grössten Fortschritte?
S.G.: Die Bemühungen der ILO zielen auf Vollbeschäftigung, stabile Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit. Dabei setzt sie auf den Dialog der Sozialpartner und dreiseitige Gespräche unter Einschluss der Behörden.
Damit sollen die nationalen Institutionen gestärkt und die Zusammenarbeit von Staaten und Sozialpartnern gefördert werden.
swissinfo: Hat die Arbeit der ILO einen direkten Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz?
S.G.: Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind im Vergleich mit dem Ausland sehr gut. Für unser Land ist es deshalb umso wichtiger, die Arbeit der ILO aktiv mit zu gestalten. Diese besteht darin, weltweit eine bessere Garantie für soziale Rechte zu verankern. Dazu gehört auch der Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping.
swissinfo: Sie haben die Effizienz der ILO angesprochen. Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten?
S.G: Die Schweiz will, zusammen mit anderen Ländern und Sozialpartnern, eine effizientere ILO. Sie muss sich auf ihre prioritären Handlungsfelder konzentrieren, um würdige Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Das heisst Förderung der Tripartismus (Dialog von Wirtschaft, Gewerkschaften und Staat) und das Recht auf Gesamtarbeits-Verträge, eine staatliche Beschäftigungspolitik, sozialen Schutz sowie einen sozialen Dialog.
Die Wirtschafts- und die Sozialpolitik sollten aufeinander abgestimmt sein, um eine nachhaltigere Globalisierung zu erreichen, die alle am Fortschritt teilhaben lässt.
Die jetzt eingeleitete Entwicklung wird sich auf die ILO auswirken, in Form von Rationalisierungen, normativen und Budget-Vorgaben, wie dies die Schweiz immer verlangt hat.
Die Schweiz ist stolz, dass sie das Präsidium der Kommission inne hat, welche sich mit den Reformen befasst. Wir werden versuchen, in den Verhandlungen für die nächste ILO-Jahreskonferenz die Rolle des Motors zu spielen.
swissinfo-Interview, Frédéric Burnand, Genf
Die Jahreskonferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf dauerte vom 30. Mai bis 15. Juni.
Gemäss dem Grundsatz des Tripartismus ist jedes der 180 Mitgliedsländer mit einer Delegation vertreten, der Mitglieder von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften angehören.
Leiter der Schweizer Delegation war Serge Gaillard, der Direktor für Arbeit im Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).
Die Arbeitgeber waren durch Michel Barde vertreten, Direktor des Westschweizer Unternehmerverbandes, die Arbeitnehmer durch Claude Prince, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).
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