Statistiksystem Schweiz gut aber verbesserungsfähig
Das Bundesamt für Statistik (BFS) soll autonomer und das Statistiksystem Schweiz enger verknüpft werden. Dies empfehlen zwei kanadische Experten, die die Schweizer Statistik untersuchten und am Freitag (16.06.) in Bern ihre Erkenntnisse präsentierten.
Nach 13-jähriger Amtszeit bestehe die Gefahr der Betriebsblindheit, sagte BFS-Direktor Carlo Malaguerra an der Pressekonferenz im Bundeshaus. Deshalb – so Malaguerra weiter – habe er Ivan Fellegi, den Chef der kanadischen amtlichen Statistik, sowie dessen ehemaligen Mitarbeiter Jacob Ryten beauftragt, mittels einer sogenannten «Peer Review» das Schweizer Statistiksystem zu durchleuchten und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
Bereit zur Reform
Malaguerra erklärte sich bereit, die ans BFS adressierten Empfehlungen der Experten umzusetzten. Was die Verselbständigung und die engere Zusammenarbeit mit den Kantonen angeht, seien die Regierung und Parlament gefordert.
Die Experten stellten drei Hauptfragen: Wie anpassungsfähig ist das Statistiksystem? Wie wirksam geht es auf die Bedürfnisse seiner Klienten ein, und wie glaubwürdig ist es? «Das BFS ist eine gesunde Organisation», sagte Ryten an der Medienorientierung in Bern. Es sei kompetent und halte sich trotz gelegentlicher, unangebrachter politischer Einflussnahme eng an die ethischen Leitlinien der amtlichen Statistik.
Verselbständigung empfohlen
Zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit empfehlen die beiden kanadischen Experten die Verselbständigung des BFS in ein Institut mit eigener Rechtspersönlichkeit und Gesetzesgrundlage, wie zum Beispiel das Institut für geistiges Eigentum.
Um glaubwürdige und damit brauchbare Informationen liefern zu können, müssten Statistikorganisationen möglichst unabhängig sein. Das Risiko politischer Einflussnahme auf die Arbeitsweise und die Fragestellungen könne das Unternehmen, die Objektivität seiner Mitarbeiter und die Akzeptanz der Produkte in der Öffentlichkeit in ernsthafter Weise gefährden.
Mehr als nur Zahlen und Tabellen
Der Öffentlichkeit – so die Experten weiter – seien Statistiken auch nicht einfach als nackte Zahlen und Tabellen zu präsentieren, sondern als intelligente Summe von Einsichten aus der Erfassung und Verküpfung von Daten.
Im Vergleich mit Schweden, Österreich, Finnland, Dänemark, Belgien und Norwegen – Länder mit ähnlichem Pro-Kopf-Einkommen und ähnlicher Einwohnerzahl – liegt das BFS gemäss den beiden Experten bezüglich Abdeckung und Ausstoss im Mittelfeld.
Die Minimalanforderungen der EU bezüglich kurzfristiger Wirtschaftsstatistiken erfülle die Schweiz aber nicht. Lücken orteten die beiden Experten auch bei der statistischen Abdeckung der Nachfrage und des Arbeitsmarktes.
swissinfo und Agenturen
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