Stromverbrauch auf Rekordhöhe
In der Schweiz ist 2006 mehr Elektrizität verbraucht worden denn je. Auch die Stromproduktion erreichte einen neuen Höchstwert, wobei vor allem die Atomkraftwerke mehr produzierten.
Der insgesamt um 0,8% gestiegene Stromverbrauch ist vor allem auf die gute Konjunktur zurückzuführen, aber auch auf die Zunahme der Wohnbevölkerung.
Im vergangenen Jahr stieg der Stromverbrauch laut Bundesamt für Energie (BFE) auf 57,8 Mrd. Kilowattstunden (kWh). Im warmen vierten Quartal des Jahres lag der Verbrauch um 2,1% unter dem Vorjahresquartal. In den übrigen Quartalen betrugen die Zunahmen zwischen 0,5 und 3,8%.
Im Sommer resultierte ein Exportüberschuss. Und im Herbst und Winter musste deutlich weniger Strom vom Ausland bezogen werden als in Vorjahren.
Konjunktur, Demografie und Klima
Zum höheren Elektrizitätsverbrauch trugen die konjunkturelle Entwicklung und das Bevölkerungswachstum bei: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs 2006 gegenüber dem Vorjahr um 2,7%. Die mittlere Wohnbevölkerung nahm gemäss provisorischen Zahlen um rund 56’000 Personen oder 0,7% zu.
Dämpfend wirkte sich im Jahr 2006 die Zahl der Heizgradtage (-7,7%) auf den Elektrizitätsverbrauch aus. Den kühleren Wintermonaten Januar und März 2006 standen die deutlich wärmeren Monate Oktober bis Dezember 2006 gegenüber.
Weniger Wasser-….
Die Elektrizitätsproduktion der Schweizer Kraftwerke stieg im Jahre 2006 um 7,3% auf 62,1 Mrd. (2005: 57,9 Mrd.) kWh. Im ersten Quartal 2006 lag die Inlandproduktion um 8,9% unter dem entsprechenden Vorjahresquartal. Danach nahm sie aber stetig zu, im vierten Quartal 2006 sogar um 16,6%.
Die Wasserkraftanlagen erzeugten 0,6% weniger Elektrizität als im Vorjahr, wobei die Zunahme bei den Laufkraftwerken 5,5% und die Abnahme bei den Speicherkraftwerken 5,8% betrug. In der ersten Jahreshälfte lag die Produktion der Wasserkraftwerke um 12,7% unter der Vorjahresproduktion.
…aber mehr Atomkraft
Die Stromproduktion der Atomkraftwerke stieg um 19,2% auf den neuen Höchstwert von 26,2 Mrd. (2005: 22,0 Mrd.) kWh. Neue Produktionsrekorde stellten im Jahr 2006 die Kernkraftwerke Beznau I+II (Summe), Gösgen und Leibstadt auf.
Am gesamten Elektrizitätsaufkommen waren die Wasserkraftwerke zu 52,4%, die Kernkraftwerke zu 42,2% sowie die konventionell-thermischen und anderen Anlagen zu 5,4% beteiligt.
Sechs Monate Exportüberschuss
Während sechs Monaten des Jahres 2006 überstieg die Stromerzeugung in der Schweiz den Inlandbedarf. Für das ganze Jahr ergab sich bei Importen von 48,8 Mrd. und Exporten von 46,1 Mrd. kWh ein Importüberschuss von 2,7 Mrd. (2005: 6,4 Mrd.) kWh.
Im ersten und vierten Quartal des Jahres 2006 mussten per Saldo 5,4 Mrd. kWh vom Ausland bezogen werden. Im zweiten und dritten Quartal des Jahres betrug der Exportüberschuss 2,7 Mrd. (Vorjahr: Importüberschuss von 1,7 Mrd.) kWh.
swissinfo und Agenturen
Elektrizitätsverbrauch: 57,8 Mrd. Kilowattstunden kWh (+0,8% gegenüber 2005)
Gesamtproduktion: 62,1 Mrd. kWh (+7,3%)
Produktion Atomstrom: 26,2 Mrd. kWh (+19,2%)
Anteil Wasserkraft: 52,4 %
Anteil Atomkraft: 42,2 %
Das Bundesamt für Energie (BFE) erwartet ohne Gegenmassnahmen mittelfristig einen Energie-Engpass. Es rechnet in den nächsten 30 Jahren mit einem starken Anstieg des Energiekonsums in der Schweiz.
Ein Engpass zeichnet sich vor allem bei der Elektrizitätsversorgung ab, weil um 2020 die ersten Atomkraftwerke aus Altersgründen vom Netz gehen und gleichzeitig langfristige Strombezugsverträge mit Frankreich auslaufen.
Das BFE geht davon aus, dass sich der Stromverbrauch je nach Szenario bis 2035 um 18 bis 24% erhöhen wird.
Im Februar hat die Schweizer Regierung die Weichen für eine neue Energiepolitik gestellt.
Die Strategie stützt sich auf die drei Säulen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Kernenergie. Dazu komme eine Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit vorab mit der EU.
Als Übergangslösung sollen auch Gaskombi-Kraftwerke errichtet werden.
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