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Urs Widmer eröffnet Hydepark-Corner im Zürcher Schiffbau

Der Schriftsteller Urs Widmer. Keystone / Ayse Yavas

Witzig-satirisch hat der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer am Sonntag (17.12.) die Reihe "Reden" im Zürcher Schiffbau eröffnet. Nicht als Defätist, nicht als Optimist, aber als kreativer Unruhestifter las Widmer der Gesellschaft die Leviten.

Widmer, der sich, wie es bescheidene Intellektuelle in der Regel tun, explizit allzu grosse Kompetenz absprach, äusserte sich dann doch während immerhin rund vierzig Minuten zu seinen Spezialthemen «Geld», «Angst», «Arbeit», «Glück». Und es lohnte sich zuzuhören.

Denn Widmer entwickelte keine langweilige Chronologie, sondern ein bunt-tristes Gedankengeflecht, bei dem sich die vier Themen immer in neuen Varianten ineinander verschränkten.

Der Misere ins Maul sehen

Geld, Macht, Egoismus im Kapitalismus, neue Ökonomie und Faschismus, grenzenlose Angst und Entertainment zu deren Verdrängung, Mord und Genozid, verlorene Sinnlichkeit und Gefühle, verlorenes Glück: Mit solchen Schlagworten analysierte Widmer satirisch, also mit ernsthafter Sorge, die Geschichte der Menschheit bis hin zum «sicheren Untergang der Welt».

Allerdings: Widmer wäre nicht Widmer, wenn er sich aus der Verantwortung stehlen würde. Er ist selbst Teil dieser Misere, und er läuft ihr nicht davon, sondern sieht ihr mit seiner Arbeit ins aufgerissene, zähnefletschende Maul, in der Hoffnung wohl, doch etwas zur Besserung der Menschheit beizutragen.

Für weitere Reden angefragt hat das Schauspielhaus Richard Senett, Jean Ziegler, Pierre Bourdieu, Jeremy Rifkin und Mathias Greffrath. Für weitere Befunde globaler Befindllichkeit dürfte also gesorgt sein.

swissinfo und Agenturen

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