Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Halbautomatische Waffen, wie sie der Täter von Aarau verwendet hat, sind in der Schweiz verboten. Mit einer Ausnahmebewilligung können Sie jedoch trotzdem legal erworben werden – jährlich werden in der Schweiz Tausende solcher Bewilligungen erteilt.
Was die Bedingungen dafür sind, erfahren Sie im heutigen Briefing.
Herzliche Grüsse aus Bern
Halbautomatische Gewehre mit grossen Magazinen gelten in der Schweiz als verboten. Trotzdem werden Zehntausende davon legal erworben – dank Ausnahmebewilligungen.
Der Täter von Aarau, der vor einer Woche an einem Rave eine Person getötet und sechs weitere verletzt hat, hat für seine Amoktat unter anderem ein halbautomatisches Gewehr verwendet. Die AKS-74, eine Variante der russischen Kalaschnikow, gilt seit 2019 als verbotene Waffe in der Schweiz. Der Täter hatte sie noch vor dieser Gesetzesänderung erworben.
Doch wie Recherchen der NZZ am Sonntag zeigen, werden solche Waffen auch heute noch zu Hunderten legal erworben – möglich macht es eine Ausnahmebewilligung. Diese gibt es, wenn man nachweisen kann, dass man Sportschütz:in oder Sammler:in ist. Gerade bei den Schütz:innen seien die Voraussetzungen locker, schreibt die Zeitung. Es reichen fünf und zehn Jahre nach der Bewilligung das Vorweisen einer Vereinsmitgliedschaft oder fünfmaliges Schiessen in fünf Jahren. Mit einer Bewilligung können mehrere Waffen erworben werden.
Trotz des Verbots wurden so in der Schweiz seit 2019 Zehntausende solcher Waffen verkauft, allein im Kanton Wallis sind in diesem Jahr bereits 386 Bewilligungen ausgestellt worden, zwei Gesuche wurden abgelehnt. Einige Kantone konnten keine genauen Zahlen nennen, da sie keine Statistik führen. Da in der Schweiz kein nationales Waffenregister existiert, weiss gemäss der NZZ niemand genau, wie viele als verboten geltende Waffen in der Schweiz legal verkauft wurden.
Der Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt beschäftigt die Schweizer Medien. Sie analysieren, wer die Partei gewählt hat, was ihr Triumph für Deutschland bedeutet – und was die Schweiz daraus lernen könne.
Ein prominentes Thema in der Schweizer Presse sind am Montagmorgen die Wahlen im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Die schon mehrfach als rechtsextrem eingestufte AfD (Alternative für Deutschland) kam bei der Landtagswahl auf 44%, ihr bestes Resultat bisher. Die absolute Mehrheit für die Regierungsbildung hat sie aber knapp verpasst.
Aus diesem Grund droht jetzt eine politische Ungewissheit, «wer Sachsen-Anhalt überhaupt regieren kann», schreibt die Aargauer Zeitung. Die grossen Parteien schliessen eine Koalition mit der AfD aus. Die NZZ fragt in ihrem Podcast, ob dies der Anfang vom Ende für Kanzler Merz sei.
Derweil analysiert der Blick, was die Schweiz aus diesem Erdrutschsieg lernen kann. Die Dämonisierung der AfD sei kontraproduktiv gewesen. Der Tages-Anzeiger kann bei der Berichterstattung auf eine Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung zurückgreifen, diese hat eine Datenanalyse erstellt, die zeigt, wie breit die AfD mittlerweile in der Wählerschaft abgestützt ist. Die Partei liegt inzwischen in fast allen Wählergruppen vorne – bei Jung und Alt, Frauen und Männern und über verschiedene Berufs- und Bildungsgruppen hinweg.
Watson sieht im AfD-Sieg eine Zäsur: Die Partei ist nicht nur breit in der Bevölkerung abgestützt, sondern mittlerweile so stark, dass stabile Mehrheiten ohne sie immer schwieriger werden. Damit dürfte auch die Debatte über die «Brandmauer» zur AfD weiter an Schärfe gewinnen.
Auch die Westschweizer Medien berichten über den AfD-Sieg. Le Temps warnt vor den Folgen des AfD-Aufstiegs für ein offenes und multikulturelles Deutschland. Als Beispiel nennt die Zeitung den «Kulturkampf» der Partei gegen das Bauhaus – eine prägende deutsche Kunst- und Gestaltungsrichtung des 20. Jahrhunderts – und ihre Forderung, wieder «deutsch zu denken» – unter dem Motto «Unser Land zuerst». Der französischsprachige Blick befürchtet, dass der Wahlerfolg auch radikale AfD-Forderungen salonfähiger machen könnte. Zum Beispiel die «Remigration» von Migrant:innen oder eine Anpassung von Lehrplänen mit Fokus auf das deutsche Kaiserreich und weniger Aufklärung über den Nationalsozialismus.
Was passiert, wenn man als Schweizer:in im Ausland in finanzielle Not gerät? In Frankreich springt seit über 200 Jahren eine Schweizer Hilfsorganisation ein.
Die Schweizer:innen sind reich, dieses Vorurteil hören Auslandschweizer:innen auf der ganzen Welt. Vergleicht man durchschnittliche Zahlen von Einkommen und Vermögen, mag es sicher zutreffen, individuell sieht es jedoch oft anders aus.
Nina, einer Auslandschweizerin in Frankreich, hat dieses Vorurteil gar geschadet, wie sie in der Sendung «Tout un monde» von RTS erzählt. Sie war in finanzielle Not geraten, als sie ihren Job verlor und ihr Kind allein grossziehen musste. Das Vorurteil der reichen Schweizerin wurde sie kaum los. «Sogar bei den Pariser Sozialdiensten musste ich immer wieder erklären, wie ich in diese Situation geraten bin», sagt sie.
Es war die Helvetische Wohltätigkeitsgesellschaft (SHB), welche der Auslandschweizerin auf die Beine half und ihr einen Job verschaffte. «Ohne sie wäre ich obdachlos gewesen», sagt Nina. Sie ist eine von vielen Auslandschweizer:innen, die die SHB seit 1821 unterstützt hat. Wie RTS berichtet, seien es in den letzten Jahren hauptsächlich Frauen gewesen, insbesondere alleinerziehende Mütter oder Rentnerinnen. Auch Personen, die medizinische Versorgung brauchen, sich diese jedoch nicht leisten können, seien darunter. Doch nun gerät die über 200 Jahre alte Organisation selbst unter Druck: In den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl ihrer Mitglieder um 90% zurückgegangen.
Mit gerade einmal 15 Jahren verlässt Tiara Lingenhag die Schweiz. Grund ist ihre Leidenschaft für Geschwindigkeit: Sie will in Frankreich ihren Traumberuf Jockey lernen.
Gründe zum Auswandern gibt es viele, für die 15-jährige Tiara Lingenhag ist es eine Ausbildung, die es so in der Schweiz nicht gibt. Die Jugendliche will Jockey werden und zieht dafür nach Frankreich, wo sie an der renommierten Afasec-Schule bei Chantilly nördlich von Paris aufgenommen wurde.
«Mich fasziniert die Geschwindigkeit», sagt sie im Artikel des Tages-Anzeigers. «Du hörst das Pferd atmen, spürst seine Muskeln, den Herzschlag und wie der Boden vibriert.» Auf der Zielgeraden erreicht sie bis zu 65 Kilometer pro Stunde. Ihre Begeisterung für den Rennsport begann, als sie als Kind mit der Familie das Pferderennen White Turf in St. Moritz besuchte. Im Februar 2024 raste sie selber zum ersten Mal auf dem Rücken eines Ponys über den zugefrorenen See.
Frankreich verfügt anders als die Schweiz über eine grosse Rennsportszene mit spezialisierten Ausbildungsstätten. Lingenhag wird im Internat mit anderen Reiter:innen leben und zur Schule gehen, auf der Rennbahn und an Simulatoren trainieren. Nach der zweijährigen Ausbildung darf sie sich «cavalier d’entraînement» nennen – Trainingsreiterin im Rennsport. Als Jockey darf sie sich jedoch erst bezeichnen, wenn sie 50 Rennen gewonnen hat.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards