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Neuer Ebola-Impfstoff: «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit»

Teams der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften bereiten am 19. Juni 2026 auf dem Mbiyo-Friedhof die Beisetzung eines vierten Waisenkindes vor, das in einem Waisenhaus in Bunia in der Provinz Ituri an der Ebola-Krankheit gestorben ist.
Teams der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften bereiten am 19. Juni 2026 auf dem Mbiyo-Friedhof die Bestattung eines vierten Waisenkindes vor, das in einem Waisenhaus in Bunia in der Provinz Ituri an der Ebola-Viruserkrankung gestorben ist. Jospin Mwisha / AFP

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) hat bereits mehr als 3000 Tote gefordert. Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gibt es dank einer innovativen Finanzierungsstrategie erste Erfolge.

Da gegen den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus weder ein zugelassener Impfstoff noch eine Behandlung verfügbar ist, hat der Ausbruch in der DR Kongo eine dringliche wissenschaftliche Reaktion ausgelöst. Forschende haben Entwicklungsschritte in der Impfstoffentwicklung, die normalerweise Jahre dauern, auf wenige Wochen verkürzt und mit ersten Studien am Menschen begonnen. Gleichzeitig warnt die in Genf ansässige Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Epidemie könnte ein bislang beispielloses Ausmass erreichen.

«Die Suche nach einem Ebola-Impfstoff gegen Bundibugyo ist ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Rachael Bonawitz, Leiterin des Filovirus Disease Programme bei der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI).

Bereits wurden Tausende Infektionen gemeldet; das Virus breitet sich im Osten des Kongo rasch aus. Forschende, globale Gesundheitsorganisationen und Impfstoffhersteller arbeiten deshalb unter Hochdruck daran, Impfstoffkandidaten zu entwickeln, zu testen und zu produzieren, bevor sich der Ausbruch weiter ausweitet.

Der Bundibugyo-Stamm, der die aktuelle Epidemie ausgelöst hat, ist hochansteckend und hochgradig tödlich. Anders als beim Zaire-Stamm des Ebola-Virus, gegen den zugelassene Impfstoffe und Behandlungen existieren, gibt es derzeit keine zugelassenen medizinischen Gegenmassnahmen gegen Bundibugyo.

Laut WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus waren in der DR Kongo bis Anfang September 6189 Fälle bestätigt worden. Insgesamt waren 3007 Menschen gestorben, 1409 Erkrankte gelten als genesen – obwohl es bislang weder spezifische Therapien noch Impfstoffe gibt. Mehrere davon werden derzeit getestet.

Das hochansteckende Ebola-Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen und kann hohes Fieber, innere und äussere Blutungen sowie Organversagen verursachen. Für die Gesundheitsbehörden ist die Eindämmung des Ausbruchs deshalb nicht nur eine nationale Herausforderung, sondern eine regionale Priorität. Je länger die Übertragung anhält, desto grösser ist das Risiko, dass sich Fälle über die Landesgrenzen hinaus ausbreiten.

Am 13. Juli 2026 desinfiziert ein Hygienemitarbeiter am Eingang des Ebola-Behandlungszentrums (ETC) in Rwampara in Bunia, Ituri, im Osten der Demokratischen Republik Kongo, die Füsse einer Person.
Ein Hygienemitarbeitder desinfiziert die Stiefel einer Person. Benediction Murhabazi / AFP

Herausforderungen bei der Impfstoffentwicklung

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftretende epidemische Bedrohungen stellt eine grundlegende Herausforderung dar. Ausbrüche sind selten, unvorhersehbar und oft von kurzer Dauer. Für Pharmaunternehmen besteht deshalb wenig wirtschaftlicher Anreiz zu investieren.

«Weil Ausbrüche selten und sporadisch auftreten, gibt es für Impfstoffentwickler keinen verlässlichen Markt», sagt Bonawitz gegenüber Swissinfo. «Die unsichere Nachfrage, fehlende garantierte Abnehmer und begrenzte finanzielle Erträge können für die Entwickler erhebliche Kosten verursachen.»

Ohne entsprechende Gegenmassnahmen, warnt sie, drohe die Welt bei jedem neuen Ausbruch erneut ohne Impfstoff dazustehen. Um dieses Marktversagen anzugehen, haben die in Oslo ansässige gemeinnützige Organisation CEPI und die in Genf ansässige Impfallianz Gavi im Juni eine innovative Finanzierungsstrategie lanciert, die sogenannte Push- und Pull-Mechanismen kombiniert.

Mit Unterstützung privater Investor:innen, philanthropischer Organisationen sowie von Staaten wie der Schweiz hat CEPI zwischen 2022 und 2026 insgesamt 22,7 Millionen Dollar (18,2 Millionen Franken) für die Entwicklung von Impfstoffen gegen künftige epidemische und pandemische Bedrohungen zugesagt.

CEPI übernimmt dabei die Push-Finanzierung und finanziert damit Forschung und Entwicklung von Impfstoffen. Für die Weiterentwicklung des Portfolios von Bundibugyo-Impfstoffkandidaten hat die Organisation mehr als 60 Millionen Dollar zugesagt.

«Diese Finanzierung in einer frühen Entwicklungsphase ist entscheidend, um die wissenschaftlichen und technischen Risiken für die Entwickler zu verringern und einen Impfstoffkandidaten aus dem Labor in klinische Studien zu bringen», erklärt Bonawitz.

Statt auf einen einzigen Impfstoff zu setzen, unterstützt CEPI mehrere Kandidaten gleichzeitig. Dieser Portfolioansatz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich mindestens ein Impfstoff als sicher und wirksam erweist und rasch eingesetzt werden kann, sollte sich der Ausbruch verschärfen.

Gavis Beitrag richtet sich auf die kommerziellen Risiken, die die Impfstoffentwicklung selbst dann häufig bremsen, wenn bereits vielversprechende Ergebnisse vorliegen. Über seinen First Response Fund hat die Allianz bis zu 40 Millionen Dollar bewilligt, damit Hersteller in Produktionskapazitäten investieren können, noch bevor feststeht, ob ein Impfstoff letztlich erfolgreich sein wird.

Damit soll sichergestellt werden, dass Impfstoffdosen rasch verfügbar sind, sobald klinische Studien ermutigende Ergebnisse liefern.

«Bei dieser Notfallfinanzierung geht es darum, Geschwindigkeit, Kapazitäten und Zugang zu sichern», sagte Emanuele Capobianco, Gavis Direktor für globale Gesundheitssicherheit, in einer Mitteilung.

Erste klinische Studien

Die Strategie zeigt bereits Wirkung. Der erste spezifisch gegen den Bundibugyo-Stamm entwickelte Impfstoffkandidat ging am 24. Juli im Vereinigten Königreich in die klinische Phase-1-Prüfung. Der von der Universität Oxford und dem Serum Institute of India (SII) entwickelte Kandidat mit der Bezeichnung ChAdOx1 BDBV basiert auf derselben viralen Vektortechnologie wie der Covid-19-Impfstoff von Oxford und AstraZeneca.

Die Forschenden in Oxford entwickelten den Impfstoff in nur acht Wochen. Das ist deutlich schneller als während der Covid-19-Pandemie. Als erster Freiwilliger erhielt der 37-jährige Brite Ed Hunt den experimentellen Impfstoff. Er habe sich zur Teilnahme entschlossen, nachdem er Berichte über den tödlichen Ausbruch in der DR Kongo gesehen habe.

An der Studie werden 50 gesunde Freiwillige im Alter von 18 bis 55 Jahren teilnehmen. Untersucht werden Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs sowie seine Fähigkeit, eine Immunantwort auszulösen.

Gesundheitsbehörden verstärken ihre Massnahmen zur Eindämmung des tödlichen Ebola-Ausbruchs im Kongo
Gesundheitsbehörden verstärken ihre Massnahmen zur Eindämmung des tödlichen Ebola-Ausbruchs im Kongo. Michel Lunanga / Getty Images

Ein zweiter Impfstoffkandidat, Modernas mRNA-1469, ging am 4. August in Kanada in die Phase-1-Prüfung. Der Impfstoff nutzt dieselbe mRNA-Plattform, die während der Covid-19-Pandemie erstmals breite Bekanntheit erlangte.

Rund 80 gesunde Freiwillige sollen an der Studie teilnehmen. Moderna gab bekannt, dass Susan Murray als erste Teilnehmerin den Impfstoffkandidaten im Rahmen der von CEPI finanzierten Studie erhalten habe.

Die Forschenden hoffen, bei ermutigenden ersten Ergebnissen rasch von diesen frühen Studien zu grösseren Phase-2- und Phase-3-Studien übergehen zu können. Die Studienteilnehmenden werden bis zu einem Jahr lang beobachtet. Die Forschenden rechnen jedoch damit, deutlich früher erste Informationen über Immunreaktionen und mögliche Nebenwirkungen zu erhalten.

Gleichzeitig produzieren Impfstoffhersteller bereits Dosen, bevor überhaupt nachgewiesen ist, dass einer der Kandidaten wirksam ist. Das Serum Institute of India, der weltweit grösste Impfstoffhersteller, hat innerhalb von nur zwei Wochen rund 620’000 Dosen des Oxford-Impfstoffkandidaten produziert und eingelagert. Rund 4000 Dosen wurden für die Phase-1-Studie bereitgestellt.

CEPI finanzierte die Herstellung dieser Dosen im Voraus und auf eigenes finanzielles Risiko. So stehen die Bestände bei einem Erfolg des Impfstoffs sofort für grössere Studien oder einen Noteinsatz bereit.

«Wenn wir die Dosen im Voraus herstellen, geht keine Zeit verloren, sobald wir feststellen, dass ein Impfstoffkandidat in die nächste Testphase gehen kann, und wir können sofort beginnen», sagt Bonawitz. Mit Blick auf die vom Serum Institute of India bereits angelegten Vorräte fügt sie hinzu: «Bei einem Ausbruch ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.»

Unterdessen prüft auch die WHO, ob bestehende Mittel helfen könnten. Im August empfahl sie, Ervebo, den einzigen derzeit zugelassenen Ebola-Impfstoff, der ursprünglich gegen den Zaire-Stamm entwickelt wurde, in eine Phase-3-Studie gegen den aktuell zirkulierenden Stamm einzubeziehen. Der Empfehlung gingen zwei Tierstudien voraus, die darauf hindeuten, dass der Impfstoff einen gewissen Schutz gegen die für den aktuellen Ausbruch verantwortliche Variante bieten könnte.

Editiert von Virginie Mangin/ts, Übertragung aus dem Englischen von Michael Heger/jg

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