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Auslandschweizer-Rat: Tiefvernetzte Schweizer mit klarer Perspektive

Ist das Parlament der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer "gefangen zwischen den Zeiten", wie swissinfo.ch schreibt? Mitnichten! Es sieht sich inmitten des Wandels der Zeit. Eine Entgegnung von Ratsmitglied David W. Mörker, der im Rat die Schweizer Diaspora in den USA vertritt.

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2021 - 16:00 publiziert
David W. Mörker, US-Delegierter im Auslandschweizer-Rat

Der Auslandschweizer-Rat startet im August dieses Jahres in eine neue vierjährige Amtsperiode. Eine speziell eingesetzte Arbeitsgruppe hat sich schon vor vier Jahren ausführlich mit dem Thema Repräsentativität auseinandergesetzt und konkrete, relevante Empfehlungen dazu erfasst.

Ich schreibe hier im Namen aller acht Auslandschweizer-Ratsmitglieder der USA. Aktuell sucht der Rat auch bei uns neue Ratsmitglieder, die bereit sind, sich aktiv zu engagieren als integralen Teil der US-Delegation.

Nahe an Realität und Community

Was braucht es dazu?

Ein erfolgreiches Ratsmitglied bringt eine tiefvernetzte Perspektive aus seinem Umfeld mit. Diese ist geprägt von den vielseitigen Bedürfnissen der lokalen, regionalen und überregionalen Schweizergemeinschaft.

Ausserdem ist ein solches Auslandschweizer-Ratsmitglied bereit und fähig, sich unermüdlich für die Interessen der ÜberseeschweizerInnen einzusetzen. Dieses Engagement muss über eine virtuelle Wohnzimmermentalität hinausgehen und sollte so realitätsnah wie möglich sein. Virtuelle Gruppierungen und traditionelle Schweizergemeinschaften sowie diverse Hybridgemeinschaften müssen alle gleichermassen vertreten sein.

Gleichzeitig sollte ein erfolgreiches Ratsmitglied sehr nahe bei der Schweizergemeinschaft und somit mit den wichtigen und relevanten Herausforderungen der Überseeschweizer vertraut sein. Eine erfolgreiche Auslandschweizervertretung sollte eine lokale, regionale und überregionale Anlaufstelle sein und sich dazu verpflichten und darum bemühen, vermehrt zu einer solchen zu werden.

Bereits die Kandidaten und Kandidatinnen sollten eng mit der lokalen und regionalen Schweizergemeinschaft verbunden sein, um sich deren Bedürfnisse sowie Anliegen akut bewusst zu sein und diese auch kompetent und effektiv vertreten zu können.

Ziele der neuen Legislatur

Vor vier Jahren wurden vier neue AuslandschweizerrätInnen USA gewählt, und in diesem Jahr gibt es drei Vakanzen. Die Ziele zur kommenden Legislaturperiode unterteilen sich in drei Kategorien: Politische, allgemeine institutionelle und interne Ziele.

Zu den politischen Zielen gehören:

Eine Lösung des Bankproblems. Hier geht es um die Aufrechterhaltung der Partnerschaft mit der Genfer Kantonalbank (BCGE), die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern die Führung eines Kontos zu ähnlichen Bedingungen wie für Inlandschweizer ermöglicht.

Fortschritte im Bereich AHV/IV und Krankenversicherung. Hier steht eine Analyse der Umsetzung der Ziele der ASO mit Mitgliedern der Parlamentarischen Gruppe Auslandschweizer an. Weiter geht die Suche nach Lösungen für den Versand von Lebensbescheinigungen durch Stärkung der Zusammenarbeit mit der Schweizer Ausgleichskasse. Als langfristiges Ziel wird eine Möglichkeit zur rückwirkenden Deckung von Beitragsdefiziten verfolgt.

Stärkung der politischen Rechte der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Hier steht die Einführung eines neuen E-Voting-Systems in der Schweiz im Zentrum. Die ASO will sicherstellen, dass die Bundeskanzlei die Führung in der Frage der politischen Rechte der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer übernimmt. Bis eine elektronische Stimmabgabe möglich ist, soll der Versand von Papierunterlagen optimiert werden.

Realisierung einer Gedenkstätte für Schweizer Opfer des Nationalsozialismus durch die Eidgenossenschaft. Durch direkte Kontakte mit den zuständigen Bundesbehörden und Parlamentsmitgliedern wird die ASO die Umsetzung des Konzepts bis zur Realisierung des Projekts unterstützen.

Im Zentrum der institutionellen Ziele steht ein neuer Leistungsvertrag zwischen ASO und dem EDA. Für die nächsten Wahlen in den Auslandschweizer-Rat 2025 braucht es Vorbereitung. Dazu gehört die Bildung von jährlichen Reserven, die sicherstellt, dass ein Einsatz der Wahlplattform SimpleVote finanziert werden kann. Wahlkreise müssen festgelegt werden. Länder müssen ermittelt werden, die 2025 an einer Online-Wahl interessiert sind. Auch die Unterstützung des EDA für die nächste Wahl in den Auslandschweizer-Rat soll geplant und gesichert werden.

Zu den internen Zielen kommen schliesslich die Neupositionierung der Schweizer Revue, mit neuem Layout, und weiteren Anpassungen in Form und Inhalt. Zudem auch die Entwicklung von Online-Angeboten für den Jugenddienst mit dem Ziel, möglichst viele junge Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu erreichen.

Relevant und repräsentativ

Führt man sich die Vielfalt all dieser Bemühungen und Ziele vor Augen, darf man sagen: Die Auslandschweizerorganisation sowie der Auslandschweizer-Rat sind heute relevanter und repräsentativer denn je.

Aber blicken wir zurück: Was wurde – alleine im schwierigen letzten Jahr – erreicht?

Trotz der Pandemie hat die Auslandschweizerorganisation ASO im Jahr 2020 fast alle ihre Ziele erreicht. Sie konnte dank einer Umfrage die Leserschaft der "Schweizer Revue" analysieren. Sie lancierte eine neue Website, vom Layout bis zur Fertigstellung der einzelnen Texte. Sie vergrösserte ihre Kapitalbasis und setzte ein Legat-Konzept sowie ein neues Fundraising-Konzept um, dies in Verbindung mit der neuen Website.

Sie erstellte einen neuen Vertrag mit der Stiftung für junge Auslandschweizer (SJAS). Sie blieb beim Thema Bankverbindungen am Ball, mit einer Kampagne zur Empfehlung der Genfer Kantonalbank, der einzigen Bank, die alle Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu ähnlichen Konditionen wie Inlandschweizerinnen und Inlandschweizer akzeptiert.

Vielfältiges Engagement

Im Bereich Altersvorsorge AHV und Invalidenversicherung IV gab es ebenfalls wichtige Fortschritte. Mit dem neuen Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen und mit den neuen Parlamentariern wurden Möglichkeiten zur Umsetzung der ASO-Ziele angesprochen und analysiert. Mit der Ausgleichkasse wurde die Zusammenarbeit verstärkt, um eine Lösung für den Versand von Lebensbescheinigungen zu finden. Die ASO setzte sich auch für das langfristige Ziel ein, die nachträgliche Deckung von Beitragslücken zu ermöglichen.

Im Bereich Stimm- und Wahlrecht der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer intervenierte die ASO beim Bund mit dem Ziel, dass E-Voting als Option für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer beibehalten wird und drängte auf eine Führungsrolle des Bundesrats in der Systementwicklung.

In einem weiteren Kernbereich der ASO, bei der internationalen Mobilität, erfolgte eine Stellungnahme des Auslandschweizer-Rats zur Begrenzungsinitiative und eine aktive Kampagne der ASO gegen die Initiative. Gestärkt wurde auch die Zusammenarbeit mit swissnex, Präsenz Schweiz und Pro Helvetia, um den Mehrwert der Fünften Schweiz in der Kommunikation und bei Anlässen zu zeigen.

Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Repräsentativität des Auslandschweizer-Rats beschäftigte, verfasste einen Schlussbericht. Gefällt wurde auch ein Entscheid für ein Wahlsystem für die Wahlen des Auslandschweizer-Rats 2021. Es gab eine Aufforderung an die Länder, um zu eruieren, wer eine Direktwahl durchführen will.

Auch die Jugendförderung fand ihre Fortsetzung mit zahlreichen Jungbürgerfeiern, die in Zusammenarbeit mit educationsuisse und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchgeführt wurden.

Die vielseitigen Interessen und Bedürfnisse der Überseeschweizer müssen koordiniert angegangen werden, um den bestmöglichen, längerfristigen Erfolg zu gewährleisten.

Im Dienst der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.

David W. Mörker
und die Auslandschweizer-Ratsmitglieder USA

Die ASO in Zahlen

655 Vereine und Institutionen weltweit

140 Mitglieder des Auslandschweizer-Rats

10 Vorstandsmitglieder des Auslandschweizer-Rats 

14 Mitarbeitende in der Geschäftsstelle der ASO

4 Grundfunktionen: Informieren, vernetzen, vertreten und beraten

423'300 in fünf Sprachen an die Auslandschweizer verschickte Exemplare der "Schweizer Revue" sowie 7 Newsletter jährlich.

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