Bald kommt aus dem St. Galler Taminatal mehr Strom
Die Kraftwerke Sarganserland AG hat die Bewilligung zur Erweiterung des Kraftwerks beim Stausee Mapragg im Taminatal oberhalb von Pfäfers SG erhalten. Mit dem zusätzlichen Strom können bis rund 200 Haushalte versorgt werden.
(Keystone-SDA) 200 bis 600 Liter Wasser fliessen pro Sekunde aus dem Ausgleichsbecken Mapragg unterhalb der Staumauer direkt in den Fluss Tamina. Bis anhin blieb dieses Restwasser für die Stromproduktion ungenutzt. Das wird sich künftig ändern.
Wie die Axpo am Freitag in einem Communiqué mitteilte, erhielt die mehrheitlich zu ihr sowie zu einem kleinen Anteil dem Kanton St. Gallen gehörende Kraftwerke Sarganserland AG (KSL) eine Baubewilligung sowie eine Zusatzkonzession für ein sogenanntes Dotierkraftwerk. Dieses ermöglicht es, aus dem in die Tamina geleiteten Wasser künftig ebenfalls Strom zu produzieren. Einsprachen gegen das Projekt habe es keine gegeben.
Pro Jahr rechnet das Energieunternehmen mit einer zusätzlichen Stromproduktion von rund 950 Megawattstunden, wodurch rund 200 Haushalte versorgt werden können. Zirka ein Drittel des Stroms wird in den Wintermonaten gewonnen, wenn der Verbrauch besonders hoch ist. 2027 nimmt das Dotierkraftwerk Mapragg voraussichtlich den Betrieb auf. Die Kosten für die Umbauarbeiten belaufen sich auf weniger als eine Million Franken.
In die Tamina fliesst gleich viel Wasser
Auch mit dem zusätzlich gewonnenen Strom ändert sich an der Menge des in die Tamina geleiteten Restwassers nichts. Wie von den Behörden vorgegeben, würden weiterhin 200 bis 600 Liter Wasser pro Sekunde in den Fluss geleitet. «Genutzt wird ausschliesslich der Druckunterschied zwischen dem Ausgleichsbecken Mapragg und dem Grundablass», teilte die Axpo im Communiqué weiter mit.
Alle technischen Komponenten des neuen Dotierkraftwerks werden innerhalb des bestehenden Kraftwerks Mapragg eingebaut. Nennenswerte Auswirkungen auf die Umwelt während der Bauphase seien deshalb nicht zu erwarten. «Auch in der Betriebsphase führt es zu keinen neuen umweltrelevanten Auswirkungen», heisst es in der Mitteilung vom Freitag.
Im Ausbau und der Optimierung von bestehenden Wasserkraftanlagen sieht auch die St. Galler Regierung ein gewisses, wenn auch begrenztes Potenzial. 12 zusätzliche Gigawattstunden Strom pro Jahr könnten durch entsprechende Massnahmen produziert werden, hiess es in einem im Mai 2025 vorgestellten Bericht.
Wenig zusätzliches Wasserkraftpotenzial
Insgesamt sei das Ausbaupotenzial der St. Galler Wasserkraft aber gering. «Die ergiebigsten Wasserkraftressourcen im Kanton St.Gallen werden bereits genutzt», schrieb die Regierung damals. Mit rund 160 Wasserkraftanlagen werden pro Jahr durchschnittlich etwas über 600 Gigawattstunden gewonnen.
Zwar bestehe ein zusätzliches Wasserkraftpotenzial von 30 bis 40 Gigawattstunden pro Jahr, was einem Strombedarf von maximal 9000 Haushalten entspricht. «Angesichts von knapp 240’000 St. Galler Haushalten schätzt die Regierung das zusätzliche Wasserkraftpotenzial als gering ein», hiess es im Bericht jedoch.
Aus diesem Grund schlug die Regierung keine weiteren Fördermöglichkeiten vor. Wesentlich mehr Chancen sieht sie in der Windkraft sowie durch die Installation von Photovoltaikanlagen. 300 respektive bis zu 1200 Gigawattstunden könnten durch diese Formen der erneuerbaren Energien künftig gewonnen werden.
Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die Axpo. «Grundsätzlich ist das Potenzial der Schweizer Wasserkraft fast vollständig genutzt», hielt das Unternehmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA fest. Die Axpo investiere deshalb vor allem in den Unterhalt und die Modernisierung der bestehenden Wasserkraftanlagen. Im Kanton St. Gallen etwa wurde erst kürzlich die Stauanlage Gigerwald teilsaniert.
Mehr Wasserkraft dank des Alpenrheins?
Möglicherweise ergibt sich aber weiteres Wasserkraftpotenzial durch eine künftige Nutzung des Alpenrheins. Dieser wurde im Projekt zur Ermittlung des Wasserkraftpotenzials der St. Galler Regierung nicht berücksichtigt. Die derzeitigen gesetzlichen Vorgaben würden dort den Bau eines Wasserkraftwerkes verunmöglichen oder ihn zumindest stark erschweren, hiess es.
Die Regierung misst einem Flusskraftwerk-Projekt am Alpenrhein im Bereich des Berges Ellhorn bei Sargans dennoch Potenzial zu. «Dies vor allem dann, wenn eine Wasserkraftanlage mit umfassenden ökologischen Aufwertungen kombiniert werden könnte», schrieb die Regierung. Sie hat deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die eine ganzheitliche Neubeurteilung eines Flusskraftwerks am Alpenrhein prüft.