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Basler Forscher lüften Geheimnis der verschwundenen Fingerabdrücke

(Keystone-SDA) Dass jeder Mensch seinen unverwechselbaren Fingerabdruck hat, stimmt nicht ganz: Bei mehreren Mitgliedern einer Schweizer Familie fehlen Fingerabdrücke vollständig. Forscher aus Basel und Tel Aviv haben nun die dafür verantwortliche Mutation im Erbgut aufgespürt.

Ausgangspunkt für die Entdeckung waren die Probleme einer jungen Schweizerin an der US-Grenze im Jahr 2007. Als die Grenzbeamten – wie in den USA seit 2004 für Einreisende üblich – die Hand der Frau unter einen Scanner hielten, gerieten sie in Aufregung: Sie hatte keine Fingerabdrücke!

Es folgten zeitraubende Abklärungen. Die Frau verpasste deswegen ihren Anschlussflug – auch bei späteren USA-Reisen. «Darauf meldete sie sich bei uns, um sich eine Bestätigung für das Merkmal geben zu lassen», sagte Bettina Burger vom Departement für Dermatologie des Universitätsspitals Basel auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Seltene Störung

Gemeinsam mit Departementsleiter Peter Itin fand Burger heraus, dass die Frau eine extrem seltene Störung namens Adermatoglyphie hat. Die Basler Forscher schufen einen eingängigeren Namen: «Einwanderungsverzögerungskrankheit». Allerdings sei «Krankheit» eigentlich der falsche Ausdruck, räumt Burger ein.

Denn die Betroffenen besitzen zwar glatte Fingerspitzen, Zehen, Fusssohlen und Handflächen – und sie produzieren auf ihren Händen weniger Schweiss als normale Menschen, wie die Forscher herausfanden. Aber sie haben keinerlei gesundheitliche Einschränkungen oder Probleme.

Weil neun Familienmitglieder der Frau – aus vier Generationen – ebenfalls keine Fingerabdrücke haben, war für Burger und Itin klar, dass der Zustand vererbbar sein muss. Gemeinsam mit Kollegen aus Tel Aviv (Israel) verglichen sie deshalb das Erbgut der betroffenen Familienmitglieder mit jenem von Angehörigen mit Fingerabdrücken.

Fünf Familien weltweit

Nach langem Suchen fand das Forschungsteam eine Mutation, die dazu führt, dass eine bestimmte Form eines Gens namens Smarcad1 nicht korrekt gebildet wird. Nur Familienmitglieder ohne Fingerabdrücke hatten die Veränderung, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin «The American Journal of Human Genetics» berichten.

Neben dem nun untersuchten Fall sind laut Burger weltweit nur vier weitere Familien mit Adermatoglyphie bekannt. Bei drei der Familien gehe die Fingerabdruckslosigkeit allerdings einher mit anderen Beschwerden wie Hitze- oder Kälteempfindlichkeit. Nur eine einzige Familie sei mit dem Schweizer Fall vergleichbar.

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