Bruno Kernen erzählt von Wodka und Gefängnis
Der ehemalige Skirennfahrer Bruno Kernen blickt im Vorfeld der Rennen in Wengen auf seine aktive Zeit zurück. Wer damals die wildesten Partys feierte und wer sogar im Gefängnis landete, erzählte Kernen in einem Interview mit CH Media vom Freitag.
(Keystone-SDA) 36 Stunden vor dem Riesenslalom an den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 traf Kernen den US-Skistar Bode Miller mit zwei Frauen im Arm in einer Disco an. «Vor ihm je ein Kübel mit einer Flasche Whiskey, Rum, Gin und Wodka drin – alle leer und umgedreht», erinnert sich der 53-Jährige. Er selbst war im Club, um seine Bronzemedaille in der Abfahrt zu feiern.
Kernen habe Miller zugerufen: «Mir scheint, als wolltest du mit aller Gewalt einen Medaillengewinn verhindern.» Daraufhin habe dieser ihm geraten, etwas lockerer zu sein. Dafür war der Druck der Öffentlichkeit für Kernen zu gross. Regelmässig feiern ging er nicht. «In seiner Heimat interessierte sich – pardon – niemand für ihn. Und in Europa war er ein Held wegen seiner Lockerheit», sagte er über Miller.
Vollen Einsatz neben der Piste
Im Riesenslalom fuhr der US-Amerikaner auf Rang 6. Auf dem Podest standen der Österreicher Benjamin Raich, der Franzose Joel Chenal und, ebenfalls aus Österreich, Hermann Maier. Maier zählte laut Kernen wie Miller zu den Verrückten. «Erst extrem trainiert, dann extrem Gas gegeben im Ausgang», sagt Kernen über seinen ehemaligen Konkurrenten.
Besonders eine Anekdote zum Österreicher ist ihm in Erinnerung geblieben: Einmal hätten alle Fahrer in Nordamerika auf Maier und seinen Landsmann Andreas Schifferer gewartet. «Später kam raus, dass die beiden im Knast sassen, weil sie am Abend zuvor einen Saloon auseinandergenommen haben», erzählt Kernen. «Als sie kamen, gab es tosenden Applaus.»