Doppelrücktritt?
Bundesrätin Ruth Dreifuss hat den Spekulationen über einen Doppelrücktritt in der Landesregierung neue Nahrung gegeben. Kaspar Villiger und sie "würden gerne zusammen gehen".
Diese Aussage machte Ruth Dreifuss in einem Interview mit der Zeitung «dimanche.ch». Sie teile mit Villiger eine gewisse Bescheidenheit in der Politik, sagte sie. Beide hätten eine Abneigung gegenüber aufgeblasenen Ereignissen.
Deshalb hätten sie sich auch beide mit der Idee eines Doppelrücktritts angefreundet. Damit könnte die Aufruhr, die bei Bundesratswahlen stets entstehe, auf ein einziges Ereignis reduziert werden.
Zeitpunkt unklar
Den Zeitpunkt der Demission – Ende Jahr oder Ende Legislatur 2003 – liess Dreifuss offen. Allgemein erwartet wird ein Rücktritt von Villiger und Dreifuss vor den Wahlen im Herbst 2003. Villiger wurde 1989, Dreifuss 1993 in den Bundesrat gewählt.
Am 1. April übernahm sie das Departement des Innern, welches sie bis heute leitet. Seit diesem Tag stand sie für die Kranken, Schwachen und die sozial Benachteiligten in der Gesellschaft ein. Mit einer Konsequenz und Hartnäckigkeit, die auch ihre politischen Gegner im Bundesrat bewundern und anerkennen.
1999 wurde sie turnusgemäss als erste Frau zur Bundespräsidentin gewählt. Auch wenn sie noch nicht genau weiss, wann der Rücktritt stattfinden soll, ist für Dreifuss jedoch klar, was sie nach ihrem Rücktritt aus dem Bundesrat als erstes tun wird: Ausschlafen.
Kopp-Ersatz
Kaspar Villiger wurde nach dem dramatischen Abgang von Elisabeth Kopp im Februar 1989 zum Bundesrat gewählt. Er übernahm das Militärdepartement EMD in einer sicherheitspolitischen Umbruchphase. In seinen fast sieben Jahren als Militärminister hat Villiger einen soliden Leistungsausweis erbracht.
So gelang es ihm, die Armeereform 95 einzuleiten und mit beharrlichem Einsatz gegen interne Opposition umzusetzen. Im November 1995 wechselte Villiger in das Finanzdepartement. In einer Zeit, als der Bundeshaushalt tief in den roten Zahlen steckte.
Kaspar Villiger, Bundespräsident des Jahres 2002, ist mit bald 13 Amtsjahren der Amtsälteste im Septett. Er hatte dieses Amt schon einmal, 1995, inne. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesrat will er mit seiner Familie in Bern bleiben.
swissinfo und Agenturen
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