Gegen Sozialabbau und «Abzocker»
Die 1. Mai-Kundgebungen in der Schweiz standen im Zeichen von Gleichberechtigung und Kampf gegen Sozialabbau und "Abzocker-Mentalität".
Im Anschluss an die Kundgebungen kam es zu vereinzelten gewalttätigen Ausschreitungen.
Bei schönem Maiwetter verliefen die traditionellen Umzüge zum Tag der Arbeit ohne grosse Zwischenfälle. Den Kundgebungen wohnten etwa gleich viele Leute bei wie vor Jahresfrist. Rund 7000 waren es in Zürich, gegen 3000 in Bern.
Paul Rechsteiner, Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), wandte sich in Bern scharf gegen Tendenzen bei der staatlichen Rente, der AHV, zu sparen.
«Wir lassen uns die Renten, das Herzstück des Sozialstaates, nicht kaputtmachen», sagte Rechsteiner. Der Aufruf richte sich gegen Innenminister Pascal Couchepin, der sich laut Rechsteiner auf einer «sozialpolitischen Geisterfahrt» befinde.
Gleichberechtigung und Generalstreik
Die Grüne Nationalrätin Franziska Teuscher stellte an der gleichen Kundgebung fest, dass die Gleichstellung in der Schweiz fast kein Thema mehr sei. Dabei sei sie im Alltag noch lange nicht verwirklicht.
In Zürich sagte Vasco Pedrina von der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), dass die Schweiz immer noch die Fiktion vom reichen Musterland hege. Die Realität sehe aber anders aus. Die Schweiz werde immer ungleicher. Kinder stellten heute für viele Familien ein Armutsrisiko dar.
Pedrina geisselte die Schweizer Wirtschaftspolitik und sprach von den «Wirtschaftsbossen», welche «jegliche Glaubwürdigkeit» verloren hätten.
Der Waadtländer Nationalrat Josef Zisyadis verlangte an der Zürcher Kundgebung gar einen «neuen Generalstreik.» Gegen die Zumutung der Patrons und bürgerlichen Parteien brauche es eine entschiedene und mutige Linke, sagte der Linkspolitiker.
Ausschreitungen
In Zürich, Basel und Bern kam es nach den offiziellen 1. Maifeiern zu unbewilligten und zum Teil gewalttätigen Demonstrationen.
In Bern zogen rund 150 Demonstranten vor das Gebäude des Rüstungs-Unternehmens des Bundes, der RUAG. Die Polizei hinderte die Demonstranten mit Wasserwerfern daran, das Gebäude zu stürmen.
Auch in Basel kam es zu Ausschreitungen. Dabei wurden zwei Personen verletzt. Autonome gerieten sich mit Rechtsradikalen in die Haare.
In Zürich kam es bei den fast schon «traditionellen» unbewilligten Nachdemos zu Sachbeschädigungen beim Bellevue. Die Polizei versuchte die Urheber festzunehmen.
Die Demonstranten wollten zur schweizerisch-amerikanischen Handelskammer am Talacker vordringen, was nicht gelang, da die Polizei das Gebiet abgeriegelt hatte.
swissinfo und Agenturen
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