Ogi nicht ins IOK gewählt
Altbundesrat Adolf Ogi ist am Montag (16.07.) nicht ins Internationale Olympische Komitee (IOC) gewählt worden. Der 59-jährige Berner Oberländer UNO-Sonderbotschafter für Sport wurde als Einziger der sieben Kandidaten desavouiert. Ogi selber ist tief enttäuscht über den "zweiten Chlapf a Grind" nach Sion.
Mit dem ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Adolf Ogi ist zum ersten Male ein Kandidat für die Mitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgelehnt worden.
Nur 46 der 113 stimmberechtigten IOC-Mitglieder sprachen sich in der geheimen Wahl für die Aufnahme von Ogi aus, 59 waren dagegen. Hingegen gehört Juan Antonio Samaranch jun., der Sohn des IOC-Präsidenten, zu jenen sechs Kandidaten, welche die erforderliche Mehrheit erhielten.
Ogi sieht seine Nicht-Wahl ins Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht als persönliche Niederlage. Die Entscheidung der IOC-Vollversammlung sei gegen die Übervertretung der Schweiz in dem Gremium gerichtet gewesen, sagte Ogi gegenüber swissinfo. Im IOC sitzen bereits fünf Schweizer.
Die deutliche Absage an Ogi richtet sich auch gegen Samaranch, der die Kandidatur seines Schweizer Freundes gefördert hatte. Samaranchs Stimme zitterte, als er die Nicht-Wahl verkündete. Zuvor hatte er den Nutzen und die Sonder-Stellung Ogis zwischen IOC und UNO hervorgestrichen.
UNO-Mandat zu wenig herausgestrichen
Allerdings lässt der ehemalige Schweizer Bundesrat durchblicken, dass er auch an der kräftigen Unterstützung der fünf Schweizer IOC-Mitglieder zweifelt: «zwar wird die Übervertretung der Schweiz im IOC in den Vordergrund gerückt,» sagte Ogi, «aber auch die Tatsache gibt zu denken, dass einzelne IOC-Mitglieder aus der Schweiz gesagt haben, ich würde die Bedingungen nicht erfüllen, weil ich keine Exekutivfunktion in der Schweiz mehr ausübe.»
Weiter habe einer gesagt, es gehe keine Welt unter, wenn der Ogi nicht gewählt würde und einer habe gesagt, es habe ja sowieso viel zu viele Schweizer.
Adolf Ogi ist sehr enttäuscht über die Nichtwahl, und er überlege sich sehr gut, ob er noch einmal Anlauf nehme um ins IOC gewählt zu werden: «Auch ich habe eine Würde», sagte Ogi gegenüber swissinfo.
Er werde sich im Rahmen seines UNO-Mandates weiter für den Sport einsetzen, sagte Ogi weiter. Im Westschweizer Radio (RSR) bedauerte er, die Vollversammlung habe das UNO-Mandat zu wenig berücksichtigt. Für das IOC wäre seine Verbindung zur UNO nützlich gewesen.
Nicht sechs Schweizer
Die Schweiz hat bereits fünf Mitglieder im IOC. Nur Italien hat gleich viele. Adolf Ogi wäre also Schweizer IOC-Mitglied Nummer sechs geworden. Die fünf Schweizer IOC-Mitglieder sind: Marc Hodler und Denis Oswald, beide sind auf Lebzeiten gewählt. Dann René Fasel (Präsident des Internationalen Hockey-Verband IHWC), Gian Franco Kasper (FIS-Generalsekretär) und Joseph Blatter (FIFA-Präsident).
Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat die Nichtwahl von alt Bundesrat Adolf Ogi ins IOC-Komitee bedauert. Das Engagement von Ogi für die Weltsport-Dachorganisation sei bereits als Parlamentarier und später auch als Sportminister überzeugend gewesen, sagte VBS-Sprecher Christian Kurth in einer offiziellen Stellungnahme des Departements.
Zwischen der neuen Aufgabe von Ogi als UNO-Sonderbotschafter für Sport und der Mitgliedscahft im IOC hätten sich sicher sehr gute Synergien ergeben. Die Hintergründe und Ursachen der Nichtwahl würden aber nicht kommentiert, sagte Kurth.
IOC-Mitglied und FIFA-Präsident Sepp Blatter fand, die Kandidatur Ogis sei schlecht vorbereitet gewesen. «Ogi hätte als UNO-Vertreter und nicht als Ehrenpräsident des Schweizerischen Olympischen Verbandes portiert werden sollen», sagte Blatter.
Als weitere IOC-Mitglieder wurden gewählt: Els van Breda Vriesman (Niederlande), Randhir Singh (Indien), Timothy Tsun Ting Fok (China/Hongkong), John Dowling Coates (Australien) und Issa Hayatou (Kamerun).
swissinfo und Agenturen
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