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DE/Kartellamt will Joint Venture von Rio Tinto und BHP Billiton länger prüfen

BONN (awp international) – Das Bundeskartellamt hat seine Untersuchungsfrist für das geplante Gemeinschaftsunternehmen der beiden weltgrössten Rohstoffkonzerne erneut verlängert. Die Wettbewerbshüter benötigten noch mehr Zeit, um sich den Markt genauer anzuschauen, sagte ein Behördensprecher am Montag. Die Frist laufe nun bis zum 31. Oktober 2010. Seit Januar schauen sich die Bonner das geplante Gemeinschaftsunternehmen des britisch-australischen Konzerns Rio Tinto und seines Erzrivalen BHP Billiton an und verlängern die Frist jetzt zum dritten Mal. Dies ist dem Sprecher zufolge weder ungewöhnlich, noch gebe es einen Hinweis auf den Ausgang der Untersuchung.
Neben den deutschen prüft auch die EU-Kommission sowie eine Reihe weiterer nationaler Kartellbehörden das geplant Joint Venture. Die Konzerne wollen ihre Eisenerzlagerstätten in Westaustralien zusammenführen, weil ihre Bergwerke in derselben Gegend liegen und sie auf diese Weise Kosten sparen können. Dabei fürchtet die Europäische Kommission, dass der Wettbewerb für Eisenerz, das auf dem Seeweg transportiert wird, zu kurz kommt. Die drei Bergbaukonzerne Rio Tinto, BHP Billiton sowie Vale (Brasilien) haben bereits jetzt einen Marktanteil bei Eisenerz von rund 70 Prozent.
Stahlkonzerne laufen weltweit Sturm gegen das geplante Gemeinschaftsunternehmen. Sie sprechen bereits jetzt von oligopolistischen Strukturen auf dem Rohstoffmarkt und befürchten, dass sich die Verhandlungsmacht weiter in Richtung der Erzunternehmen verschieben könnte. Zuletzt war es den Minenbetreibern bereits gelungen, ein neues Preissystem durchzusetzen. Eisenerz ist neben Kokskohle der wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Stahl.
Rio Tinto und BHP rechnen nach eigenen Angaben in der zweiten Hälfte 2010 mit grünem Licht für die Gründung ihres Gemeinschaftsunternehmens, an dem sich beide zur Hälfte beteiligen wollen. Ursprünglich hatten beide Konzerne geplant, dass bis zu 15 Prozent des Eisenerzes aus dem Joint Venture auch zusammen vermarktet werden sollen.
Unterdessen einigten sich die beiden Rohstoffkonzerne mit der westaustralischen Regierung auf höhere Lizenzgebühren für Umsätze mit Eisenerz. Im Gegenzug bekommen sie die Zustimmung der Regierung für das Joint Venture und entgehen einer zuvor geplanten Super-Steuer auf die Gewinne von Rohstoffunternehmen./stb/stw/nl

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