Abacha-Clan: UBS sperrt Konten
Eine interne Kontrolle bei der Schweizer Grossbank hat den Verdacht auf Geldwäscherei erhärtet. Es geht um mögliche Gelder von Abacha-Söhnen.
Die Affäre um die Fluchtgelder des nigerianischen Diktators Abacha und dessen Clan hat die Schweizer Banken jahrelang beschäftigt. Bisher waren im Zuge des von der Genfer Justiz durchgeführten Geldwäscherei-Strafverfahrens 535 Mio. Dollar auf Bankkonten in der Schweiz eingefroren worden.
Über 100 Mio. Franken
Das Bundesamt für Justiz hatte kürzlich die Schluss-Verfügungen erlassen, mit denen die Übermittlung der fraglichen Bankunterlagen an Nigeria erlaubt wird. Nun – da der Fall sozusagen schon abgeschlossen ist – hat also die Grossbank UBS weitere Konten mit insgesamt rund 60 Mio. Dollar (über 100 Mio. Franken) entdeckt und blockiert.
Die UBS informierte am Mittwoch: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei einer Geschäfts-Beziehung Gelder der Söhne des verstorbenen nigerianischen Diktators Sani Abacha im Spiel seien, so die Bank in ihrem Communiqué.
EBK eröffnet Verfahren gegen UBS
Die Bankenkommission hat ein Verfahren gegen die Grossbank eröffnet. Wie EBK-Sprecherin Tanja Kocher sagte, wird dabei geprüft, ob die UBS bei der Konto-Eröffnung und während der Geschäfts-Beziehung die nötige Sorgfalt walten liess.
Zudem werde untersucht, warum die Bank die verdächtigen Gelder erst jetzt erkannt habe und ob die Kontrollen der UBS in Bezug auf Potentatengelder den vorgeschriebenen Standards genügten.
Die UBS habe die Aufsichtsbehörde völlig offen über den Fall informiert und sei auch ausserordentlich kooperativ, sagte die Sprecherin weiter.
Weshalb erst jetzt entdeckt?
Dennoch sei die EBK leicht befremdet, dass die Angelegenheit erst jetzt zum Vorschein komme. «Besser spät als nie», sagte Kocher und fügte hinzu: «Wer sucht, der findet auch.» Die EBK wurde vergangene Woche von der UBS informiert.
Die Grossbank selber begründet die Verzögerung mit dem speziellen Fall: Es geht um einen britischen UBS-Kunden, der 1996 eine Gesellschaft eingeführt hatte, an der sich auch zwei Geschäftspartner aus Nigeria wirtschaftlich beteiligten.
Der Kunde habe gegenüber der Bank versichert, seine Geschäftspartner hätten keinen politischen Hintergrund. In der Folge wurden auf das Konto mehrere Einzahlungen von internationalen Banken getätigt, zwei Übertragungen gingen an Banken ins Ausland.
Weil der Kunde der Aufforderung der UBS, weitere Angaben und Belege zu liefern, nicht nachkam, traf die UBS Abklärungen und ging dabei dem Verdacht auf Geldwäscherei nach. Der aktuelle Saldo beläuft sich laut UBS auf 60 Mio. Dollar (über 100 Mio. Franken).
Schatten auf Geldwäscherei-Kontrolle
Die Schweizer Grossbanken hatten immer wieder betont, keine Potentaten-Gelder zu akzeptieren. Dennoch entdeckte die UBS die Konten erst jetzt.
Zudem hatte die Bankenkommission noch im Jahr 2000 in einer Untersuchung der UBS im Zusammenhang mit Gelder des nigerianischen Ex-Diktators einwandfreies Verhalten bescheinigt.
Auch wenn in anderen Ländern erst spät Abacha-Konten blockiert wurden, und die Schweiz somit in dieser Affäre nicht einzig am Pranger stand: Der neue Fall wird jenen Kritikern einmal mehr Auftrieb geben, die der Schweiz vorwerfen, die Geldwäscherei nur halbherzig zu bekämpfen.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch