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Annen verpasst Bronze um 9 Hundertstel

Knapp fährt der Bob von Martin Annen an Bronze vorbei. Keystone

Martin Annen hatte im Viererbob-Rennen seine zweite Medaille in Griffweite. Dann fiel er im 4. Durchgang vom 2. auf den 4. Platz zurück.

Die Annen-Crew, die in den beiden ersten Durchgängen jeweils einen Startrekord aufgestellt hatte, geriet im 4. Durchgang schon in der verschneiten Startspur ins Hintertreffen. Trotz einer ordentlichen Fahrt vermochte der Steuermann die Niederlage nicht mehr abzuwenden.

Gold holte Andre Lange (De) vor den beiden Amerikanern Todd Hays und Brian Shimer. Hinter Annen belegten Bruno Mingeon (Fr) und Christian Reich die Ränge 5 und 6.

Annen (28) trug den Rückschlag einigermassen mit Fassung. «So ist der Sport», sagte der Schwyzer, «das wichtigste ist, dass wir die Medaille nicht wegen eigener Fehler preis geben mussen. Die äusseren Umstände waren halt gegen uns.»

Nicht nur dichter Schnee, sondern auch heftige Windböen fegten über die Startspur, als Annen und seine Hinterleute Silvio Schaufelberger, Beat Hefti und Cédric Grand für die vierte Fahrt bereit standen.

Medaille versank im Schnee

Elf Hundertstel-Sekunden langsamer als im zweiten Durchgang blieben die vier Schweizer auf den ersten 50 m. Die amerikanischen Bahnarbeiter rührten natürlich keinen Finger, um die Bahn zu wischen. Denn Shimer und Hays waren unmittelbar vor Annen gestartet und hatten gute Zeiten vorgelegt.

«Ich versank bis zum Knöchel im Schnee», sagte Hefti, «die Laufspur war nicht mehr kompakt, sondern wie Gummi, sodass wir nicht richtig einsteigen konnten.» Der deutsche Bundestrainer Raimund Bethge bezeichnete das Verhalten der Organisatoren als Frechheit: «Die wussten genau, dass Annen mit einer guten Startzeit ihre Leute überholen würde.»

Erstmals seit 1964 blieb die Schweiz ohne olympische Viererbob- Medaille. Christian Reich hatte die Chancen schon im zweiten Durchgang preis geben müssen, als sein Bob die ganze Bahn mit einem ausgeklappten Anstossbügel durchmass. Hintermann Urs Aeberhard hatte den Knopf im Innern des Schlittens, mit dem der Bügel eingeklappt wird, nicht richtig betätigt.

Zu Beginn des zweiten Tages überholte Annen trotz einer mittelmässigen Fahrt sogar Leader Hays. Bloss Lange, der mit einen phänomenalen dritten Lauf aufgewartet hatte, war ausser Reichweite des Schweizers geraten.

Pech

Die Reserve Annens auf den viertklassierten Shimer betrug vor der Entscheidung immer noch ansehnliche 17 Hundertstel. Anlass zur Beunruhigung gaben aus Schweizer Sicht freilich die 0,13 Sekunden, die Shimer Annen im dritten Durchgang aufgebrummt hatte.

Die fallenden Temperaturen wiederum sollten dem Schweizer zum Vorteil gereichen, denn der schon 1988 von Ekkehard Fasser beim Olympiasieg in Calgary verwendete Kufensatz gleitet bei Kälte noch besser. Aber dann setzte der Schneefall ein.

Der im April 40 Jahre alt werdende Shimer stellte im Finale auf mehr oder weniger blankem Eis sogar die Bestzeit auf und holte bei seiner fünften Olympia-Teilnahme erstmals eine Medaille. Hays fing seinen Landsmann knapp ab, aber Annen sah seine Chancen im Schnee schwinden. Hays und Shimer gewannen für die USA die ersten olympischen Medaillen im Männer-Bobsport seit 1956.

Starker Lange

Stärker als die beiden Amerikaner war nur noch der Ostdeutsche Andre Lange (29), der als erster Debütant seit seinem Landsmann Wolfgang Hoppe 1984 in Sarajevo Bob-Olympiasieger wurde.

Lange, der Viererbob-Weltmeister 2000 und WM-Zweite 2001, lag nach halbem Pensum noch gleichauf mit Annen auf Platz 2 nur neun Hundertstel hinter Hays (33). Er sprang in die Bresche von Zweierbob- Olympiasieger und Landsmann Christoph Langen, der wegen eines Einrisses der Plantarsehne im rechten Fuss aufgeben musste.

swissinfo und Daniel Good, Park City (Si)

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