Aus für Kubi
Kubilay Türkyilmaz muss seine Fussball-Laufbahn beenden. Der 34-jährige Stürmerstar von Luzern und Rekord-Torschütze der Nationalmannschaft leidet an einem schweren Knorpelschaden an der rechten Kniescheibe, die keinen Spitzensport mehr zulässt.
Türkyilmaz erhielt im WM-Ausscheidungsspiel am 5. September in Luxemburg einen folgenschweren Schlag auf seine ohnehin havarierte Kniescheibe im rechten Knie.
Zuvor hatte der abschlussstarke Tessiner Stürmer zwei Tore zum 3:0 im bedeutungslosen Kehraus beigesteuert und seine Trefferquote in der Nationalmannschaft in seinem 62. Länderspiel auf das neue Rekordtotal von 34 Toren erhöht. Es sollte Kubis letzter internationaler Auftritt sein.
«Ein Stich mitten ins Herz»
Drei Tage später lief Türkyilmaz trotz Schmerzen zur Meisterschaftspartie gegen den FC Zürich auf, um den FC Luzern in dessen Personalnot nicht im Stich zu lassen. Dann allerdings kam das Aus: Kubis Zürcher Vertrauensarzt Heinz Bühlmann teilte dem Tessiner die Hiobsbotschaft mit und riet ihm zum sofortigen Karrieren-Ende.
«Ich leide seit Wochen an einem irreparablen Knorpelschaden, der kein Fussballspielen auf höchstem Niveau mehr erlaubt. Auch eine Operation bringt nichts mehr. Doktor Bühlmanns Diagnose und sein unmissverständlicher Ratschlag haben mich schwer getroffen. Ein Stich mitten ins Herz. So wollte ich meine 17-jährige Laufbahn nicht beenden», bekannte Kubi.
Rasante Karriere
Der am 4. März 1967 geborene Sohn türkischer Einwanderer bestritt 248 NLA-Spiele, in denen er 145 Tore schoss. Kubi, der gelernte Karosseriespengler, fiel schon früh mit seinem rasanten Antritt und seinem Torinstinkt auf.
Via Bellinzona und Servette ging er Ende 1990 zu Bologna nach Italien. Im Sommer 1993 wechselte er für drei Jahre zu Galatasaray Istanbul, wo er in der Champions League mit seinen Treffern ebenfalls für Furore sorgte. 1996 holten ihn die Grasshoppers zurück in die Schweiz. Mit Kubis Treffern kam GC zweimal in Folge in die Champions League.
Unter Roger Hegi kam es zum Bruch mit dem launischen und nicht immer pflegeleichten Goalgetter. Locarno, Luzern und Bellinzona hiessen seine weiteren Kurz-Stationen, ehe er bei Brescia nochmals einen Vertrag im Ausland unterschreiben konnte, nie aber zum Stammspieler avancierte. Im Frühjahr 2001 wurde er Lugano ausgeliehen, seit Sommer dieses Jahres hat er bei Luzern gespielt.
Talentiert und unberechenbar
Türkyilmaz war jahrelang der unberechenbarste Stürmer auf Schweizer Fussballplätzen. Bei ihm wusste man nie, woran man war. Er war ebenso genial wie trainingsfaul, ebenso sensibel wie schlitzohrig. Der Tessiner ist zwar eine Frohnatur, stets zu Scherzen aufgelegt, aber auch empfindlich.
Nie bestritt er in der Nationalmannschaft Test-Länderspiele, oftmals sagte er wegen fadenscheinigen Ausreden ab. Nicht immer wurde man ihm aber gerecht. Zuletzt plagten ihn tatsächlich zahlreiche Verletzungen, Abnützungen an seinem Körper.
Aus seinem Talent hat Kubi zu wenig gemacht. Mit mehr Trainingsfleiss und persönlichem Einsatz hätte er ein Weltstar werden können. Doch Kubi ist auch genügsam. Jetzt muss er sich auf eine Tätigkeit nach dem Aktivsport vorbereiten. Luzern hat ihm dazu bereits die Hand geboten.
swissinfo und Agenturen
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