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Gotthard-Eisenbahntunnel: Katastrophen-Test bestanden

Der Alptraum vieler Bahnreisenden, ein Unfall im Gotthard-Tunnel, fand dieses Mal glücklicherweise nur übungshalber statt. Keystone

Im Gotthard-Eisenbahntunnel und in Göschenen hat in der Nacht auf Montag eine Katastrophenübung mit rund 200 Beteiligten stattgefunden. Die Übung sollte zeigen, ob rasch eine grössere Zahl Verletzter aus dem Tunnel geborgen werden kann. Die Übungsleitung zog eine positive erste Bilanz.

In der Übung mit dem Namen «Granit» wurde um 01.25 Uhr die Entgleisung eines Truppenzuges mit rund 80 Soldaten an Bord simuliert. Der Unfall geschah rund vier Kilometer nach dem Tunneleingang in Göschenen. Durch die Entgleisung kam es zu einem Kurzschluss.

Um 3 Uhr fuhr der Rettungszug mit den Verletzten im Bahnhof Göschenen ein. Ein Grossaufgebot von Ärzten und Samaritern stand bereit. Die 60 Verletzten wurden von Rekruten gemimt. Sie genossen sichtlich ihre Rollen, zeigten ihre aufgemalten Verletzungen dem Pflegepersonal, wimmerten und schrien.

Das ehemalige Bahnhofbuffet war in ein Notaufnahme-Zentrum umfunktioniert worden. Gleich nebenan hatte die Polizei den Kommandoposten eingerichtet. Im Einsatz standen Rettungskräfte der SBB, der Polizei, der örtlichen Feuerwehr sowie Samaritervereine.

Positive Bilanz

Die Übungsleitung zog am frühen Morgen im improvisierten Medienzentrum in Göschenen eine positive erste Bilanz.

Es habe sich gezeigt, dass eine Rettung im Tunnel relativ langsam vor sich gehe, sagte Übungsleiter Hans Kaspar Dick vor den Medien. Der Rettungszug könne nur im Schritt-Tempo fahren, weil ja niemand genau wisse, wie die Situation im Tunnel nach dem Unfall sei. Er könne jederzeit auf Fliehende stossen.

Der in Göschenen stationierte Lösch- und Rettungszug der SBB braucht im Minimum sieben Mann Besatzung, um funktionieren zu können. Weil immer weniger SBB-Personal in Göschenen stationiert ist, muss die Besatzung aus Erstfeld anreisen. Die SBB möchten deshalb enger mit der Feuerwehr von Göschenen zusammen arbeiten.

Zur Zeit wird im Gotthardtunnel eine Notbeleuchtung und ein Handlauf installiert. Zudem soll auch in Airolo TI ein Lösch- und Rettungszug stationiert werden. Diese Massnahmen dürften in einem Ernstfall die Rettungsarbeiten erleichtern.

Es handelte sich um die erste grosse Katastrophenübung im Gotthard-Eisenbahntunnel. Die Vorbereitung hatte zwei Jahre gedauert. Während der Übung konnten keine Züge den Gotthard passieren. Eine genaue Auswertung folgt in den nächsten Wochen.

swissinfo und Agenturen

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