IKRK-Mitarbeitende: Todes-Umstände weiterhin unklar
Die ugandische Armee hat am Samstag (28.04.) Vorwürfe zurückgewiesen, in das Massaker an sechs Mitarbeitenden des IKRK in der Demokratischen Republik Kongo verwickelt gewesen zu sein. Unter den Opfern befindet sich auch eine Schweizerin.
Die kongolesische Regierung hatte ugandischen Truppen zuvor eine Beteiligung an dem Überfall auf die zwei IKRK-Fahrzeuge vorgeworfen. Dabei waren die sechs IKRK-Mitarbeitenden am Donnerstag-Nachmittag etwa 30 Kilometer entfernt von der Stadt Bunia, im Nordosten des Landes, getötet worden.
Boni Mbaka, ein UN-Vertreter in Bunia, der die Leichen gesehen hatte, erklärte, einige von ihnen seien erschossen worden, andere erschossen und mit Macheten erschlagen. «Es ist entsetzlich», sagte er.
Bei den Getöteten handelt es sich um eine 36-jährige Berner Krankenschwester aus Bern, einen 54-jährigen kolumbianischen Delegierten sowie vier kongolesische Staats-Angehörige im Alter von 29 bis 56 Jahren. Die Schweizerin arbeitete seit 1996 für das IKRK und kannte Afrika bereits aus früheren Missionen.
Gedenkfeier nächste Woche in Genf
Die Leichen der Schweizerin und des Kolumbianers wurden am Freitag nach Goma gebracht, und am Samstag dann nach Nairobi geflogen, teilte das IKRK in Genf mit. Die sterblichen Überreste der Schweizerin werden am Montag in die Schweiz repatriiert. Im Laufe der Woche wird das IKRK in Genf eine Gedenkfeier durchführen.
Der Kolumbianer wird in Nairobi eingeäschert, wo er lebte. Die vier kongolesischen Opfer waren in der Umgebung von Bunia wohnhaft.
Aktivitäten vorübergehend eingestellt
Das IKRK hat als Reaktion auf den Vorfall die Aktivitäten in der betroffenen Region vorübergehend eingestellt. «Es ist ausgeschlossen, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen irgendeinem Risiko aussetzen», sagte IKRK-Sprecher Darcy Christen. Die Organisation will nun eine Lagebeurteilung vornehmen und mit allen betroffenen Parteien Gespräche über Sicherheits-Garantien führen. Ein Rückzug wird jedoch ausgeschlossen.
Auf dem ganzen Gebiet des zerstrittenen Kongos stehen 45 IKRK-Delegierte sowie 560 kongolesische Mitarbeiter im humanitären Einsatz. Im Osten des Landes, wo sich der Vorfall ereignete, sind rund 20 IKRK-Delegierte und rund 200 lokale Mitarbeiter tätig.
Das IKRK äusserte sich sehr schockiert über den Vorfall und sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefstes Beileid aus. Gleichzeitig verurteilte es den Angriff und die Nichtachtung des Emblems des Roten Kreuzes mit allem Nachdruck.
Protest der UNO
Der Präsident des UNO-Sicherheitsrates, der Brite Jeremy Greenstock, sprach der Schweiz, Kolumbien und der Demokratischen Republik Kongo sein Beileid aus. «Der Rat verurteilt die Ermordung dieser Helfer auf das Schärfste», sagte Greenstock. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach in einer Erklärung von einem «brutalen Mord» und forderte, die Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen.
Auch Aussenminister Deiss äussert Betroffenheit
Der Schweizer Aussenminister Joseph Deiss zeigte sich ebenfalls tief betroffen. Es sei immer besonders betrüblich, wenn bei gutgemeinten zivilen Aktionen Menschen umkämen, sagte der Bundesrat am Rande eines Arbeitsbesuchs des portugiesischen Aussenministers Jaime Gama am Freitag (27.04.) in Bern.
Für das IKRK handelt es sich um den folgenschwersten Zwischenfall der letzten fünf Jahre. Beim bisher schwersten Attentat in der Geschichte des IKRK sind am 17. Dezember 1996 in Grosny, Tschetschenien, ebenfalls sechs Rotkreuz-Helfer ermordet worden.
swissinfo und Agenturen
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