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Illegale Prostitution breitet sich aus

Legale und besonders illegale Prostitution haben sich in der Schweiz zu einem Wirtschaftszweig entwickelt. Keystone

Der Erlös durch illegale Prostitution ist in der Schweiz etwa drei Mal so hoch wie jener durch legale Prostitution.

Frauenhandel, Prostitution und Sexmigration sind auch in der Schweiz ein riesiges Geschäft. Dies sagte Rahel Zschokke Longrigde von der Universität Luzern an einem dreitägigen Kongress an der Universität Konstanz zum Thema «Frauenhandel-Menschenhandel» und organisierte Kriminalität.

Prostitution als Wirtschaftszweig

Nach Einschätzung eines Szenekenners könne davon ausgegangen werden, dass allein die 4’000 legalen Prostituierten in der Schweiz jährlich 600 Mio. Franken umsetzten, was einen monatlichen Umsatz von bis zu 15’000 Franken pro Frau bedeute. Einen zusätzlichen, etwa drei Mal so hohen Umsatz, also rund 1,8 Mrd. Franken, rechne man den illegalen Prostituierten zu.

Nach Ansicht von Zschokke hat sich der Schweizer Sexmarkt in den letzten zehn Jahren stark vergrössert und dezentralisiert. Diese Entwicklung sei – ähnlich wie in den Nachbarländern – auf die Öffnung des Eisernen Vorhangs zurück zu führen.

Vernetzter Bereich

Auch in der Schweiz seien gut organisierte Netzwerke entstanden, die im illegalen oder halblegalen Bereich operierten. Ein Problem ist laut Rahel Zschokke auch die Rechtssprechung. Sie betrachte die Prostitution als «Geschäft wie jedes andere».

Diskutiert wurde an dem dreitägigen Kongress der Konstanzer Universität auch die Situation der Frauen in den Herkunftsländern. Zudem wurden die sozio-ökonomischen und kulturellen Rahmen-Bedingungen erörtert.

Mehr Zusammenarbeit nötig

Diskutiert wurden auch mögliche Strategien zur Verbesserung der Situation von Opfern und Zeugen. Nach Schätzungen der Europäischen Union werden etwa 500’000 Frauen jährlich als Zwangs-Prostituierte in die EU-Mitgliedstaaten eingeschleust.

Vor allem aus Osteuropa

Nach der deutschen Kriminalstatistik wurden im letzten Jahr knapp 2’000 Opfer von Menschenhandel registriert, fast 1’200 davon waren Frauen. Gegen 90% der Opfer stammen aus osteuropäischen Ländern. Die Ukraine liegt dabei an der Spitze der Herkunftsländer, dicht gefolgt von Russland, Weissrussland, Litauen, Lettland und Polen.

Die betroffenen Frauen werden nach den Erkenntnissen der Ermittler in Verstecken oftmals festgehalten und massiv unter Druck gesetzt. Einig waren sich die Referentinnen und Referenten der Konferenz, dass die Zusammenarbeit zwischen den vom Menschenhandel betroffenen Staaten intensiviert werden solle.

swissinfo und Agenturen

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