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Kritische Stimmen zu Durban

Sicherheitsbeamte greifen in eine hitzige Diskussion zwischen israelischen und palästinensischen Delegierten in Durban ein. Keystone

Die schwierige Suche nach einem Kompromiss bei der Weltkonferenz gegen Rassismus und die Verurteilung Israels durch das NGO-Forum löst bei den Juden in der Schweiz unterschiedliche Reaktionen aus.

Für den Genfer Rabbiner François Garaï könnte der «Gang der Ereignisse» den Vereinten Nationen irreparablen Schaden zufügen. Der jüdische Geistliche bezieht sich in seiner Kritik vor allem auf die geplante Schlusserklärung zur UNO-Konferenz.

In einem Aufruf an UNO-Generalsekretär Kofi Annan und die Generalsekretärin der Anti-Rassismus-Konferenz, Mary Robinson, empört sich Garaï über Textdokumente, wo von «ethnischer Säuberung» gegenüber den Palästinensern , von einer «neuen Form von Apartheid» oder von «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» die Rede ist.

Die masslose Terminologie in den Texten sei umso inakzeptabler, als sie – so François Garaï – von gewissen Organisationen stamme, die ihre Augen vor der Sklaverei in weiten Teilen Afrikas verschliesse, genau so wie vor der fehlenden Demokratie auf diesem Kontinent.

Die alten Dämonen des Anti-Semitismus

Sollten die alten Dämonen des Anti-Semitismus wieder aufleben, heisst es im Appell aus Genf, werde «ein eiserner Vorhang» auf die UNO fallen und der Organisation nicht wieder gut zu machenden Schaden zufügen. All jene, die sich für Menschenrechte und den Kampf gegen Rassismus einsetzten, würden in Mitleidenschaft gezogen.

Rassismus als Gefahr für den Frieden

«Ich unterstütze den Plan für eine Schlusserklärung, weil er erneut die Frage des Rassismus im hebräischen Staat aufwirft», meint dagegen der in Zürich lebende israelische Journalist Shraga Elam. Der Rassismus sei ein Problem und eine Gefahr für den Frieden in der Region.

Israel müsse aufhören, die Religion mit dem Staat zu verbinden. Die 20 bis 30 Prozent Nicht-Juden, die in Israel lebten, würden täglich diskriminiert, sagte Elam.

Reaktion auf NGO-Erklärung

Von der Erklärung der 3’000 Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), die Israel als «rassistischen Apartheidstaat» verurteilten, nahm die Internationale Liga gegen Rassismus und Anti-Semitismus (Licra) in der Schweiz mit Bedauern Kenntnis

Die Licra-Schweiz sei sich bewusst, dass der israelisch-palästinensische Konflikt Menschenrechts-Verletzungen zur Folge habe. Diese würden von der Licra klar verurteilt. Der Kampf gegen den Rassismus sei aber zu wichtig, um auf dem Altar der internationalen Politik geopfert zu werden.

Die Konferenz droht zu scheitern

Unterdessen haben sich die USA und Israel aus Protest von der Konferenz in Durban zurückgezogen. Grund für den amerikanischen Entscheid sei die «hasserfüllte Sprache» gegen Israel, erklärte US-Aussenminister Colin Powell in Washington. Eine Tagung, die Israel als einziges Land heraus- und angreife, eigne sich nicht im Kampf gegen Rassismus.
Die Schweiz hat den Rückzug bedauert.

swissinfo und Agenturen

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