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Leichtathletik-Weltklasse kommt nach Zürich

Für einmal wird mit André Bucher ein Schweizer die Attraktion im Zürcher Letzigund sein. Keystone

Am Freitag (17.08.) werden im Zürcher Letzigrund die halben Weltmeisterschaften von Edmonton innerhalb von zweieinhalb Stunden noch einmal durchgespielt. Nicht weniger als 26 Goldmedaillen-Gewinner sind am Start. Mit dabei auch 800-m-Star André Bucher.

Im 800-m-Rennen der Männer kommt es zur Wiederholung des WM-Finals, bereichert um einen interessanten Mann. Der 20-jährige Hallen-Weltmeister Juri Borsakowski, der angeblich wegen seiner Jugend und Unerfahrenheit auf die WM verzichtet hatte, kehrt in den Wettkampf-Zirkus zurück.

Der spurtstarke Russe war heuer in Rom nur einen Hundertstel langsamer als André Bucher; in Monte Carlo hatte er den Luzerner zum Schweizer Rekord von 1:42,90 getrieben.

Neben diesem Höhepunkt aus Schweizer Sicht, der als zweitletzter Wettbewerb in Szene geht, stehen 19 weitere Disziplinen auf dem Programm, in denen nicht weniger als 25 Goldmedaillen-Gewinner von Edmonton antreten. Dazu zieren 21 Olympiasieger, 11 Hallen-Weltmeister und 19 Jahres-Weltbeste die einmal mehr sehenswerte Affiche des bedeutendsten aller sieben Golden-League-Meetings.

El Guerrouj hat sich entschieden

Neben dem Lauf von André Bucher stechen bei den Männern der 1’500-m-Lauf mit Olympiasieger Noah Ngeny (Ken)hervor. Vielversprechend ist auch der Start des 5000-m-WM-Zweiten Ali Saidi-Sief (Alg), der hinter Hicham El Guerrouj (Mar) über 3 3/4 Bahnrunden am zweitschnellsten war.

Weltrekordhalter und Weltmeister 1500-m-Weltmeister Hicham El Guerrouj läuft in Zürich nun doch in seiner Paradedisziplin, in der er mit 3:26,00 den Weltrekord hält. Der dreifache Weltmeister aus Marokko fühlt sich nach den WM in Edmonton noch nicht genügend erholt, um über 5000 m sein Debüt bei der Elite zu geben.

Mit seinem Entscheid, doch über 1500 m anzutreten bleibt El Guerrouj, der in Zürich über diese Distanz zuletzt viermal in Serie siegte, auch im Rennen um den mit 50 kg Gold geäufneten Jackpot.

Nicht am Start ist in Zürich der grosse algerische Rivale von El Guerrouj, Ali-Saidi Sief, der Olympia- und WM-Zweite über 5000 m. Der Algerier, der in Oslo die Meile gewonnen hatte, musste aus familiären Gründen in seine Heimat zurückreisen.

Johnson nur Zuschauer

Im 100-m-Sprint ist Weltrekordhalter und Weltmeister Maurice Greene, der sich im WM-Final eine Oberschenkel-Zerrung zuzog, der grosse Abwesende. Im WM-Zweiten Tim Montgomery, der heuer in Oslo 9,84 Sekunden gelaufen ist, hat der Amerikaner einen würdigen Vertreter aus dem eigenen Land.

Nur Zuschauer ist der 200-m-Weltrekord-Halter Michael Johnson (33), der sich auf Abschiedstour befindet. «Wir werden ihn hier in Zürich ganz speziell gebührend verabschieden», sagte dazu Meeting-Direktor Hansjörg Wirz.

Grosse 100-m-Revanche

Bei den Frauen sticht das 100-m-Rennen heraus. Dort kommt es zur grossen Revanche zwischen der Weltmeisterin Schanna Pintusewitsch und der dreifachen Olympiasiegerin und 200-m-Weltmeisterin Marion Jones. Die in dieser Saison nicht so überlegene Amerikanerin wurde im WM-Final von der Ukrainerin nach 42 Final-Triumphen seit 1997 überraschend bezwungen.

Über 800 m wird Stephanie Graf (Ö) versuchen, sich an der achtfachen Zürich-Siegerin Maria Mutola (Moz) für die knappe Niederlage bei den WM (drei Hundertstel Rückstand) zu revanchieren. Mit im Feld ist Anita Brägger. Die WM-Halbfinalistin hat für diese Saison noch den von Sandra Gasser gehaltenen Schweizer Rekord (1:58,90) ins Auge gefasst.

Comebacks von Weyermann und Schelbert

In der Golden League über 1’500 m noch ungeschlagen ist in diesem Jahr die Rumänin Violeta Szekely, die bei den WM von ihrer jüngeren Rivalin Gabriela Szabo (in Zürich über 3’000 m am Start) auf Rang 2 verwiesen wurde. Neben Szekely, die dieses Jahr in der Golden League viermal siegte, sind in Zürich noch weitere sieben Athletinnen und sechs Athleten im Rennen um den mit 50 kg Gold dotierten Jackpot.

Auch Anita Weyermann gibt am Freitag ihr Comeback, nachdem sie am 27. Juni in Luzern die Saison im Hinblick auf die WM wegen ungenügender Leistungen abgebrochen hatte. Die Rekordhalterin hat am letzten Freitag einen 1’000-m-Test in 2:43 Minuten absolviert und sich nachher zu einem Start entschieden. Sie trifft unter anderen auch auf Sabine Fischer, die an den WM 13. geworden war.

Über 400 m Hürden steigt Marcel Schelbert, der WM-Dritte von 1999, wieder ins internationale Geschehen ein. «Ich will meine persönliche Saisonbestzeit ganz klar unterbieten», sagte der Schweizer Rekordhalter (48,13), der sich im letzten September einer Achillessehnen-Operation hatte unterziehen müssen und in diesem Jahr weniger schnell als erhofft wieder zu seiner gewohnten Leistung zurückgefunden hat.

Von Schweizer Seite musste der 400-m-Hürden-WM-Teilnehmer Alain Rohr wegen anhaltender Rückenbeschwerden Forfait geben. Ebenfalls nicht dabei ist Christian Belz, der WM-13. über 3000 m Steeple. Der Berner hat sich von den WM-Strapazen noch nicht genügend erholt.

swissinfo und Agenturen

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