The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

M2: Grosser Schritt für die Lausanner Agglomeration

Ein Zug der Metro M2 macht im Juli eine Testfahrt auf dem neuen Pont St-Martin unter dem Pont Béssières. Keystone

In Lausanne wird die erste Metro der Schweiz eingeweiht, ein Projekt, das von der Bevölkerung mit viel Enthusiasmus unterstützt wurde. Die neue Linie – ein technisches Meisterwerk – wird den Ansprüchen der wachsenden Agglomeration jedoch kaum genügen.

Im Eiltempo neigt sich das Projekt der Metro M2 seiner Vollendung zu. Die Linie, die den Norden mit dem Süden der Waadtländer Hauptstadt verbinden soll, wird ihren Betrieb Ende Oktober aufnehmen.

Die offizielle Eröffnung findet jedoch bereits einen Monat früher statt, am 18. September. Kleinere technische Probleme waren der Grund für diese Verschiebung.

Die umfangreichen Bauarbeiten gaben kaum Anlass zu Kritik. «Die Fristen wurden eingehalten, das Budget wurde nur geringfügig überschritten», lobt Vincent Kaufmann, Soziologe und Spezialist für Fragen der urbanen Mobilität an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL).

Vollautomatisch

Das Unmögliche möglich machen war die Devise. Unter eine Stadt mit einem starken Gefälle musste ein fast sieben Kilometer langer Tunnel gebohrt werden.

Zwischen der ersten Haltestelle am Ufer des Genfersees und dem Endbahnhof oben in der Stadt nahe der Gemeinde Epalinges galt es, 400 Meter Höhendifferenz zu überwinden.

Die erste Untergrundbahn der Schweiz, die M2, ist vollautomatisch. Unmittelbar nach der Volksabstimmung vom 24. November 2002, an der das Projekt gutgeheissen wurde, begannen die Bauarbeiten – eine grosse Herausforderung für Mensch und Technik.

«Wir mussten beispielsweise Spezialisten für Signalisierung und Transporte suchen, Fachbereiche, die in unserer Region nicht sehr weit entwickelt sind», unterstreicht Olivier Français, Stadtrat von Lausanne und geistiger Vater der Metro.

«Die Metro verbessert die Mobilität zwischen unterem und oberem Teil der Stadt, zwischen Wirtschaftszentren oder bevölkerungsdichten Teilen», erklärt Français.

Die M2 verbindet nämlich den SBB Bahnhof von Lausanne (tägliche Frequenz: 80’000 Personen) und die Haltestelle Flon (tägliche Frequenz: 60’000 Personen) mit mehreren Arbeitszentren der Stadt, wie z.B. dem Kantons- und Universitätsspital (CHUV).

«Im Hintertreffen»

Diese Tatsache muss Vincent Kaufmann neidlos anerkennen, ohne aber mit selbstkritischem Unterton beizufügen: «Das Projekt M2 wurde nicht wegen der wachsenden Agglomeration der Stadt geboren, sondern aus der Notwendigkeit, die ehemalige Linie zwischen Ouchy am See und dem Bahnhof SBB zu ersetzen. Die Ausdehnung von Lausanne findet eher im Südwesten der Agglomeration statt.»

Antwort des zuständigen Stadtrats: «Wie alle Städte wird auch Lausanne zunehmend attraktiver. Immer mehr Menschen arbeiten, konsumieren und vergnügen sich in der Stadt. Die damit verbundene Mobilität bedingt den umfassenden Ausbau des öffentlichen Verkehrs, um den Privatverkehr einzudämmen. In diesem Bereich ist die Stadt noch im Hintertreffen gegenüber den Deutschschweizer Städten.»

M3 und M4 bereits als Idee

Nach Ansicht von Olivier Français kann die M2 diesen Rückstand teilweise wettmachen. Sie stellt einen wichtigen Beitrag in der Entwicklung eines Zentrums für Biotechnologie dar, das im Norden der Stadt entstehen und in den nächsten Jahren 2000 Arbeitsplätze schaffen soll.

«Doch es ist richtig: die Agglomeration von Lausanne wächst vor allem auf ihrer südwestlichen Achse rund um die Eidgenössische Technische Hochschule», gibt Français zu.

Dies sei auch der Grund, warum «ich seit drei Jahren für die Weiterentwicklung des Transportnetzes kämpfe und bereits an eine M3 und eine M4 denke», verrät Stadtrat Français.

Ein Wunsch, der in den Gemeinden der Agglomeration, die einen besseren öffentlichen Verkehr fordern, auf breite Zustimmung stösst.

Zudem erinnert Français daran, dass Lausanne nebst den Investitionen für die M2 zusätzlich 100 Millionen Franken für die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs eingesetzt hat. Ebenfalls lanciert ist die Idee einer Tramlinie, die den Osten mit dem Westen der Agglomeration verbinden soll.

Weniger Autoverkehr?

Kaufmann anerkennt und lobt diese Anstrengungen. Im Gegenzug bezweifelt er jedoch die angestrebte Reduzierung des Autoverkehrs.

«Es wird sich kaum etwas ändern. Dazu bräuchte es eine viel restriktivere Verkehrspolitik in der Stadt, denken Sie nur ans Parkieren. Das Angebot des öffentlichen Verkehrs kann noch so toll sein, es genügt nicht», so die Einschätzung des Fachmanns für urbane Mobilität.

Ein Standpunkt, den der Verantwortliche von Lausanne bezweifelt: «Kanton und Bund wollen die Parkhäuser in Stadtnähe oder bei den Bahnhöfen nicht subventionieren. Folglich hat Lausanne ein Parkhaus im Norden der Stadt mit 1200 Plätzen selber finanziert (30 Mio. Franken). Ein Projekt mit der gleichen Kapazität ist im Südosten der Stadt geplant.»

Français unterstreicht: «Unter Führung der Verkehrsbetriebe Lausanne beteiligen sich alle Gemeinden der Agglomeration am Ausbau des öffentlichen Verkehrs.»

Auswirkung auf die Stadt

Wie dem auch sei, die M2 wird den Charakter und die Entwicklung von Lausanne verändern.

«Dank der Metro sind in der Stadt verschiedene Projekte in Gang gekommen, im Süden in Ouchy, im Zentrum oder im Norden, aber auch in La Sallaz und anderen Teilen der Stadt. Grosse Gebiete der Stadt werden sich in den nächsten Jahren stark verdichten», versichert Français.

Kaufmann seinerseits prophezeit der Metro einen grossen Erfolg angesichts der Begeisterung, die sie in der Bevölkerung auslöst.

Abschliessend meint der Soziologe: «Die M2 belebt das historische Zentrum von Lausanne. Sie hat aber auch Auswirkungen auf den Bodenpreis, der in der Nähe der Haltestellen steigt, vor allem für das Gewerbe und die Büros.»

swissinfo, Frédéric Burnand, Genf
(aus dem Französischen: Christine Fuhrer)

Die Metro M2 durchquert die ganze Stadt Lausanne von Süden nach Norden.

Sie verbindet den Hafen von Ouchy (am Genfersee) mit den Croisettes im Süden der angrenzenden Gemeinde Epalinges.

Die Linie ist über 6 Kilometer lang, führt zu 90% durch Tunnels und bedient 14 Haltestellen.

Das Gefälle beträgt 398 Meter und ist das grösste in Europa.

Die durchschnittliche Neigung liegt bei 5,6%, die Maximalneigung bei 12%.

Die Verbindung Ouchy-Croisettes dauert weniger als 20 Minuten.

Die M2 ist der erste vollautomatische, auf Pneu fahrende Zug in der Schweiz.

Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 60 km/h.

Während Stosszeiten verkehrt alle 3 Minuten ein Zug, der 220 Passagiere (60 Sitzplätze) transportieren kann. Die M2 sollte pro Jahr 25 Millionen Personen befördern.

Der Kostenvoranschlag lag bei 590 Mio. Franken. Die definitiven Kosten werden sich auf ungefähr 750 Mio. Franken belaufen.

Der Bund zahlt 190 Mio., der Kanton Waadt 302 Mio. und der Rest wird von der Société Lausanne-Ouchy Métro übernommen, die zu 100% der Stadt Lausanne gehört und von den Krediten der letzteren und vom Kanton profitiert.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft