Martina Hingis zittert sich in die Achtelfinals
Nichts für schwache Nerven waren die Schweizer Spiele vom Freitag (31.08.) am US Open. Martina Hingis wahrte ihre Chancen mit einem erzitterten 4:6, 6:4, 7:6 (7:5)-Erfolg über Iva Majoli. George Bastl verlor gegen Jewgeni Kafelnikow nach einer 2:0-Satzführung.
46 Minuten gegen Laura Granville, 37 Minuten gegen Lina Krasnorutskaja – niemand hat mit so wenig Aufwand die dritte Runde erreicht wie Martina Hingis. Mit der Ökonomie war’s nun aber vorbei: Gegen die 24-jährige Kroatin Iva Majoli (WTA 47), die vor vier Jahren die Nummer 4 der Welt war, musste Hingis bange Momente überstehen, ehe nach zwei Stunden 25 Minuten der Sieg errungen war.
Von Anfang an mit Problemen
Für Hingis begannen die Probleme von allem Anfang an. Sie verlor vier der ersten fünf Games, dann den ersten Satz, und bei 2:3 im zweiten Satz sah sie sich erneut mit einem Breakball konfrontiert. Mit einem fabelhaften Stopball wehrte Hingis diese Majoli-Chance ab und brachte sich selber auf Siegeskurs. Hingis holte sieben der acht folgenden Spiele und sah schon wie die sichere Siegerin aus.
Trotzdem kehrte die Kroatin im Entscheidungssatz von einem Doppelbreak-Rückstand (0:3) ins Spiel zurück. «Das hätte nie und nimmer passieren dürfen», sagte Hingis nach dem Spiel. «Über alles gesehen war das ganz sicher kein gutes Spiel von mir. Umso wichtiger war, dass ich den letzten Punkt gewann.»
Hingis beanspruchte im Tiebreak auch das Glück des Tüchtigen. Beim Stand von 2:4 im Tiebreak touchierte sie zumindest beinahe das Netz, was sie den Punkt gekostet hätte. Später lag Hingis 4:5 zurück, dann aber knallte Majoli die letzten drei Punkte alle ins Aus. Das war nicht selbstverständlich – zuvor waren ihr 47 Winner gelungen (gegenüber nur 21 von Hingis).
Hingis mit Zuversicht
Trotz der Probleme im dritten Einzel sieht Martina Hingis dem weiteren Turnierverlauf und den Duellen mit den Amerikanerinnen zuversichtlich entgegen. Ins anspruchsvolle Restprogramm am US Open steigt sie am Sonntag mit dem Spiel gegen Jelena Dokic (Jug/14). Hingis: «Die Erkältung habe ich jetzt sicher rausgeschwitzt. Und ich weiss, dass ich viel besser spielen kann als gegen Majoli.»
Bastls Einbruch
Der 26-jährige Waadtländer George Bastl machte gegen Jewgeni Kafelnikow zunächst alles richtig und ging mit 6:2, 7:5 in Führung. Bastls Körper ist indes nicht für Tennis-Marathons gebaut.
Wegen seiner konditionellen Mankos, die ihn auch die entscheidenden Daviscup- Einzel gegen Mark Philippoussis und Nicolas Escudé in fünf Sätzen verlieren liessen, brachte Bastl auch die Partie gegen Kafelnikow nicht zum Happy-End. Der Russe steigerte sich, realisierte in den Sätzen 3 bis 5 jeweils ein frühes Break und liess dem Gegner danach keine Chance mehr.
George Bastl zeigte in New York deutliche Fortschritte, nachdem er seit der fatalen Daviscup-Niederlage gegen Escudé in Neuenburg (nach Matchball) auf der Tour kein Einzel mehr und an vier Challenger-Turnieren nur drei Spiele gewonnen hatte. Anfang August hat er in der Interclub-Meisterschaft mit sieben Siegen das Selbstvertrauen wieder gefunden.
Wenn Bastl die Leistungen von Flushing Meadows (vier Siege inklusive Qualifikation) in den nächsten Wochen bestätigen kann, wird er auch auf der ATP-Tour wieder gewinnen.
swissinfo und Rolf Bichsel (sda)
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