Moskau: Fünf Schweizer Staatsangehörige verhaftet
Die russische Polizei hat bei einer Tibet-Kundgebung am Rande der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Moskau mehrere Aktivisten festgenommen. Darunter auch fünf Schweizer Staatsangehörige.
Laut dem Schweizer Aussenministerium handelt es sich bei den Verhafteten um zwei Frauen und drei Männer. Die Schweizer Botschaft in Moskau sei unterrichtet worden und habe auf dem Polizeiposten die Betroffenen identifiziert. In der Schweiz lebt die grösste Gemeinschaft von Exil-Tibetern, von denen viele die Schweizer Staatsbürgerschaft haben.
Die fünf Schweizer sowie mehrere Journalisten wurden am Mittwoch (11.07.) während einer Protestaktion gegen die Vergabe der Olympischen Spiele 2008 an Peking in Gewahrsam genommen. Die chinesische Hauptstadt gilt als Favorit für die IOC-Abstimmung am kommenden Freitag. Die Polizei kündigte ein hartes Vorgehen gegen weitere Aktionen der «tibetischen Separatisten» an.
Nach russischen Polizeiangaben wurden insgesamt 15 Personen in Gewahrsam genommen, darunter auch ein russischer Fotograf der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Neun der Festgenommenen müssten sich nunmehr vor Gericht verantworten, erklärte Polizeisprecher Sergej Schewzow. Ihnen werde die Organisation nicht genehmigter Demonstrationen sowie Missachtung polizeilicher Anordnungen vorgeworfen.
Neben den fünf Schweizern warteten zwei Russen, ein Inder, ein Schwede und eine US-Journalistin auf ihre Verhandlung. Deren Zeitpunkt stand vorerst nicht fest.
«Keine Menschenrechte in Tibet»
Die Polizei schritt ein, als die Demonstranten in Sichtweite des IOC-Tagungsortes ein Protest-Plakat enthüllten. Darauf waren die fünf olympischen Ringe als Einschusslöcher mit dem Kommentar «Die Spiele von Peking mit Tibet» verfremdet.
«Es kann keine guten Spiele in Peking geben, weil es keine Menschenrechte in Tibet gibt», sagte die Exil-Tibeterin und Vorsitzende des Vereins Tibetische Jugend in Europa, Yangzom Brauen, vor der Festnahme. Aus dem Polizeigewahrsam konnten die Aktivisten per Handy Journalisten über ihre Lage informieren.
Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hatte dem IOC eine «störungsfreien Verlauf» der Vollversammlung zugesichert. Die nichtgenehmigte Kundgebung verstoße gegen das russische Gesetz, sagte ein Polizist am Einsatzort. Die Moskauer Behörden lehnten einen Antrag von Tibet-Aktivisten für eine weitere Demonstration vor dem IOC-Tagungsort ab.
Tibet ist seit 1950 von China besetzt. Die tibetische Protestbewegung beschuldigt Peking, «eine Politik des kulturellen und ethnischen Völkermords» gegenüber dem tibetischen Volk zu betreiben.
swissinfo und Agenturen
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