Nach Olympia-Frust Playoff-Lust
Das Schweizer Eishockey ist wieder unter sich. Die Playoff-Viertelfinals: Davos-Bern, Ambri-ZSC Lions, Zug-Lugano und Fribourg-Kloten.
Davos – SC Bern
Die Viertelfinals werden im Modus «Best of seven» ausgetragen. Wer zuerst vier Siege verbucht, steht in den Halbfinals. Bereits im Vorjahr gab es dieses Viertelfinal-Duell. Damals setzte sich das aus dem unteren Ranglisten-Tableau gekommene Bern mit 4:0 Siegen durch. Bern war damals Sechster und Davos «nur» Dritter nach der Qualifikation gewesen.
So gesehen scheint die Favoritenrolle diesmal klarer verteilt. Davos beendete die Qualifikation an der Spitze, Bern schaffte es als Achter knapp in die Playoffs. Doch in der Qualifikation waren die Begegnungen äusserst umstritten; einmal gab es ein Remis und einmal einen Davoser Erfolg, aber zwei Mal einen Sieg des SCB.
Davos, das Ende Jahr mit der erfolgreichen Titelverteidigung des Spengler Cups eines seiner Saisonziele schon erreicht hat, kann im Gegensatz zum Vorjahr auf die NHL-Rückkehrer Reto von Arx und Michel Riesen zählen. Bei Bern hatte Neu-Trainer Kent Ruhnke während der Olympia-Pause ausreichend Zeit, sein Team auf diese Serie einzustellen.
Ambri – ZSC Lions
Geht es nach den Resultaten der Regular Season, ist der vermeintliche Aussenseiter Ambri-Piotta in der Serie gegen die ZSC Lions auf Grund der Bilanz eigentlich Favorit (3 Ambri-Siege, 1 Remis).
Ambri gewann zwar schon drei europäische Trophäen (zweimal Continentalcup, einmal Supercup), war aber noch nie Schweizer Meister. Jetzt haben die Tessiner die Chance, den Titelverteidiger auszuschalten. Einen gewissen Anteil hatte Ambri ja auch an den ZSC-Meistertiteln. Schliesslich bedienten sich die Zürcher rege in der Leventina, um sich ihr Meister-Team zusammenzubasteln.
In den letzten Jahren kamen die Verteidiger Steck und Salis (verletzt bis Saisonende) sowie die Stürmer Peter Jaks, Mattia Baldi und Paolo Duca (von den Lions an Zug ausgeliehen) ins Hallenstadion.
Peter Jaks ist mit 36 Jahren sogar der aktuelle Topskorer der Lions. Ob er die Treffsicherheit gegen seinen Bruder und langjährigen Teamkollegen Pauli Jaks beibehalten kann? In der Regular Season schoss Peter Jaks immerhin drei der sieben ZSC-Tore gegen seinen Bruder im Tor der Leventiner.
Die Lions werden im Playoff frühestens ab Donnerstag wieder auf Michel Zeiter zählen können. Der 27-jährige Stürmer war am 15. November von Churs Stürmer Witehall unabsichtlich mit der Schlittschuhkufe am Hals getroffen worden. Dabei zog er sich eine Kehlkopffraktur, eine Luftröhrenverletzung sowie Durchtrennungen von Muskeln und Blutgefässen zu.
Von diesen erheblichen Verletzungen hat sich Zeiter mittlerweile wieder gut, wenn auch noch nicht vollständig erholt. Ein wenig Probleme hat Zeiter noch mit der Atmung.
Zug – Lugano
Zündstoff liegt auch in dieser Serie. So emotionslos wie in der Regular Season dürften die langjährigen Zuger Patrick Sutter und André Rötheli in der Zuger Herti-Halle sowohl vom Gegner als auch vom Publikum nicht mehr empfangen werden. Sutter und Rötheli hatten in der vergangenen Saison viel Unruhe in das Team von Zug gebracht.
Auch Luganos Ersatzgoalie Ronnie Rüeger spielte bis vor wenigen Wochen noch für die Zentralschweizer. Ex-Zug-Trainer Jim Koleff weiss also garantiert soviel wie kaum ein anderer Coach über den Viertelfinal-Gegner Bescheid.
Deshalb liegen die Vorteile bei Lugano. Zug ist schliesslich auf die Torproduktion seines Ausländer-Trios Tancill/Di Pietro/Elik angewiesen. Ob Elik zum letzten Mal vor seiner Rückkehr zu Langnau gegen Lugano und damit einen anderen Arbeitgeber glänzen wird?
Fribourg-Gottéron – Kloten
Das ist auch ein Duell zweier angesehener Trainer: Serge Pelletier, der NLA-Trainer-Aufsteiger der letzten beiden Saisons, gegen den ruhmreichen Ausbildner Wladimir Jursinow. Pelletier forderte vor einem Jahr mit seinem Team in den Playoff-Viertelfinals Lugano viel ab und erreichte nun mit dem Aussenseiter den sensationellen 3. Qualifikationsrang.
Der mögliche Lugano-Trainer der nächsten Saison erhielt von Gottéron-Sportchef Roland von Mentlen (ex Kloten) angeblich wegen zu hohen Lohnansprüchen, aber auch aus «konzeptionellen» Gründen keinen neuen Vertrag mehr.
Jursinow, der einst dank von Mentlen aus Finnland nach Kloten gelotst worden war, hat als Trainerassistent in Russlands Nationalteam seinen Teil zum Bronze-Gewinn an den Olympischen Spielen in Salt Lake City beigetragen.
Neben Zeiter plant auch Klotens Leader Felix Hollenstein (36) für das Playoff ein Comeback. «Fige» konnte während der Olympia-Pause wieder mit der Mannschaft trainieren, aber noch keine Testspiele bestreiten.
Zu Beginn der Serie gegen Gottéron dürfte er aber noch fehlen, da das verletzte Knie nach einem Belastungstest am Montag wieder anschwoll. Hollensteins Spielervertrag läuft am Saisonende aus. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere wird er sich im Nachwuchs-Bereich von Kloten engagieren und dabei auch als Elite-A-Juniorentrainer wirken.
swissinfo und Agenturen
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