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Quirici verlässt Golfsport

Paolo Quirici war der einzige "grosse" Golfer der Schweiz. Nun hat er keine Lust mehr. Keystone

Der Schweizer Golfsport verliert unerwartet seinen besten Spieler: Nach 13 Jahren als Profi tritt Paolo Quirici Ende dieser Saison zurück. Der 34-jährige Tessiner erlebt derzeit seine wohl schwierigste Phase. Am European Masters in Crans-Montana verpasste er zum 14. Mal in 20 Turnieren den Cut für die Finalrunden.

«Ich renne seit Beginn der Saison den Resultaten und dem Selbstvertrauen hinterher. Das hat auf meine Moral geschlagen», sagte Quirici vor den Medien in Crans. Er habe in den letzten Monaten sehr gelitten und bringe die Kraft nicht mehr auf, sich immer wieder neu zu motivieren.

Bereits vor zwei Wochen hatte Quirici den Rücktrittsentscheid gefasst. Das Abschneiden in Crans – wie auch das von letzter Woche in München, wo er zum wiederholten Mal um einen Schlag ausschied – war nicht mehr massgebend.

Der Tessiner musste auch feststellen, dass sich das Spitzengolf um ihn herum rasant entwickelt. «Immer mehr junge Spieler tauchen auf, und die Anforderungen, um überhaupt den Cut zu schaffen, werden immer höher.»

Der Einzelkämpfer

Seit André Bossert im Sommer 1997 mit einer Rückenverletzung ausfiel, war Paolo Quirici auf der Europa-Tour für die Schweiz ein Einzelkämpfer. Von da an konnte Quirici sein Spiel zunächst enorm stabilisieren. Dies verdankte er auch der Tatsache, dass er seine Zuckerkrankheit und die damit verbundenen Leistungs-Schwankungen mit Medikamenten in den Griff bekam. In den Saisons 1997 bis 2000 sicherte er sich jeweils souverän die Zugehörigkeit zur höchsten europäischen Tour.

Auch mit guten Saisons «nicht zufrieden»

Mehrmals stand Quirici sogar nahe am ersten Europa-PGA-Turniersieg, so zuletzt im Oktober 1999 in Barcelona, wo er hinter dem dänischen Star Thomas Björn Zweiter wurde.

Die letzten drei Saisons beendete er in den Gesamträngen 54, 80 und 78, was ihn als klar besten Schweizer Profi-Golfer auszeichnet. In der Saison 2000 hatte er die Tourkarte für das nächste Jahr bereits Anfang Juli auf sicher, so früh wie nie zuvor.

1998 hatte er überdies sich als bisher einziger Schweizer für das Volvo Masters, das Saisonfinale in Jerez (Sp), qualifiziert. Im Rückblick ist er heute auch mit seinem Abschneiden in diesen guten Saisons nicht zufrieden: Er habe die gesteckten Ziele – dazu gehörte ein Turniersieg – nicht erreicht, sagte er.

Markante Rückschläge

In der laufenden Saison stellten sich markante Rückschläge ein und zwar in mehreren Bereichen des Spiels. Zuerst vergab er gute Resultate wegen schlechten Puttens. Als dieses dann besser wurde, hatte er plötzlich Schwierigkeiten, die langen Schläge mit dem Driver zu kontrollieren, und schliesslich destabilisierte sich auch noch das Eisenspiel beim Anspielen der Greens.

Um die Tourkarte zu behalten, hätte Quirici in den verbleibenden sechs Turnieren noch über 100’000 Euro an Preisgeld gewinnen müssen, was angesichts der derzeitigen Form kaum realistisch gewesen wäre. Es wäre ihm noch der Umweg über das sechstägige Qualifikationsturnier Mitte November in Südspanien geblieben.

Trotz Quiricis Rücktritt besteht die Chance, dass die Schweiz in der nächsten Saison weiterhin mit einem Spieler auf der Europa-PGA-Tour vertreten ist: Der 37-jährige Zürcher André Bossert ist drauf und dran, die Tourkarte über die Challenge Tour zurückzugewinnen.

swissinfo und Peter Lerch (sda)

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