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«Rote Phase» im Tessin

Im Strassentransitverkehr durch die Schweiz ist erstmals die "Phase Rot" eingeführt worden. Keystone Archive

Bis am Freitagmittag bleibt die Gotthard- und San-Bernardino-Route für Camions Richtung Norden gesperrt. Alle Lastwagen werden von der Tessiner Polizei gestoppt.

Seit Donnerstagmorgen werden alle neu ankommenden Lastwagen in Bellinzona angehalten. Die in die Schweiz einreisenden Chauffeure werden bereits am Zoll in Chiasso über die Situation informiert.

Sie haben die Wahl, auf einem Abstellplatz im Tessin zu warten, bis die Sperre aufgehoben wird oder aber nach Italien zurückzukehren, und auf einer anderen Route nach Norden zu fahren.

15 Kilometer Stau

Die Massnahme wurde notwendig, nachdem sich am Mittwoch die Lastwagen vor dem Gotthardtunnel auf einer Länge von bis zu 15 Kilometern gestaut hatten.

Knapp 500 Chauffeure mussten die Nacht auf einem Abstellplatz in der Leventina verbringen. Auch vor dem San-Bernardino-Tunnel kam es zu mehrstündigen Wartezeiten.

«Sperre ist illegal»

In Italien löste der Entscheid Kopfschütteln aus. Giorgio Colato, Präsident der italienischen Routiervereinigung (FAI) der Region Como, beklagte sich über die schlechte Informationspolitik der Schweizer. Der FAI sei nie kommuniziert worden, was es mit dieser «Roten Phase» auf sich habe, sagte Colato.

Die Alpensperre widerspreche dem gesunden Menschenverstand und den Gesetzen. Die Schweiz habe sich schliesslich zum freien Güterverkehr verpflichtet, sagte Colato.

Um das Lastwagenchaos in den Griff zu bekommen, rät er der Schweiz zu einem Verbot der 40-Tönner. «Bis zum 31. Dezember 2000 gab es keine Probleme, weil nur 28-Tönner auf den Schweizer Autobahnen unterwegs waren.»

Reaktion der Chauffeure offen

Das Bundesamt für Strassen war über die Weisung nicht vororientiert worden. «Die Kantone sind für die verkehrspolizeilichen Massnahmen selber zuständig», sagte Amtssprecher Michael Gehrken.

Er wies darauf hin, dass die Massnahme eigentlich bereits am Mittwochnachmittag hätte angeordnet werden müssen, damit die Warteräume am Abend wieder hätten geleert werden können. «Das ist kein Vorwurf. Wir müssen jetzt erst mit dem System Erfahrungen sammeln», sagte er.

Es müsse sich zudem jetzt zeigen, wie die Chauffeure auf die Weisung reagierten, ob sie überhaupt bis Bellinzona fahren oder ob sie den Umweg über den Simplon oder den Grossen St.Bernhard in Kauf nähmen. Gehrken geht davon aus, dass sich die Situation bis am Freitagmittag wieder normalisiert.

Dosierung im Norden klappt

Die gleiche Problematik stelle sich auf der Nordseite des Gotthard nicht, weil dort eine Dosierstelle vorhanden sei. Wenn diese voll sei, würden die Lastwagen in Stans in einem vorgelagerten Warteraum eingewiesen. So sei immer genau bekannt, wie viele Lastwagen noch Richtung Gotthardtunnel unterwegs seien. Überraschungen könnten so praktisch vermieden werden.

Auf der Alpensüdseite sei die Dosierung aber organisatorisch noch nicht optimal gelöst, weil es keinen klar abgegrenzten vorgelagerten Warteraum gebe und die Lastwagen praktisch bis vor das Tunnelportal fahren könnten.

swissinfo und Agenturen

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