Rückschlag für Sulzer Medica in den USA
Die angeschlagene Sulzer Medica hat in ihrem Bemühen um einen Vergleich in den USA einen Rückschlag erlitten: Das US-Bundesgericht hat dem Antrag des Unternehmens auf eine superprovisorische Verfügung nicht entsprochen.
Mit dieser Verfügung hätten alle US-Prozesse wegen fehlerhafter Knie- und Hüftimplantate zurückgestellt werden sollen, bis über den Vergleichsvorschlag entschieden ist. Das Unternehmen hatte am Mittwoch den geschädigten Patienten nach einem Rückzug aller Klagen wegen fehlerhafter Knie- und Hüftimplantate 780 Mio. Dollar geboten.
Bundesrichterin O’Malley habe ein zweites Hearing auf den nächsten Freitag angesetzt, weil noch zu viele Fragen im Zusammenhang mit dem Vergleichsvorschlag offen seien, sagte Sulzer Medica-Sprecherin Beatrice Tschanz zu einem entsprechenden Bericht der «SonntagsZeitung».
Erster Prozess am Montag
Welche Fragen sie noch habe, habe O’Malley nicht ausformuliert. Zentral sei aber sicherlich, ob der Sulzer-Medica-Vorschlag der bestmögliche Vergleich sei, sagte Tschanz. Sulzer Medica habe bisher erst die Eckwerte des Vergleichs bekannt gegeben.
So sei beispielsweise noch nicht ausgearbeitet, wie die Aktienbeteiligung der Patienten an Sulzer Medica im einzelnen aussehen solle. «Dafür war es noch zu früh», sagte Tschanz.
Solange O’Malley nicht über den Vergleich entschieden hat, könnten weitere Prozesse gegen Sulzer Medica begonnen werden. Der erste Prozess dürfte am Montag vor dem State Court im texanischen Corpus Christi starten. Von weiteren anstehenden Prozessen habe sie keine Kenntnis, sagte Tschanz.
Tschanz: Ausgang offen
Das Winterthurer Unternehmen habe damit rechnen müssen, dass O’Malley ein zweites Hearing ansetze. Dies sei kein Zeichen des Scheiterns, ebenso wenig wie es bedeute, dass der Vergleich akzeptiert werde, sagte Tschanz: «Der Ausgang ist offen.»
Sulzer Medica-Chef Stephan Rietiker hatte allerdings letzte Woche in einem Interview gesagt, dass ein Vergleichsvorschlag einen schweren Stand hätte, wenn die «Prozessiererei» losgehen würde.
Bislang über 1’000 Klagen
Im einzelnen sieht der Vergleich vor, neben den Kosten für Folge-Operationen den Patienten von verunreinigten Hüftgelenken oder Knie-Implantaten eine finanzielle Entschädigung zu zahlen.
Mehrfach operierte Patienten sollen 97’500 Dollar erhalten, für eine einmalige Folge-Operation wird der Patient mit 57’500 Dollar entschädigt. 2’750 Dollar bekommen Patienten, die zwar Implantate an Hüfte oder Knie haben, aber ohne Probleme damit leben.
Sulzer Medica rechnet bislang mit insgesamt rund 4’000 Folge-Operationen. Bis zum 10. August mussten 2’353 Hüftgelenke und 280 Schienbeinplatten wieder implantiert werden.
Geklagt haben 1’029 Patienten mit verunreinigten Hüftgelenken und 2 mit Schienbeinplatten. Insgesamt wurden 31’000 Hüftgelenke und 1’600 Schienbeinplatten implantiert.
swissinfo und Agenturen
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