The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Schweizer Anwälte nehmen Fagan ins Visier

Die Schweizer Anwälte wehren sich gegen die Methoden ihres amerikanischen Kollegen. Keystone Archive

Der Schweizerische Anwaltsverband (SAV) prüft rechtliche Schritte gegen den US-Anwalt Ed Fagan. Dieser erwägt eine Sammelklage gegen Crossair.

Der Anwaltsverband treffe entsprechende Abklärungen bei den US-Aufsichtsbehörden, bestätigte SAV-Präsident Niklaus Studer einen Bericht im «Blick» vom Mittwoch. Fagan bringe mit seinen Sammelklagen den Berufsstand der Anwälte in Verruf.

Der SAV will prüfen, ob Fagan mit seinem Verhalten nach dem Crossair-Absturz in Bassersdorf ZH nicht gegen US-Gesetze verstosse. Dabei gehe es um die Frage, wie lange nach einem Unglück Anwälte zuwarten müssen, bis sie Kontakt mit den Angehörigen der Opfer aufnehmen dürften. Laut Norbert G. Gschwend vom Schweizer Büro Ed Fagans beträgt diese Frist 30 Tage.

Die Konsequenz für Fagan könnte eine Aufsichtsanzeige sein. Laut Studer würden dem US-Anwalt dann disziplinarische Massnahmen drohen.

Communiqué versandt

Im Schweizer Büro Ed Fagans weist man solche Vorwürfe zurück. Der US-Anwalt habe bislang keine Hinterbliebenen kontaktiert, sagte Gschwend. Fagan wisse um die 30-tägige Frist.

Tatsache ist indes, dass der US-Anwalt zwei Tage nach dem Absturz ein in Englisch verfasstes Communiqué in der Schweiz, Deutschland und Österreich versandt hatte. Dieses trug den Titel «Internationales Juristenteam bietet den Überlebenden und Angehörigen der Opfer von Crossair LX 3597 Hilfe an».

«Vermeidbare» Katastrophe

Darin bezeichnete Fagan die Katastrophe von Bassersdorf als «vermeidbar». Es mache den Anschein, dass Fahrlässigkeiten zum Unfall geführt hätten. Angesichts der Tatsache, dass die Opfer aus verschiedensten Ländern kämen, müsse sich ein internationales Juristenteam der Familien der Opfer annehmen.

Fagan nannte ferner die Namen dreier Juristen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich und bekräftigte, er sei überzeugt, dieses Anwaltsteam könne den Betroffenen jene Unterstützung bieten, die sie benötigten.

Fagan wartet vorerst ab

Der SAV will zudem prüfen, ob Fagan nicht gegen das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb verstösst. Fagan spiegle seinen Klienten vor, in den USA könnten in jeder Angelegenheit Millionenklagen geführt werden, sagte Studer. Es gehe dem SAV deshalb auch darum, potenzielle Anwaltsklienten vor solchen Praktiken zu schützen.

Ob Ed Fagan tatsächlich eine Sammelklage einreichen wird, ist laut Gschwend noch offen. Vorderhand gelte es die 30-tägige Frist abzuwarten. Der US-Anwalt behalte aber den Stand der Untersuchungen im Auge. Nicht festlegen wollte sich Gschwend in bezug auf die Schadenssumme, die in einer eventuellen Sammelklage gefordert werde.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft