Schweizer Sieg an Tour de Suisse?
Dem Dopingskandal im Giro d'Italia zum Trotz geht das Leben im Radsport weiter. Die 65. Tour de Suisse wird vom 19. bis 28. Juni stattfinden, in zehn Etappen über 1'427 km führen und ein hochklassiges Feld am Start in Rust (De) vereinigen. Ob es wie letztes Jahr durch Oscar Camenzind wieder einen Schweizer Sieg geben wird?
Die Medienkonferenz in Bern leitete Organisator Marc Biver mit einer Stellungnahme zu den neuesten Ereignissen im Giro d’Italia ein. Er bezeichnete die Probleme kurzfristig als negativ für den Radsport wie auch für die Veranstalter. Doch die Polizei-Razzia in an Remo sei generell gut für den Sport. Marc Biver wörtlich: «EPO und andere Produkte haben in der heutigen Zeit keinen Platz mehr im Sport.» Mittelfristig, so Biver weiter, werde der Radsport zu einem sauberen Sport.
Tour-Sieger im Mittelpunkt
Es hat Tony Rominger, den Sportdirektor der Veranstaltung, einige Schweisstropfen gekostet, den zweifachen Tour de France-Sieger Lance Armstrong in die Schweiz zu bringen. Einer in den letzten Jahren entstandenen Freundschaft Romingers mit dem Texaner sowie dem Zeitfahren von Sitten nach Crans/Montana war es zu verdanken, dass sich Armstrong zu einer Änderung seines Programms entschloss. In dieser Prüfung gegen die Uhr will der Amerikaner einen Formtest vornehmen. Ansonsten wird er im Feld mitrollen. In seiner Sportgruppe US Postal wird Tyler Hamilton derjenige Fahrer sein, der auf das Gesamtklassement angesetzt wird.
Lediglich einen Wunsch konnte sich Tony Rominger bei der neuesten Auflage der nationalen Landesrundfahrt nicht erfüllen. Zu gerne hätte er auch den deutschen Jan Ullrich wieder am Start gehabt. Doch der Olympiasieger erachtet seine Tour-Vorbereitung mit der Teilnahme am Giro als ausreichend. Im Team Deutsche Telekom ist mit Alexander Winokurow (Kas, Sieger der Deutschland-Rundfahrt) guter Ersatz vorhanden und mit Erik Zabel einer der weltstärksten Sprinter dabei.
Camenzind vielversprechend
Die Aussichten des Vorjahres-Siegers Oscar Camenzind sind vielversprechend einzuschätzen. Der Schwyzer stellte sich im Giro d’Italia vollumfänglich in die Dienste von Gilberto Simoni, dessen Traum mit dem Gesamtsieg in Erfüllung ging. Der nach einigen Jahren wieder antretende Alex Zülle wird nach den Erfahrungen am Giro kaum mithalten können.
Andere Schweizer wie Daniel Schnider, Beat und Markus Zberg, Niki Aebersold, Marcel Strauss dürften eher auf Teilerfolge aus sein, wobei ihnen dabei grosse Gegenwehr sicher ist. Von den 17 verpflichteten Sportgruppen mit insgesamt 136 Berufsfahrern gehören immer 13 der 1. Division an, doch die Tendenz ist eine Woche vor Beginn der Rundfahrt schwer abzuschätzen. Wer von den Italienern verfügt nach dem Giro noch über Schwung und Ehrgeiz? Wer kommt nur in die Schweiz, um sich auf die Tour vorzubereiten?
Zweimal auf den Gotthard
Dem Wunsche der Teamverantwortlichen entsprechend, haben die Veranstalter der Tour de Suisse nochmals eine Entschärfung der Streckenführung vorgenommen. Nach dem erstmaligen Start der Geschichte im Ausland und den ersten beiden Teilstücken für die Sprinter ist schon die 4. Etappe mit der Fahrt durch das Appenzellerland und der Ankunft in Wildhaus dazu geeignet, eine erste Selektion herbeizuführen.
Als Königsetappe zu werten ist das Tagespensum von Widnau/Heerbrugg auf den Gotthardpass, der zweimal erklettert werden muss. Nach der Passage und der Abfahrt nach Airolo führt der Weg über die Tremola zurück zum Hospiz.
Die 7. Etappe mit dem Nufenen-Pass beinhaltet die taktischen Unwägbarkeiten das Goms hinunter, wo in früheren Jahren schon oft vermeintliche Sieger zu Verlierern wurden. Nach dem Zeitfahren von Sitten hinauf nach Crans/Montana dürften die Konturen des Gesamtklassementes jedoch bis ans Schlussziel Lausanne Bestand haben.
swissinfo und Toni Nötzli (Si)
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