Schwingen: Die Romands können sich noch nicht für das Eidgenössische erwärmen
Nyon, in der Westschweiz, ist für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest gerüstet. Am Grossanlass zwischen dem 24. und dem 26. August werden 100'000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Das Interesse in der Westschweiz ist bis jetzt jedoch eher gering.
Schwingen ist eine typische Schweizer Nationalsportart. Das konservative Element herrscht vor. Der Sport ist am ehesten verwandt mit dem Ringen, hat aber eigene Gesetzte und Vorschriften, die vom Verband mit Nachdruck überwacht werden. Änderungen haben es schwer.
Die alle drei Jahre stattfindenden Schwing- und Älplerfeste sind in der Deutschschweiz äusserst populär. 1998 wurden in Bern insgesamt 75’000 Zuschauerinnen und Zuschauer gezählt. Zwei Wochen vor dem Eröffnungstag in Nyon sind zwei Drittel der Eintrittskarten bereits verkauft – jedoch vor allem an Deutschschweizer.
Das Organisations-Komitee hofft aber, dass auch Zuschauer aus der Romandie die Wettkämpfen verfolgen werden. Der Präsident des Organisationskomitees, der Waadtländer Staatsrat Claude Ruey, wies einer darauf hin, dass die Ambiance, die an solchen Festen vorherrsche, an keinem anderen Anlass erlebt werden könne.
Die Arena fasst 33’000 Plätze. Diese bieten einen Blick auf die vier Sägemehlringe für den Schwingwettbewerb. Für die vier Ringe mussten insgesamt 200 Kubikmeter Material angeliefert werden. An den Wettkämpfen nehmen 280 Schwinger teil. 300 Personen, darunter ein Armeebataillon, sind für den Ablauf des Festes im Einsatz.
Neben den 280 Schwingern messen sich zudem 400 Hornusser und 50 Steinstösser. Favorit des Schwingens ist der amtierende König von 1998, der 22-jährige St. Galler Jörg Abderhalden, 190 Zentimeter gross und 130 Kilo schwer.
Rede von Leuenberger
Der neue Schwingerkönig wird am Sonntag in Anwesenheit von Bundespräsident Moritz Leuenberger erkoren. Die Rede des städtischen Sozialdemokraten vor einem eher ländlichen und konservativ gesinnten Publikum wird mit Spannung erwartet. Seine Parteikollegin Ruth Dreifuss wurde 1995 ausgepfiffen, als sie über über den EU-Beitritt sprach.
Die Sieger der verschiedenen Wettkämpfe erhalten Naturalpreise (Geld ist verpönt). Der Schwingerkönig bekommt als Siegerpreis einen Stier, die nächstplatzierten bekommen eine Kuh, ein Fohlen oder Kuhglocken. Als Rahmenprogramm werden verschiedene Darbietungen wie zum Beispiel Volksmusik-Konzerte oder Degustationen angeboten.
Das Budget der Organisatoren beträgt über 8 Mio. Franken. Zwei Millionen werden durch die Eintrittsgelder gedeckt, zwei weitere Millionen durch Sponsoren und der Rest durch sonstige Einnahmen.
swissinfo und Agenturen
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