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Stuart Eizenstat bedauert Missverständnisse

Der frühere US-Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat. Keystone Archive

Nach Meinung des früheren US-Unterstaats-Sekretärs Stuart Eizenstat ist die Schweizer während der Holocaust-Debatte in den USA zu schlecht weggekommen. In einem Interview bedauert er Missverständnisse im Zusammenhang mit seinem Bericht.

«Das Schweizer Verhalten während des Zweiten Weltkriegs war nicht makellos. Aber die positiven Dinge, die die Schweiz während des Kriegs geleistet hatte, wurden zu wenig gewürdigt», sagte Eizenstat in einem Interview mit dem Magazin ‚Cash‘. «Die Schweiz liess im Zweiten Weltkrieg mehr Flüchtlinge ins Land als die USA».

«Dass die Schweiz dachte, wir beschuldigen nur sie, ist ein Missverständnis. I am sorry», bekräftigte Eizenstat. In seinem 1997 veröffentlichten Bericht über die Raubgold-Geschäfte Nazi-Deutschlands hatte der damalige US-Unterstaats-Sekretär der Schweiz vorgeworfen, während des Zweiten Weltkriegs Bankier der Nazis gewesen zu sein. Die Schweizer Haltung hätte zur Verlängerung des Kriegs beigetragen.

Es habe auf beiden Seiten viel «Megafon-Diplomatie» gegeben. «Ich gab mein Bestes, moderat zu bleiben», sagte Eizenstat. «Unser Bericht erzeugte Bestürzung, weil die Schweiz sich selbst als Land sah, dessen Neutralität den Alliierten half.»

Die USA hätten nie gesagt, die Schweiz trüge allein die Schuld. «Es war die Kombination aller neutraler Staaten. Wir zitierten Warnungen, die schon während des Krieges fielen.»

Lob für Defago

Eizenstat zeigte Verständnis für die heftigen Reaktionen aus der Schweiz: «Plötzlich lagen die Schweiz und Nazi-Deutschland in einem Topf. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als das.»

Enttäuscht äusserte er sich über die Schweizer Regierung: «Sie überliess die Verteidigung den Banken». Lobende Worte fand Eizenstat dagegen für den Schweizer Botschafter Alfred Defago in Washington. Er habe Erstaunliches geleistet und sich stark für die Schweizer Interessen eingesetzt.

Der 59-jährige Eizenstat amtet unter Präsident George W. Bush weiterhin als Vermittler in Holocaust-Angelegenheiten. Im Interview erklärte Eizenstat, er versuche die Einigungen in den deutschen, französischen und österreichischen Fällen voranzutreiben.

swissinfo und Agenturen

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