Sulzer Medica: Das Warten geht weiter
Der Vorentscheid einer US-Bundesbezirks-Richterin über das Sulzer-Medica-Vergleichs-Angebot an die Opfer fehlerhafter Hüft- und Kniegelenkprothesen hat am Mittwoch (29.08.) auf sich warten lassen. Der Entscheid wurde vertagt, auf ein weiteres Hearing aber verzichtet. Die Börse reagierte erfreut.
Sulzer-Medica-Sprecher Henner Alms sagte, bisher habe man aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio nichts Neues gehört. Dort hatte am Dienstag ein zweites Hearing vor Bundesbezirks-Richterin Kathleen O’Malley stattgefunden. Die Sulzer-Medica-Anwälte erwarteten O’Malleys Entscheid zwar «in nächster Zeit, allerdings nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden», sagte Alms weiter.
O’Malley habe in den zwei vergangenen Hearings zwar nicht alle Parteien der Klägerseite anhören können, doch habe sie keine weiteren Hearings anberaumt. In Cleveland wird entschieden, ob der Vergleichsvorschlag von Sulzer Medica an die geschädigten Patienten überhaupt rechtens ist.
Der Vergleich sieht maximal 780 Mio. Dollar (umgerechnet rund 1,3 Mrd. Franken) als Entschädigungs- und Wiedergutmachungszahlungen vor. Bei Annahme hätte der Vergleich vor allen übrigen Klagen auf Bundesstaats-Ebene Vorrang.
Falls O’Malley dem Vergleich zustimme, sei dies für Sulzer Medica ein Meilenstein auf einem noch sehr langen Weg, sagte Alms.
In einer nächsten Phase würde den Sammelklägern der Vergleichsvorschlag unterbreitet, welche diesem innerhalb einer gesetzten Frist zuzustimmen hätten. Erst dann kann der eigentliche Prozess anberaumt werden. Bei einem Nein der Bundesbezirksrichterin müsse die Lage neu evaluiert werden, sagte Alms.
swissinfo und Agenturen
Sulzer Medica droht mit Konkurs
Einer der Klägeranwälte hatte die Offerte während des Hearings am Dienstag als schlecht bezeichnet und um eine Verschiebung der Entscheidung um weitere zwei Monate ersucht.
Laut Auskunft einer Assistentin der Richterin waren mindestens 50 Schreiben mit solchen Gegenargumenten beim Gericht eingegangen, vor allem von Anwälten aus den US-Staaten Texas, Kalifornien und Florida, in denen zahlreiche Schadenersatz-Klagen gegen Sulzer Medica eingereicht worden sind.
Der Vertreter jener Kläger, die das Sulzer-Angebot unterstützen, machte demgegenüber darauf aufmerksam, dass eine rasche Entscheidung nötig sei. Andernfalls könnte Sulzer Medica gezwungen sein, den Konkurs zu beantragen. Damit würden die Aussichten auf Zahlungen für die Opfer der fehlerhaften Hüftgelenk- und Kniescheibenimplantate schwinden.
An der Börse wurde die Entwicklung in Cleveland positiv interpretiert. Am Mittwochvormittag stieg der Kurs der Sulzer-Medica-Aktie wieder stark an. Gegen Mittag notierte der Titel bei 116,25 Franken – fast 10% höher als am Vorabend.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch