Swiss-Ski: Höhenflug trotz Swissair-Debakel
Für den Skiverband ging "ein Stück Schweiz verloren". Deshalb "möchten wir mit unseren Auftritten einen Beitrag zur Image-Aufwertung leisten".
Swiss-Ski-Präsident und Nationalrat Duri Bezzola betonte an der Medienorientierung am Donnerstag, der Skiverband sei vom finanziellen Fiasko seines Hauptsponsors dank vorausschauender Kontakte nur am Rande betroffen.
Die UBS, mit 51 Prozent Hauptaktionär der Crossair als wahrscheinlicher Nachfolge-Organisation der Swissair, hat alle ausstehenden Verpflichtungen für den nächsten Winter übernommen. «Ich möchte den Spitzenleuten der UBS dafür danken», sagte Bezzola.
Die Bank ist auch als künftiger Hauptsponsor im Gespräch, ebenso die Swisscom, im Moment Hauptsponsor der Nordischen und Co-Sponsor der Alpinen. Aber auch eine Fortsetzung des Sponsorings mit der Swissair-Nachfolge-Gesellschaft wäre denkbar, zumal der alte Vertrag bis 2004 liefe. Auf jeden Fall werden die Skifahrer bis auf weiteres immer noch in Swissair-Anzügen antreten.
Keine Auswirkungen auf Trainingsbetrieb
Männer-Chef Dieter Bartsch lobte die interne Kommunikation in der Krisenphase. «Binnen Stunden wussten wir Bescheid. Die positiven Informationen waren sehr wichtig für uns. Wir konnten unseren Trainingsbetrieb plangemäss durchziehen.»
Die finanziellen Abstriche mussten vorher gemacht werden. So gibt es nur noch private Konditionstrainer. «Aus der Not ist eine Tugend geworden», meinte Bartsch, «so haben wir trotz Entlassungen mehr Leute als früher, die für uns arbeiten».
Männer-Team komplett
Das Männer-Team ist von schweren Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Silvano Beltrametti (Dehnung des Kreuzbandes) kann in drei Wochen wieder mitmachen, auch Franco Cavegns Pause (Knorpelverletzung durch Überlastung) dürfte nur von kurzer Dauer sein. Einzig der Rekonvaleszent Jürg Grünenfelder tut sich weiterhin recht schwer.
Gleichwohl werden die Abfahrer als komptaktester Mannschafts-Teil eingeschätzt. «Ein Sieg MUSS her», sagt Bartsch. Der letzte datiert aus dem Jahr 1998 (Cuche in der Sprint-Abfahrt von Kitzbühel). Der letzte Sieg über die ganze Strecke liegt sogar fünf Jahre (Kernen in Veysonnaz) zurück.
Im Riesenslalom mit Weltmeister Michael von Grünigen und einem erstarkten Didier Cuche ist Bartsch überzeugt, dass der Abstand zu den Österreicher kleiner geworden ist.
Der Slalom bleibt die Achillesferse. Der beste der Trainingsgruppe ist momentan der Liechtensteiner Markus Ganahl.
Angelo Mainas (Re-)Integration als Frauen-Trainer
Bei den Frauen ist Angelo Maina nach fünfjähriger Abwesenheit als Chef zurückgekehrt. «Ich brauchte einen Monat, um mich wieder einzuleben und die Leute kennen zu lernen», sagt der Tessiner nach seinem Abstecher ins Fussballgeschäft.
Sein Ziel: eine homogenes Team, «bei dem aber», so Maina, «gleichwohl nicht jeder Trainer gleich sein muss – das sind die Fahrerinnen auch nicht».
Mit Ausnahme von Weltmeisterin Sonja Nef (wie gewohnt mit Sepp Brunner) hat die ganze Mannschaft in zwei Gruppen (Speed und Technik) trainiert, meist hinab bis zum B-Kader. Das Hauptproblem bildet weiterhin die schmale Spitze. So haben zwei Fahrerinnen (Sonja Nef und Corinne Rey-Bellet) 73 % aller Weltcup-Punkte eingefahren, und 90 % der Punkte gingen auf das Konto von nur vier Fahrerinnen (noch Sylviane Berthod und Lilian Kummer).
Umso wichtiger wird der Nachwuchs, der im zweiten Jahr unter der Leitung von Didier Bonvin steht. Auch dort ist die Zwei-Gruppen-Struktur eingeführt worden. Mit fünf Medaillen an den Junioren-Weltmeisterschaften war im letzten Winter ein deutlicher Leistungsanstieg festzustellen gewesen. Doch relativiert Bonvin vor voreiligen Schlüssen: «Die Junioren-WM ist nur ein Zwischenziel, quasi eine Vorbereitung für später.»
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch