Tessiner Justizaffäre: Franco Verda verhaftet
Der Tessiner Richter Franco Verda sitzt in Haft. Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici ordnete die Verhaftung am Freitag (04.08.) nach einer weiteren Einvernahme an. Verda muss sich auch wegen passiver Bestechung und Begünstigung vor Gericht verantworten.
Bereits der wiederholten Amtsgeheimnisverletzung beschuldigt, wird sich Franco Verda nun auch wegen passiver Bestechung und Begünstigung verantworten müssen, erklärte Giudici am Samstag (05.08.).
Der zuständige Untersuchungsrichter bestätigte die Verhaftung. Mit den nun vorliegenden Anklagepunkten drohen Verda bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug.
Im Spital
In Haft genommen wurde Verda am Freitagabend nach einer mehr als zehnstündigen Einvernahme, wie das Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (TSI) am Samstag berichtete. TSI hatte vor dem Untersuchungsgefängnis Toricella Posten bezogen, während Verda vom Sonderstaatsanwalt befragt wurde.
Laut dem Fernsehen wurde Verda, da offenbar krank, nicht in eine Zelle, sondern in ein Spital in Lugano verbracht. Diese Information wurde am Sonntag (06.08.) von Verdas Anwalt Mario Molo bestätigt. Molo fügte an, sein Mandant sei schwer krank. Sonstige Auskünfte gab er nicht.
Kontakt zu Zigarettenmafia
Der 59-jährige Verda geriet wegen seines freundschaftlichen Verhältnisses zum mutmasslichen Zigarettenschmuggler und Geldwäscher Gerardo Cuomo in die Schlagzeilen. In der Presse erschienen diverse Fotos, die die beiden Männer gemeinsam in der Freizeit – so auf einer Luxusjacht – zeigen.
Verda soll Cuomo über das Urteil im Verfahren um die beschlagnahmten Gelder Francesco Prudentinos, eines mutmasslichen Paten der Zigarettenmafia, vorinformiert haben. Im Juni 1999 entschied Verda, einen Teil der Gelder zurückzuerstatten, weil ihre kriminelle Herkunft nicht nachweisbar gewesen sei.
Kontakt via Verdas heutige Frau
Entstanden war der Kontakt zwischen Richter und mutmasslichem Straftäter im Tessin. Verdas damalige Freundin Désirée Rinaldi war Cuomos Anwältin. Rinaldi und Verda heirateten Mitte Juli, nach Meinung der Tessiner Presse, um in einem Prozess nicht gegeneinander aussagen zu müssen.
Cuomo sitzt seit dem 10. Mai in Zürich in Auslieferungshaft. Italien sucht ihn wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung. Diese soll illegalen Drogen-, Waffen- und Zigarettenhandel organisiert sowie Geldwäscherei betrieben haben.
Cuomo gilt als rechte Hand des Paten Prudentino. Die Ermittlungen gegen den suspendierten Strafgerichtspräsidenten Franco Verda wegen Amtsgeheimnisverletzung betreffen Telefongespräche zwischen ihm und Gerardo Cuomo.
Diese Gespräche waren von italienischen Fahndern abgehört worden. Verdas Verteidiger bestreitet die Rechtmässigkeit dieser Aktion.
Der gebürtige Neapolitaner Cuomo lebte ab 1993 über Jahre in Lugano und unterhielt dort eine Handelsfirma. Die italienische «Guardia di Finanza» bezeichnete ihn als Unternehmer des Schmuggelgeschäfts.
Wieso Cuomo eine Aufenthaltsbewilligung im Tessin erhalten konnte, ist nach wie vor Gegenstand einer hängigen parlamentarischen Anfrage.
Swissinfo und Agenturen
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