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Wenn die DEZA Gefängnisse baut

Das DEZA baute dieses Gefängnis-Spital im Kosovo, bildet aber auch die Vollzugsbeamten aus. Keystone

Die Schweiz unterstützt den Aufbau ziviler Verwaltungs-Strukturen im Kosovo. Dazu gehört auch das Gefängniswesen. Diese Woche besuchten kosovarische Gefängnisbeamte in der Schweiz einen Ausbildungslehrgang, der von der DEZA finanziert wurde.

Seit zwei Jahren beteiligt sich die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) am Aufbau eines neuen Justizsystems im Kosovo. Damit kam sie einer Bitte des damaligen UNO-Verwalters Bernard Kouchner nach. «Ein funktionierendes Justizsystem bildet die Basis für die langfristige Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung im Kosovo», erklärt Barbara Hofmann, DEZA-Sprecherin das Engagement.

Menschenrechte im Mittelpunkt

Das Programm zur Neuorganisation des Strafvollzugs ist auf 18 Monate befristet und kostet 950’000 Franken. Bereits wurde im Gefängnis in Istog/Istok im Kosovo das Gefängnisspital und das Besucherzentrum wieder aufgebaut. «Wir wollen ein neues Gefängniswesen gemäss den Menschenrechten installieren. In den serbischen Gefängnissen herrschte Willkür, das hatte nichts mit Menschenrechten zu tun», erklärt Hofman das Ziel des Programms. Ein wichtiger Teil des Programms sei Ausbildung und Training von Kaderbeamten.

Diese Ausbildung übernimmt unter anderem Hans-Jürg Bühlmann, Leiter der Abteilung Gefängniswesen Kanton Basel-Stadt. Er führt den Ausbildungslehrgang und war bereits zwei Wochen als Ausbilder in der Polizeischule im Kosovo, wo die Ausbildung begann. In einem zweiten Teil der momentan in der Basler Strafanstalt «Schällemätteli» wird dieser fortgesetzt, um dann im Mai im Kosovo beendet zu werden. Seine Schüler sind 24 Männer albanischer Abstammung die heute im mittleren und höheren Kader des Strafvollzugs im Kosovo arbeiten. Vor zehn Jahren hätten sie ihre Stellen in den serbischen Gefängnissen verloren, sagt Ausbilder Bühlmann. Einige von ihnen hätten jahrelange Berufserfahrung.

Rundgänge und Gruppenarbeiten

«Am Morgen zeigen wir ihnen die Basler Gefängnisse und machen sie mit unseren Betriebsabläufen vertraut. Am Nachmittag führen wir die theoretische Ausbildung fort», umreisst Bühlmann den Stundenplan. Auf diesem stehen Führungsfragen, Psychologie, Krisenmanagement und ethische Fragen. «Wir diskutieren Fälle und besprechen Probleme, was auf grosses Echo stösst», sagte Bühlmann.

In den serbisch kontrollierten Gefängnissen sei die Disziplin mit teils sehr harten Massnahmen – Schlägen – durchgesetzt worden. Dieser Ansatz müsse geändert werden und der Strafvollzug im UNMIK-Gefängnis auf Weststandard gebracht werden, führt Bühlmann aus. So sollen Gespräche helfen, Probleme zu lösen. Auch müsse berücksichtigt werden, dass sich bei der Änderung des Vollzugssystems disziplinarische Probleme mit den Gefangenen ergeben können, gibt er zu bedenken.

Bühlmann ist jedoch zuversichtlich: «Das Umdenken wird einige Jahre dauern, aber schon heute können wir feststellen, dass sich der Umgang in den Gefängnissen stark verändert hat.»

Philippe Kropf

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