Zölibat für Soldaten
Offiziell gibt es keinen Sex im Lager Casablanca. Auch keine Probleme damit. Trotzdem ist das Verhältnis zwischen den vielen Männern und wenigen Frauen gelegentlich gespannt.
«Am meisten vermisse ich Sex», sagt ein Swisscoy-Angehöriger. Ein anderer Soldat meint, man müsse sich in seinen drei Wochen Ferien organisieren: «Wer in der Schweiz eine Beziehung hat, für den geht das. Der Rest ist im Kopf.»
Dass die männlichen Hormone nach einigen Wochen im Camp Sturm laufen, merken besonders die Frauen im Kontingent. «Da starren die Soldaten schon mal, wenn du als Frau vorbeikommst», sagt eine Swisscoy-Angehörige.
Pärchen im Skilager
Innerhalb des Kontingents bilden sich auch Paare. «Das ist wie im Skilager, manchmal funkt es zwischen zwei Menschen», sagt Quartiermeister Chris Jörgensen. Doch einer solchen Beziehung sind zumindest zeitlich enge Grenzen gesetzt: «Nach Mitternacht müssen alle im eigenen Container sein», erklärt Presseoffizier Roman Kistler.
Was für die andern bleibt, wenn eine Soldatin und ein Soldat zusammen an der Bar gesehen werden, sind Anspielungen und Zweideutigkeiten. «Sind mal Gerüchte im Umlauf, spreche ich die Leute direkt darauf an. Dann sind sie meist schnell ruhig», sagt Sanitäterin Marlène Suter zum Umgang damit.
Prostitution ist tabu
«Das Heftchen-Business läuft hier unten wohl etwas besser als während einer Rekruten-Schule», sagt ein Festungswächter. Die Marketender-Stände in andern Camps verkaufen die üblichen Männermagazine. Pin-Up-Girls zieren gelegentlich private Bereiche.
«Es gibt Hotels, da gibt es für zusätzliches Geld auch eine Frau für die Nacht», sagt ein Swisscoy-Soldat, «aber das ganze Business ist fest in der Hand der Organisierten Kriminalität.» Ausserdem würden die KFOR-Richtlinien verbieten, Prostituierte zu besuchen. «Das ist für uns einfacher einzuhalten, als für Kameraden aus andern Ländern, die vielleicht nicht freiwillig da sind», sagt er.
Strenge Kontrollen und hohe Strafen
«Die KFOR-Regeln werden von der Militär-Polizei strikte durchgesetzt», sagt Presseoffizier Kistler. «Wer nur schon beim Einkauf in lokalen Geschäften erwischt wird, dem droht eine Disziplinarstrafe», ergänzt er.
Kondome auf der Krankenstation
«Manchmal kriegst du schon Angebote, dir eine Frau zu besorgen. Aber das kann auch ein Witz sein. Ich habe noch nie gehört, dass jemand zugesagt hat», sagt ein Schweizer Soldat. Auch eine der neun Swisscoy-Frauen meint: «Ich glaube nicht, dass jemand im Kontingent zu einer Prostituierten gegangen ist.»
Zur Sicherheit werden auf der österreichisch-schweizerischen Krankenstation aber trotzdem Kondome abgegeben.
Philippe Kropf, Prizrën
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