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Ferrari einpacken oder 120kg Lachs finden: Die verrücktesten Gästewünsche

Ein Concierge in einem Luxushotel
Der exklusive Kreis der Concierges in Luxushotels, eine verschwiegene Gemeinschaft. RTS

Einen Laden am Sonntag extra eröffnen, Tickets für ein seit Monaten ausverkauftes Konzert besorgen oder einen Ferrari als Geburtstagsgeschenk einpacken. Das ist die Art von Aufgaben, die den Alltag der Concierges von Luxushotels bestimmen. Die Elite der Branche in der Schweiz, die «Clefs d’Or»-Concierges, hat sich bereit erklärt, einen Blick hinter die Kulissen ihres aussergewöhnlichen Alltags zu gewähren.

Im Beau-Rivage, dem Flaggschiff der Genfer Luxushotels am rechten Ufer, regiert Raphaël Mathon-Goupil souverän hinter seinem Desk. Sein Motto? Keine Anfrage ist zu gross – vorausgesetzt, man hat das richtige Adressbuch. Und die Rechnung, die den Hotelgästen präsentiert wird? Sie kommt immer zuletzt.

Zu seinen eindrücklichsten Erinnerungen zählt jene an einen Kunden aus dem Nahen Osten, dessen Privatjet auf dem Rollfeld des Flughafens Genf wartete und der abreisen wollte.

Sein Wunsch vor dem Abflug: 120 Kilo Lachs einer bestimmten Herkunft sollten in den Frachtraum des Jets geladen werden.

«Wir haben das Manor in Genf und andere kleine Läden, die wir kannten, leergekauft», erinnert sich Mathon-Goupil. Die wertvolle Fracht erreichte schliesslich den Jet und seinen Besitzer.

Der TV-Beitrag von RTS (Franz.):

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Raphaëlle Grandgirard, eine der wenigen Schweizerinnen unter den Mitgliedern der «Clefs d’Or», bewahrt ebenfalls eine unvergessliche Erinnerung aus ihrer Zeit im Genfer Hôtel d’Angleterre.

Ein Gast erschien an der Rezeption, reichte ihr die Schlüssel seines vor dem Hotel geparkten Ferraris und sagte ganz selbstverständlich: «Meine Frau kommt in zwei Stunden. Das ist ihr Geburtstagsgeschenk. Können Sie ihn bitte mit Geschenkpapier einpacken?»

Ein Jahrhundert alte Gemeinschaft

Die Geschichte der «Clefs d’Or» reicht bis ins Jahr 1929 zurück. Damals fanden sich einige Pariser Concierges zusammen, um ihre Geheimnisse zu teilen. Fast ein Jahrhundert später zählt die Vereinigung 4000 Mitglieder auf der ganzen Welt.

In diesem Jahr durfte das Investigativ-Magazin «Mise au Point» des Westschweizer Fernsehens RTS ausnahmsweise den Jahreskongress in Luzern filmen.

Der Weg zum «Clef d’Or» ist lang: Man muss mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, mehrere Sprachen beherrschen und von anderen «Clefs-d’Or»-Concierges kooptiert werden.

Burak Ipekci, der internationale Generalsekretär der Vereinigung, ist eine der prägenden Figuren des Berufs. Er erzählt, wie er einmal in den Privatjet eines Kunden stieg, um von New York nach Louisiana zu fliegen – eine Strecke von rund 2000 Kilometern –, um einzig und allein eine Flasche Barbecue-Sauce zu kaufen. Diese musste er anschliessend noch am selben Abend in einer Villa auf den Bahamas abliefern.

Eine weitere Anekdote: Ein amerikanischer Konzernchef, der befürchtete, dass ihn eine chinesische Delegation bei einem wichtigen Meeting ausspionieren könnte, erschien mit einem ungewöhnlichen Anliegen am Concierge-Desk.

Er brauchte eine junge Französin, die naiv wirkte, fliessend Mandarin sprach und als seine Assistentin beim Meeting anwesend sein sollte, um mögliche geflüsterte Gespräche der Chinesen aufzufangen. Ipekci fand die gesuchte Person in weniger als zwei Stunden.

Die Grenzen des Akzeptablen

Doch nicht alle Wünsche können erfüllt werden. Olivier Desbois ist 63 Jahre alt und einer der erfahrensten Concierges der Branche. Er erinnert sich, dass bestimmte Anfragen in den grossen Pariser Luxushotels zu Beginn seiner Karriere an der Tagesordnung waren. «Die Kunden wollten Mädchen, sehr oft. Sie waren bereit, viel zu zahlen.»

Er erinnert sich besonders an einen berühmten amerikanischen Schauspieler, der regelmässig zu ihm kam und nach «einem Kissen» fragte. Im Milieu der Concierges bedeutet diese Bitte, dass ein Gast eine Prostituierte auf sein Zimmer bestellen möchte.

Ist eine Anfrage jedoch illegal oder unmoralisch, muss ein «Clefs-d’Or»-Concierge sie ablehnen. Heute arbeitet Desbois im Grand Bellevue Palace in Gstaad, einem der prestigeträchtigsten Luxushotels der Berner Alpen. Er spricht zwanzig Fremdsprachen und organisiert fast jeden Morgen Helikoptertransfers.

Eine Welt für sich

Trotz des Prestiges und der grosszügigen Trinkgelder überschreiten die Löhne dieser besonderen Concierges selten die 5000-Franken-Marke. Eine Tatsache, die diese Fachleute vollauf akzeptieren.

«Es kommt vor, dass man ins Träumen gerät, wenn man mit so reichen Kundinnen und Kunden zu tun hat – aber unsere Portemonnaies halten da nicht mit», schmunzelt Mathon-Goupil. Desbois wiederum zieht es vor, Distanz zu dieser Kundschaft mit unbegrenzten finanziellen Mitteln zu wahren.

In einer Welt, in der die Ultrareichen immer reicher werden, haben die Concierges der «Clefs d’Or» noch eine glänzende Zukunft vor sich. «Je verrückter die Anfragen, desto mehr lieben wir es», schliesst Grandgirard.

Übertragung aus dem Französischen mithilfe der KI Claude: Christian Raaflaub

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