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RTS zügelt seine 180’000 Schallplatten in einen geheimen Zentralschweizer Bunker

Eine Frau greift in ein Gestell voller Schalllatten
Marie-Françoise Guex, Dokumentalistin bei RTS. RTS / Valentin Jordil

Mit dem Umzug des Westschweizer Radios RTS an seinen neuen Standort in Ecublens verlässt auch eine riesige Schallplattensammlung die Stadt Lausanne. Vierzig Tonnen Tonarchive werden künftig in einem ehemaligen Militärbunker im Kanton Luzern gelagert.

Mitten zwischen den Regalen ruht der Blick einer Frau. Ein halbes Gesicht, rotes Haar, ein erstarrtes Lächeln auf einem vergilbten Cover. In leuchtend grünen Buchstaben ist zu lesen: «Jacqueline Dulac … Tu peux me sourire» (Du kannst mich anlächeln). Wie diese haben fast 180’000 Schallplatten die «Maison de la radio» in Lausanne verlassen.

In den Untergeschossen quietschen die metallenen Kompaktregale ein letztes Mal. Zwischen den Gestellen packen, nummerieren und sortieren Teams Tausende schwarze Scheiben.

«Wir schätzen das auf rund 40 Tonnen», sagt Marie-Françoise Guex, Dokumentalistin bei RTS. «Platz zu finden ist sehr kompliziert. Die neuen RTS-Räumlichkeiten sind nicht für eine ‘Kaltlagerung’ geeignet, also für Dinge, die wir relativ selten brauchen. Ausserdem wirft Vinyl auch Sicherheitsfragen auf: Es entzündet sich zwar nicht leicht, erzeugt aber eine erhebliche Wärmelast. Es braucht also gesicherte – und erschwingliche – Räume.»

Sendehinweise aus einer anderen Zeit

Unter den Tausenden von Covern gleichen manche Entdeckungen vergessenen Schätzen. «Im Bereich Klassik haben wir Aufnahmen von Westschweizer Interpreten entdeckt, die nie wieder aufgelegt wurden. Das sind echte Archivperlen. Und für einen öffentlichen Sender wie uns ist das wichtig: Die Bewahrung dieses Gedächtnisses gehört zu unserem Auftrag.»

Jede Schallplatte erzählt auch von einer Epoche: Eine handgeschriebene Notiz mit Kugelschreiber. Ein vergilbtes Etikett. Manchmal ein Kratzer – wie Falten in einem kollektiven Gedächtnis.

«Wir haben Platten von Georges Brassens gefunden, auf denen Warnhinweise wie ‘Nicht vor 22 Uhr senden’ oder ‘Achtung, Liedtexte’ stehen», sagt Guex.

Holzkisten, in denen Schallplatten für einen Umzug verpackt sind
Die Holzkisten, in denen die Schallplatten für den Umzug verpackt werden, sind nach einer ganz bestimmten Reihenfolge angeordnet. RTS / Valentin Jordil

Ein millimetergenauer Umzug

In dieser riesigen Klangbibliothek dürfen die Referenzen auf keinen Fall durcheinandergebracht werden. Seit zwei Wochen befüllen die Teams grosse Holzkisten in einer genauen Reihenfolge.

Djamel, ein Umzugshelfer, erklärt die Methode: «Es geht immer von links nach rechts. Wir bereiten die Kartons mit Pfeilen und Nummern vor, damit man sich nie verirrt. Danach werden die Behälter genau in derselben Ausrichtung wieder beladen.»

Über die Klassifizierung hinaus muss auch das enorme Gewicht der Archive bewältigt werden. «Man muss die Ladegewichte der Lastwagen einhalten, die Vorschriften befolgen und vor allem die Nummern sorgfältig notieren, um später die richtige Schallplatte wiederzufinden.»

Trotz des hohen Arbeitstempos nehmen sich die Umzugshelfenden manchmal die Zeit, die Cover zu betrachten, die ihnen durch die Hände gehen. «Wir werfen kurz einen Blick drauf. Es gibt Klassiker, die man kennt. Gut … ich bin zwar jung, aber trotzdem gibt es viele Sachen, die ich wiedererkenne», lacht Djamel.

Ein Bunker mitten im Wald

Nach einer mehrstündigen Fahrt erreichen die Schallplatten Schlierbach im Kanton Luzern. Am Ende eines fast unsichtbaren Waldwegs öffnet sich eine schwere Metalltür, die zu einem ehemaligen Militärbunker führt.

Der Hüter des Orts heisst David Giudici. Er arbeitet für die Schweizerische Nationalphonothek. «Wir befinden uns in einem ehemaligen Militärbunker. Er bietet ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. Wir müssen fast nichts tun, um die Tondokumente in einer optimalen Umgebung zu erhalten. Deshalb wurde er ausgewählt.»

Blick in einen Bunkergang
Die Schallplatten werden in einem Bunker in Schlierbach im Kanton Luzern gelagert. RTS / Valentin Jordil

Seit Jahren werden hier bereits die Archivbestände der RTS-Sendungen aufbewahrt. «Die Hauptarchive der Schweizerischen Nationalphonothek befinden sich in Lugano. Hier bewahren wir aber eine zweite physische Kopie der Tondokumente auf», präzisiert Giudici.

Von nun an gesellen sich auch die musikalischen Schallplatten von RTS zu diesem tief im Herzen der Schweiz vergrabenen Bunker. Tausende von Stimmen und Melodien werden dort weiter schlummern, im Dunkeln, dem Lauf der Zeit enthoben.

Ein junger Mann mit Brille in einem Lagerraum
David Giudici von der Schweizerischen Nationalphonothek. RTS / Valentin Jordil

Übertragung aus dem Französischen mithilfe von KI/raf

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SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

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