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Schweizer Hip-Hop-Mekka: Renens rückt den Rap ins Rampenlicht

Ausstellung «Get Rich or Die Tryin'»
Hip Hop kommt mit viel Bling Bling: Bild aus der Ausstellung «Get Rich or Die Tryin'». Janette Beckman, Courtesy of Fahey/Klein Gallery

Die Ausstellung «Get Rich or Die Tryin'» zeigt die universelle Kraft der Hip-Hop-Kultur – deren Schweizer Wurzeln in einem Lausanner Vorort liegen.

Renens, ein Vorort von Lausanne, spielte eine zentrale Rolle in der Schweizer Rap-Geschichte. «Renens war eines der Epizentren des Raps in den 1980er- und 1990er-Jahren und prägte die Geschichte, da Carlos Leal und die Gruppe Sens Unik von hier kommen», erklärt Chantal Bellon, Direktorin des Ausstellungsortes Ferme des Tilleuls in Renens.

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Rapper Carlos Leal durfte einen ganzen Ausstellungsstock gestalten, der seinen persönlichen Werdegang und die Entstehung der Hip-Hop-Kultur in Renens nachzeichnet.

Zurück in die Vergangenheit

Der Raum ist aufgemacht wie ein Zimmer eines Jugendlichen aus den 1980er-Jahren: Auf einem alten Fernseher laufen Musikvideos, in der Ecke steht ein Pult mit Carlos Leals alten Notizbüchern. An den Wänden hängen Fotos von Familie, Freunden, Graffitis – und auch eine Busse wegen Sachschadens, die an rebellische Jugendjahre erinnert.

Lausanner Rapper «Sens Unik» sind zurück:

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Handschriftlich hat Carlos Leal poetische Zeilen an der Wand verfasst, wie ein Rap-Text. Zum Beispiel: «Am Anfang waren wir eine Handvoll sonniger Vornamen, Arbeitersöhne.» Dies spiegelt Leals Herkunft als spanischer Arbeitersohn wider und verbindet seine Geschichte mit der universellen Hip-Hop-Erzählung.

Chantal Bellon betont: «Die Hip-Hop-Kultur ist eine universelle Geschichte von Migration, Forderungen und dem Wunsch, sich durch Musik eine Stimme zu verschaffen.»

Carlos Leal wurde 1969 als Sohn spanischer Einwanderer in Renens geboren und brachte den Rap in die Romandie. (2009)
Carlos Leal wurde 1969 als Sohn spanischer Einwanderer in Renens geboren und brachte den Rap in die Romandie. (2009) KEYSTONE/EFE/Str

Die Wand gegenüber ist der Geschichte der Gruppe Sens Unik gewidmet, ab 1989. Hier findet sich ein Artikel aus dem Sonntagsblick vom 1. März 1992 über das erste Album von Sens Unik, «Le VIième Sens». «Rap aus der Romandie? Mais oui!» steht in der eingerahmten Schlagzeile. Daneben sind goldene Platten, Preise und Fotos aus dem Studio zu sehen.

Aufstiegsversprechen Rapkarriere

Die Hauptausstellung «Get Rich or Die Tryin’», kuratiert von Fotograf Paolo Woods und Kurator Lars Lindemann, ist von einem italienischen Fotofestival übernommen. Sie zeigt Arbeiten von zwölf internationalen Fotografinnen und Fotografen, die die Entwicklung der Hip-Hop-Kultur dokumentieren und damit verbreitet haben. Zum Beispiel Sophie Bramleys Aufnahmen von rohen Strassenszenen aus der Bronx der 1980er-Jahre, aber auch Aufnahmen von Rappern, die mit protzigen Autos posieren.

Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Hip-Hop-Kultur. Kamaal «Q-Tip» Fareed, Ali Shaheed Muhammad und Malik «Phife» Taylor von der Gruppe A Tribe Called Quest im Jahr 1997.
Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Hip-Hop-Kultur. Kamaal «Q-Tip» Fareed, Ali Shaheed Muhammad und Malik «Phife» Taylor von der Gruppe A Tribe Called Quest im Jahr 1997. Dana Lixenberg

Die Leitlinie dieser Fotoausstellung, so Bellon, ist es zu zeigen, wie Rap für Rapper und Rapperinnen als Möglichkeit wahrgenommen wurde oder noch immer wird, in der Gesellschaft aufzusteigen und reich zu werden.

Alles begann mit den Beats aus der Bronx

Die Ausstellung in Renens ist angereichert mit einer umfassenden historischen Zeitblende von den Ursprüngen der Hip-Hop-Kultur in der Bronx – über den Erfolg von Sens Unik in der Schweiz – bis zu Kendrick Lamar, der letztes Jahr als erster Solo-Rapper die Halbzeitshow des Super Bowls bespielen durfte.

Zähne zeigen: «Can You Hear Me?» zeigt den Rapper A$AP Rocky mit Klunkern und vergoldeten Zähnen. Aufgenommen in Harlem, New York 2013.
Zähne zeigen: «Can You Hear Me?» zeigt den Rapper A$AP Rocky mit Klunkern und vergoldeten Zähnen. Aufgenommen in Harlem, New York 2013. Philip Knott

Die dreiteilige Ausstellung zieht ein breites Publikum an: «alte Rapfans aus den 1990ern, die aus Nostalgie und Liebe zum Hip Hop kommen. Und die 20 bis 25-Jährigen, die Sens Unik nicht kennen», so Chantal Bellon. Das sei nicht schlimm, aber sie findet es gut, «daran zu erinnern, woher diese Bewegung kommt und wer die Leute waren, die es der Bewegung ermöglicht haben, auch in der Schweiz zu existieren».

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