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Von Luzern bis zum Titlis: Ein Einblick in diese Schweizer Orte, in denen es nur so von Touristen wimmelt

Eine Touristengruppe vor der Kapellbrücke
Besucher und Touristen genießen am 5. April 2026 das schöne Frühlingswetter an der berühmten Kapellbrücke in Luzern. Keystone / Urs Flueeler

Immer mehr Tourist:innen besuchen die Schweiz, was zu Besucherrekorden, aber auch zu wachsenden Spannungen führt. Von Luzern bis zum Titlis wird nach Lösungen gesucht, um die wirtschaftlichen Chancen des Tourismus mit der Lebensqualität der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Die Schweiz zieht immer mehr Besucher:innen an. Im Jahr 2025 verzeichnete das Land einen Rekord von über 60 Millionen Übernachtungen in Hotels und anderen Unterkünften.

Luzern empfing fast neun Millionen Menschen, doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Diese Zahlen, die vor allem auf Schweizer, deutsche und amerikanische Touristen sowie auf die Rückkehr asiatischer Besucher:innen zurückzuführen sind, setzen die Infrastruktur und das lokale Leben unter Druck.

Luzern versucht, die Besucherströme zu regulieren

In Luzern ist die Bewältigung des Reisebusverkehrs zu einer grossen Herausforderung geworden. Im gesamten Jahr 2024 kamen mehr als 35’000 Reisebusse am Schwanenplatz an. Um die Einwohner:innen zu entlasten, führte die Stadt eine Gebühr von 100 Franken für Reisebusse ein, die ihre Fahrgäste ausserhalb der vorgesehenen Ausstiegszone aussteigen lassen. Der Bus darf nur noch an einer einzigen Ausstiegsstelle verlassen werden, die kontrolliert wird.

Diese Massnahme hat die Zahl der Reisebusse um die Hälfte reduziert. Allerdings parken weiterhin private Luxusfahrzeuge dort, ohne dass die Beamt:innen die rechtliche Befugnis haben, sie wegzuschicken.

Und um die Gebühr zu umgehen, lassen einige Veranstalter ihre Fahrgäste auf günstigeren Parkplätzen am Stadtrand oder gar an Bushaltestellen aussteigen, was den öffentlichen Nahverkehr beeinträchtigt.

Menschenmenge und Bus
Im gesamten Jahr 2024 haben mehr als 35’000 Reisebusse den Schwanenplatz mitten im Zentrum von Luzern verstopft. Keystone / Urs Flueeler

SP-Nationalrat David Roth wohnt in Luzern. Er kritisiert, dass die Stadt den Tourismus auf Kosten ihrer Einwohner:innen bevorzuge. Er betont, dass der Schwanenplatz, obwohl zentral gelegen, nach wie vor ein wenig einladender Ort und im Sommer eine Wärmeinsel sei.

Projekte für eine U-Bahn oder eine Unterführung wurden in der Vergangenheit abgelehnt. Ein neues Projekt für eine Seilbahn zur Anbindung des Stadtzentrums wird Ende 2026 einer Volksabstimmung unterzogen.

Wenn der Tourismus den Alltag verändert

Die Grendelstrasse beherbergte früher mit lokalen Geschäfte, heute wird sie von Uhren- und Souvenirläden dominiert. Die Einwohner:innen fühlen sich manchmal in ihrer eigenen Stadt wie Fremde. Lärmbelästigung und der Mangel an öffentlichen Toiletten sind immer wiederkehrende Beschwerden.

Seit Sommer 2025 verbietet eine neue Regelung bei grossem Andrang den Zugang von Gruppen zum Seebad. Diese Massnahme zielt darauf ab, die Ruhe des Ortes angesichts lauter Gruppen und Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu bewahren. Die maximale Kapazität wurde auf 400 Personen festgelegt.

Die Bedeutung des Tourismus für Luzern wird nicht in Frage gestellt, doch die Mehrheit der Stadtbevölkerung ist der Ansicht, dass die Besucherzahl eine akzeptable Schwelle überschritten hat. Marcel Perren, Direktor des Tourismusbüros, räumt die «Auswirkungen der hohen Besucherzahlen» ein und setzt für die Zukunft auf «digitales Management».

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In Lungern: der Netflix-Effekt

In Lungern, einem kleinen Dorf in Obwalden, ist der Touristenandrang stark angestiegen, insbesondere dank der Netflix-Serie «Crash Landing on You», deren Schlussszene vor Ort gedreht wurde. Im Jahr 2025 besuchten fast 180’000 Tourist:innen das Dorf.

Fans der Serie strömen in Scharen zu den Drehorten, wie zum Beispiel zum Bauernhof der Familie Schallberger, wo die Bewohner:innen viel ertragen müssen: Müll, zertrampelte Wiesen, wildes Parken und das Betreten von Privatgrundstücken.

Angesichts dessen hat die Gemeinde im Jahr 2024 Verbotsschilder auf Privatgrundstücken aufgestellt. Zudem wurden Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit dem Einsatz von Drohnen in der Nähe von Hubschraubern im Einsatz festgestellt.

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Um ihre Sehenswürdigkeiten zu schützen, setzt Lungern eher auf Begleitung als auf Verbote. Im Herbst 2025 wurden Dutzende mehrsprachige Schilder (Deutsch, Englisch, Koreanisch, Chinesisch, Thailändisch und Arabisch) aufgestellt, um die Besucher:innen auf die offiziellen Wege zu leiten.

Der Titlis zwischen touristischer Entwicklung und Klimawandel

Auch die Region Interlaken und der Titlis verzeichnen Besucherrekorde. Im Jahr 2025 wurden mehr als eine Million Passagier:innen auf den Gipfel befördert. Die Titlis-Bergbahnen investieren 150 Millionen Franken in ein ehrgeiziges Projekt: den «Titlis Tower».

Dieser bewohnbare Turm, mit 3020 Metern der höchste Europas, wurde gerade eingeweiht. Er wurde von den Architekten Herzog und de Meuron entworfen und soll jährlich 1,5 Millionen Besucher:innen empfangen. Er umfasst eine Aussichtsplattform, ein Gourmetrestaurant, eine Bar und eine Rolex-Boutique, die alle mit einer neuen Bergstation verbunden sind.

Diese Entwicklung vollzieht sich, während der Titlisgletscher infolge des Klimawandels in den nächsten 20 bis 30 Jahren zu verschwinden droht. Einige Bergführer:innen nutzen die Gelegenheit, um Besucher:innen auf die Fragilität des Gletschers aufmerksam zu machen.

Touristen vor dem Titlis Tower
Asiatische Tourist:innen geniessen den Schnee, der bei der Einweihung des Titlis Tower am 29. Mai 2026 von einer kleinen Schneekanone erzeugt wurde. Keystone / Urs Flueeler

Öffentlicher Nahverkehr und Infrastruktur unter Druck

Auch der öffentliche Nahverkehr ist betroffen. Die Bahnlinie, die Luzern mit Engelberg und Interlaken verbindet, verzeichnet seit der Zeit vor der Corona-Pandemie einen Fahrgastanstieg von 43%. Das Personal muss den Zustrom an Fahrgästen und Gepäck bewältigen, was manchmal dazu führt, dass Sitzplätze wegfallen. Tourist:innen, die an garantierte Sitzplätze gewöhnt sind, beschweren sich über die Reisebedingungen.

Overtourismus ist ein weltweites Phänomen. Im Jahr 2025 reisten 1,5 Milliarden Tourist:innen ins Ausland. Die Schweiz rechnet mit einem anhaltenden Wachstum. Einige Expert:innen gehen davon aus, dass der Tourismus in Zukunft gezielter ausgerichtet sein wird, mit Rundreisen, die verschiedene Städte und Orte jenseits der üblichen Reiseziele erkunden.

Initiativen wie die von Luzern geplante «Tagesgebühr», die sich bei Reisebussen mit Online-Reservierungssystem auf bis zu 10 Franken pro Person belaufen könnte, zeigen den Willen, die Besucherströme zu regulieren und die notwendige Infrastruktur zu finanzieren.

Venedig erwägt, seine Eintrittsgebühr zu verzehnfachen

Venedig erwägt, seine Eintrittsgebühr für Tagestourist:innen je nach Tag von 5 auf 30 oder sogar 50 Euro anzuheben. Rémy Knafou, emeritierter Professor an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und Autor des Buches «Hypertourisme», stellt fest, dass «die derzeitige Gebühr von 5 Euro kaum abschreckend wirkt». Ausserdem «hat sie viel mehr eingebracht als erwartet, was ein klarer Beweis für ihre Wirkungslosigkeit ist», sagtder Experte am Sonntag in der Radiosendung «Forum».

Die Steuer betrifft nur die «Tagesausflügler:innen». Sie kommen oft von Kreuzfahrtschiffen. «Die Zahl der Tagesbesucher ist doppelt so hoch wie die derjenigen, die eine Nacht in Venedig verbringen», so Knafou. Diese Besucher «überfüllen die Strassen und geben wenig Geld aus», im Gegensatz zu den Tourist:innen, die vor Ort übernachten und mehr Einnahmen generieren.

Für den Geografen offenbart diese Strategie die wahren Prioritäten der venezianischen Stadtverwaltung. «Es handelt sich um eine Politik, die darauf abzielt, die Zahl derjenigen zu verringern, die wenig einbringen, und die Zahl derjenigen zu erhöhen, die mehr einbringen», analysiert er. Während Venedig sich über Overtourismus beklagt, «baut es gleichzeitig seine touristischen Kapazitäten weiter aus». Dem Experten zufolge stellt das eingeführte System «einen Eingriff in die bürgerlichen Freiheiten dar» und ist «das erste Mal, dass eine Stadt eine Maut für Tagesgäste einführt».

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