ECONOMICS/Krise prägt auch Kleinstaaten: Andorra und Monaco wollen sparen (AF)
ANDORRA LA VELLA/MONACO (awp international) – Die Wirtschafts- und Finanzkrise geht auch an einstigen «Steuerparadiesen» wie Andorra oder Monaco nicht spurlos vorüber. Das Fürstentum an der Côte d’Azur, das durch die fürstliche Hochzeit von Albert II. und seiner Frau Charlène Anfang Juli direkte und indirekte Einkünfte von 29 Millionen Euro erwartet, gelobte am Dienstag strikte Budget-Diszplin. Die Kosten der Hochzeit gab Regierungschef Michel Roger mit 19,6 Millionen Euro an – von denen lediglich 9,2 Millionen aus dem Staatssäckel kamen. Den Rest habe der Palast getragen, sagte Michel auf einer Pressekonferenz.
Der Kleinstaat Andorra in den Pyrenäen kündigte dagegen eine Serie von Steuer-Erhöhungen und Sparmassnahmen an. «Die traditionellen Sektoren unserer Wirtschaft stagnieren im günstigsten Fall», sagte Ministerpräsident Toni Martí in einer Fernsehansprache. «Bei den Staatsfinanzen sind wir nach Jahren des Defizits mit 825 Millionen Euro an einem Limit angelangt.» Der Regierungschef des Fürstentums kündigte für 2012 die Einführung einer Unternehmens- und Körperschaftssteuer an. 2013 solle eine Reform der Mehrwertsteuer in Kraft treten, sagte Martí nach Medienberichten vom Dienstag.
Zudem sei die Einführung einer Einkommenssteuer für Besserverdienende geplant. Bürger mit niedrigen Einkünften müssen wie bisher keine Steuern für Löhne und Gehälter zahlen. Andorra (85 000 Einwohner) nimmt zudem eine Reihe von Einsparungen vor. Die Gehälter der Beamten im höheren Dienst werden gekürzt. Dagegen will das Fürstentum mehr Geld für die Tourismusförderung ausgeben.
Monaco will durch eiserne Haushaltsdisziplin in den kommenden drei Jahren sein Budgetdefizit auf Null reduzieren, versprach am Dienstag Staatsminister Michel Roger. Der Regierungschef betonte aber mit Hinweis auf die Euro-Krise: «Die Lage in Monaco ist ein wenig anders: der monegassischen Wirtschaft geht es besser.» Es gebe aber Anlass zur Sorge vor einer allgemeinen Rezession im Euro-Raum, und das Fürstentum hänge von den Nachbarländern ab. Das Ziel heisse daher: Mehr Einnahmen durch weniger, aber gezieltere Ausgaben. Monaco und Andorra hatten sich auf Druck der grossen Industrienationen zu Zugeständnissen im Steuer- und Bankwesen bereiterklärt und waren daher von der OECD-Liste der Steuerparadiese gestrichen worden./hk/DP/bgf